Solothurn
Restaurant-Neueröffnung: Der goldene Löwe glänzt wieder

Ristorante al Cantuccio verde GmbH führt den «Löwen» neu als Steakhouse. Die neuen Betreiber Pero Vidojevic und Reda Rozayek eröffnen mit dem «Löwen» bereits das fünfte Restaurant.

Wolfgang Wagmann
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Über dem «Leue» hängt wieder ein prächtiges Wirtshausschild, ein goldener Löwe mit Becher.

Über dem «Leue» hängt wieder ein prächtiges Wirtshausschild, ein goldener Löwe mit Becher.

Wolfgang Wagmann

Es war Liebe auf den zweiten Blick. Vor rund zehn Jahren hatte der Unternehmer Rolf Hug mit einer Gruppe Gleichgesinnter die «Gassbar» an der Schaalgasse aufgezogen. Heute gehört ihm immer noch das Haus mit Blick auf den gegenüberliegenden «Löwen». Der zunehmend vor sich hin dümpelte, zuletzt gar leer stand. Und Hug zum Entschluss brachte: «Wenn es möglich wird, kaufe ich das Haus.»

Vor einem Jahr wurde es möglich. Und damit stand fest: Der «Löwen» bleibt ein Restaurant. Es sollte zwar dauern, bis klar war, wie es genau weitergehen sollte. «Es gab viele Interessenten», so Hug, «aber zuletzt konnte ich es nur einem geben.» Die Wahl fiel auf die Ristorante al cantuccio verde GmbH, in Solothurn besser bekannt als Betreiberin des Restaurants Zur Grünen Ecke.

Inzwischen wurde der altehrwürdige «Löwen» wieder auf Vordermann gebracht. Am augenfälligsten ist zweifellos das prächtige Wirtshausschild, ein goldener Löwe mit Becher, das wieder über dem «Leue» hängt – nachdem es jahrzehntelang weg gewesen war. Unterstützt von der Denkmalpflege hatte Rolf Hug auch mithilfe von alten Fotos Spurensuche betrieben. «Der legendäre Balken kommt wieder rein. Dazu der grosse Spiegel und der Gläserturm.»

Ein Haus mit bewegter Geschichte: 400 Jahre lang ein Hin und Her

Neben dem mittelalterlichen «Roten Löwen» östlich der «Krone» tauchte ab 1601 der «Goldene Löwen» an der Schaalgasse auf. Im 18. Jahrhundert zur heutigen Form umgebaut, erlebte die Taverne viele Wechsel – Charles Studer zählt in seinem Buch zu den Solothurner Gasthäusern allein 33 Namen von Wirten und Besitzern auf.

Im 19. Jahrhundert wurde das Haus gar wegen unbotmässigen Wirtens vorübergehend geschlossen. Eine Blütezeit erlebte der «Löwen» unter der gleichnamigen Genossenschaft in den 1980er-Jahren, ehe diese Anfang der 90er-Jahre das «Chez Derron» erwarb und zur Genossenschaft Baseltor mutierte. (ww)

Das fünfte Standbein

Noch gleicht der «Leue» einer Baustelle – und so wurde er auch während der Fasnacht betrieben. Schon damals stand fest, wie die neuen Betreiber heissen: Pero Vidojevic und Reda Rozayek. Sie stehen hinter der GmbH, die nächste Woche mit dem «Löwen» bereits das fünfte Restaurant eröffnen wird. «Wir sind schon lange in der Gastronomie tätig. Angefangen hatten wir vor 20 Jahren im Hotel Mövenpick in Egerkingen», erzählt Reda Rozayek.

2004 machte sich das Duo selbstständig und erwarb 2005 die «Grüne Ecke». Zwei Jahre später kam der «Tell» in Bellach dazu, und bereits 2009 pachtete die GmbH auch den «Stadthof» in Langenthal. 2012 übernahm die GmbH als viertes Lokal das renommierte Restaurant Krebs in Grenchen, vorläufig in Pacht. «Doch haben wir eine Kaufoption, die wir bis 2017 einlösen können», ergänzt Rozayek.

Und nun der «Löwen» in Solothurn als fünftes Standbein, das kaum das letzte der beiden rührigen Gastronomen bleiben dürfte. Sie haben das Traditionshaus an der Schaalgasse gepachtet und wollen es wieder an die besten Zeiten vor über 25 Jahren heranführen. «Ihr Konzept eines Steakhouse hat mich überzeugt», betont Hausbesitzer Rolf Hug, «so etwas gibt es in Solothurn noch nicht.»

Sie setzen auf bewährte Rezepte

«Das existiert im Umkreis von 40 Kilometern nirgends sonst», bestätigt auch Reda Rozayek. «Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen», meint der Gastronom – auch wenn hochwertiges Wagyu-Beef oder Tomahawk-Steaks auf den Tisch kommen. Günstiges Poulet, vegetarische Gerichte, Teigwaren oder Fisch sollen möglichst alle Gästekategorien in den «Löwen» locken, wo die beiden Restaurantbetreiber auf ihren weiteren, bewährten Trumpf setzen: die freundliche Bedienung. Gelebt nach ihrem Motto: «Als Gast kommen, als Freund gehen.»

Neue Toiletten, der gelungene Innenumbau – auch die alten Bänke auf der Südseite werden beibehalten – sollen im «Leue» für eine ähnliche Erfolgsgeschichte sorgen wie in den anderen übernommenen Restaurants, die zuvor teilweise auch Sorgenkinder gewesen waren. Über einen Nachteil sind sich Rozayek und Vidojevic aber völlig im Klaren: Zu den rund 80 locker gehaltenen Innenplätzen des «Löwen» können sich im Sommer draussen auf dem Trottoir nur gerade vier, fünf Tischchen gesellen. «Deshalb wurden die breiten Fenster so konstruiert, dass man sie alle hochschieben kann», verraten Rolf Hug und die neuen Betreiber.

Mit der klaren Fokussierung des Angebots an allen sechs Wochentagen, einer Crew mit zwei Köchen, einem weiteren zuständig für die kalte Küche und einem mehrköpfigen Servierteam, angeführt von der langjährigen «Tell»-Frontfrau Ramona Friedli, sieht Reda Rozayek der «Leue»-Zukunft optimistisch entgegen: «Wir sind uns der Konkurrenzsituation in Solothurn bewusst. Doch wer gut arbeitet, hat auch Gäste.»