Reformierte Kirchgemeinde Solothurn

Residenzpflicht im Pfarrhaus ist passé

Kirche Bellach und das Pfarrhaus (links vom Turm)

Kirche Bellach und das Pfarrhaus (links vom Turm)

Die Wohnsitzpflicht für Pfarrpersonen beschäftigte die reformierte Kirchgemeinde. Ausserdem blickt man mageren Budgetjahren entgegen.

Nachdem bereits der Gemeinderat über die Wohnsitzpflicht von Verwaltungsleitenden befunden hatte, befasste sich die reformierte Kirchgemeinde Solothurn mit einem ähnlichen Thema: Sollen Pfarrpersonen verpflichtet sein, in der Kirchgemeinde zu wohnen – oder gar im Gemeindekreis? Oder noch strenger: Sollen sie eine Residenzpflicht im Pfarrhaus haben? Dazu hatte der Kirchgemeinderat zuhanden der Versammlung vorgeschlagen, bei Bewerbern lediglich eine Wohnsitzpflicht innerhalb der Kirchgemeinde vorauszusetzen.

Vorneweg: Die Kirchgemeindeversammlung folgte mehrheitlich dem vorberatenen Antrag – mit dem Zusatz, dass bei gewissen Lebenssitationen davon abgesehen werden kann. Beispielsweise, wenn schon Wohneigentum, zum Beispiel für die Altersvorsorge, erworben wurde; oder wenn Pfarrpersonen mit einem geringen Pensum angestellt sind. Oder aber, wenn zwei verheiratete Pfarrpersonen in unterschiedlichen Kirchgemeinden tätig sind.

Residenzpflicht aus mehreren Gründen nicht sinnvoll

In der Debatte unumstritten war die Abschaffung der Residenzpflicht. Auf der einen Seite gelte das Pfarrhaus als Anlaufstelle und erspare einem Pfarrer beim Stellenantritt die Wohnungssuche. Auf der anderen Seite sei es laut Kirchgemeindepräsidentin Barbara Fankhauser «wenig sinnvoll», eine alleinstehende Pfarrperson in einem Sechs-Zimmer-Haus unterzubringen. Gerade die Residenzpflicht erschwere es in Zeiten des Pfarrermangels zudem, eine Stelle zu besetzen.

Wie Fankhauser informiert, wohnen gegenwärtig vier der acht Pfarrpersonen im Pfarrhaus: Otfried Pappe (Selzach), Gabi Wartmann (Bellach), Koen De Bruycker (Solothurn) und Samuel Stucki (Riedholz). Dennoch habe eine klare Mehrheit der Pfarrpersonen eine Aufhebung der Residenzpflicht befürwortet. «Die Entscheidung hat keine Auswirkungen auf den Lohn unserer Pfarrpersonen», erklärt Fankhauser. «Diejenigen, die jetzt in einem Pfarrhaus wohnen, zahlen regulär Miete abzüglich Inkonvenienzbetrag.»

Letztlich ist es auch eine Immobilienfrage

Was aber soll mit künftig leerstehenden Pfarrhäusern geschehen? Kurz: Die betroffenen Pfarrpersonen sollen weiterhin dort wohnen dürfen. «Langfristig stellt sich aber die Frage, ob die Kirchgemeinde Pfarrhäuser behalten soll, die nicht von Pfarrpersonen bewohnt werden», sagt Fankhauser. Die Frage der künftigen Nutzung werde 2020 im Rahmen der Umsetzung des laufenden Strategieprozesses angepackt: «Hier gibt es schon Ideen, aber noch keinerlei Beschlüsse.» Auch Liegenschaftsverkäufe sind dabei nicht auszuschliessen.

Diskussionsbedarf bestand bei der Frage, ob eine Pfarrperson – wegen der Nähe zu den Gläubigen und der Identität zum Ort – im selben Kreis der Kirchgemeinde wohnen muss, in dem sie auch arbeitet. Doch ein in diese Richtung gehender Änderungsantrag wurde abgelehnt.

Wenig rosige Budgetaussichten

Weiter war der Voranschlag 2020 Thema der Kirchgemeindeversammlung. Das Budget wurde genehmigt: Es orientierte sich in diesem Fall an den engen Grenzen der Rechnung 2018, statt am Voranschlag 2019 – und schlägt so immer noch mit einem Minus von 311031 Franken zu Buche. Diese werden mit Reserven gedeckt, die aus vergangenen Liegenschaftskäufen geäufnet wurden. Ein Faktor für die wenig rosigen Aussichten sind verminderte Zuflüsse beim Finanzausgleich.

Statt 400000 Franken erhält die Kirchgemeinde neu 150000 Franken. Weiter sind es Steuerausfälle, die ins Gewicht fallen: durch Wegzüge, Todesfälle und Kirchenaustritte. Für die nähere Zukunft sollen neue Sparpotenziale ausgelotet werden. Auch ein Zusammenschluss von Gemeindekreisen wird in Betracht gezogen. Eine Steuererhöhung steht derzeit nicht zur Debatte.

Auch für zwei Investitionen wurde grünes Licht gegeben. Im Bellacher Kirchenturm werden für 85000 Franken die Glockensteuerung ersetzt und die Lamellenkonstruktion saniert. Für den Turm der Stadtkirche Solothurn sind Sanierungen angezeigt, um die Sicherheit soweit zu erhöhen, dass der Turm für Besucher oder bei Anlässen zugänglich gemacht werden kann. Die nötigen 40000 Franken sollen via Sammelaktionen mobilisiert werden. 

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