Es ist kein Scherz. In Scherz AG, auf dem Bronnehof, wuchsen die diesjährigen HESO-Herzensbrecher auf. 30 Kilo bringen sie durchschnittlich auf die Waage, und - nein, sie sind trotz Ringelschwänzchen nicht rosarot. «Ich habe die Säuli gerne farbig», meint ihr Herr und Meister Alfred Vogt. Der Trainer der insgesamt 14 Rennsäuli meint mit farbig «gefleckt», denn er setzt auf die französische Rasse Duroc.

«Gefleckt»,das mögen die Leute. Insgesamt 14 «Boliden» hat Vogt am Donnerstag nach Solothurn transportiert. «Sie laufen in zwei Sechserstaffeln, zwei bleiben in Reserve.» Denn manchmal sei ein Säuli «extrem schnell» unterwegs, und auch beim Säulirennen ists wie in der Formel 1: Wenn immer dasselbe gewinnt wird's langweilig.

Alfred Vogt spricht über seine Arbeit mit den Rennsäuli

Alfred Vogt spricht über seine Arbeit mit den Rennsäuli

Ein Seriensieger wäre nicht nur langweilig, sondern würde auch den Wettbetrieb beeinträchtigen. Denn auf jedes Säuli, benamst und mit einem bedruckten Mänteli bestückt, kann man setzen. Mindestens einen Fünfliber, aber auch mehrere, gegen oben unbegrenzt. «70 Prozent des Einsatzes werden jeweils ausbezahlt, der Rest geht an die Unkosten der Organisatoren», weiss Alfred Vogt. Natürlich gibt's mehr Geld für jene, die auf Aussenseiter wetten - und reüssieren. «Es ist wie beim Pferderennen», so der Säuli-Lieferant aus Scherz.

Klingende Namen tragen die Cracks im Schanzengraben an der HESO: Das «HeSöili» startet für die HESO, der «Biorönner» für die Solothurner Biobauern und «Sau-Dan» für HESO-OK-Präsident Roger Saudan. «Guet zwäg» sei aber «Sausi» für Radio 32 unterwegs, meint Alfred Vogt, nach einem Favoriten gefragt. Aber so sicher ist das nicht...

Die Rennsäuli kommen zum ersten Mal bei einem Säulirennen an der HESO zum Einsatz

Die Rennsäuli kommen zum ersten Mal bei einem Rennen an der HESO zum Einsatz

Denn die Säuli rennen aus dem Lustprinzip heraus. «An einem neuen Ort müssen sie sich zuerst angewöhnen. Musik ist wichtig für sie, darum spiele ich stets die gleiche Melodie für sie im Radio ab.» Oft gingen die Säuli anfangs noch recht zögerlich zur Sache, ehe sie nach mehreren Renntagen vor Begeisterung quietschend zu wahrer Hochform auflaufen. «Dann laufen sie den Parcours, auf dem sie zwei Hindernisse elegant überhüpfen, in weniger als einer Minute», weiss Alfred Vogt aus Erfahrung.

«Denn Schweine sind Gewohnheitstiere.» Bis zu 20 km/h erreichen sie im Renneinsatz. Gewonnen hat, wer am Ziel zuerst sein Schnörrli in den Futtertrog steckt. Dann gibts als Belohnung einige der begehrten Apfelschnitze, ehe die Kinder die Tiere wieder in den Stall zurücktreiben dürfen. «Auch das gehört zu einem Säulirennen.»

Die Säuli geben alles

Die Säuli geben alles

Bei 20 Kilo beginnt das Training, bis 60, 70 Kilo bleiben Säuli im Rennen. «Sie haben nicht wie normale Mastschweine unbegrenzt Mastfutter zur Verfügung, sondern werden nur abends und morgens gefüttert. Hungern müssen sie aber nicht.» Doch seien die Säuli dadurch agil, denn bei einem permanenten Futterangebot würden sie rasch träge und «neigen zum blossen Herumliegen», weiss der erfahrene Schweinezüchter. Trotz ihrer im Tagesverlauf nur kurzen Renneinsätze wird jedes der Ferkel Ende der HESO wohl gegen 40 Kilo auf die Waage bringen. Alfred Vogt: «Sie nehmen pro Tag 900 Gramm zu.»

An der OLMA dagegen sind «Sau-Dan» und Co. nicht am Start. Noch ist Vogt nicht «Hoflieferant» in St. Gallen. «Bis vor einem Jahr waren Säulirennen aber nur ein Hobby für mich. Inzwischen habe ich ordentlich investiert. Das Ganze ist zu einem Betriebszweig geworden und ich bin der Schweiz ziemlich präsent.»

Rennen täglich um 16 und 18.30 Uhr (am Sonntag zweites Rennen schon 17.45 Uhr, beide mit OLMA-Moderator Christian Mander), am letzten HESO-Sonntag zweites Rennen um 17.30 Uhr.