Filmtage
Regisseur Christoph Schaub: «Solothurn hatte ich von Beginn weg gern»

«Rencontre»-Gast Christoph Schaub kommt seit fast 40 Jahren nach Solothurn an die Filmtage und zeigt seine liebsten Plätze.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Rundgang mit Filmtage-Ehrengast Christoph Schaub durch seine Lieblingsorte in Solothurn Im Entree des Landhauses
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In der Säulenhalle im Landhaus
In der Pferdemetzgerei
In der Pferdemetzgerei
In der Hauptgasse Solothurner Filmtage: Rundgang mit Filmtage-Ehrengast Christoph Schaub, Regisseur durch seine Lieblingsorte in Solothurn: In der Hauptgasse
Vor dem Kino Palace
Im Kino Palace vor einem Plakat mit seinem Konterfei
Rundgang Christoph Schaub

Rundgang mit Filmtage-Ehrengast Christoph Schaub durch seine Lieblingsorte in Solothurn Im Entree des Landhauses

Hanspeter Bärtschi

Wir treffen ihn im Landhaus, dort wo das Herz der Filmtage schlägt. Es ist ein Treffen mit Regisseur Christoph Schaub, der dieses Jahr «Rencontre»-Gast des Festivals ist, dessen wichtigste Filme alle im Kino Palace gezeigt werden und der seit fast vierzig Jahren ohne Unterbruch an die Filmtage kommt. Zuerst als filmbegeisterter Gymnasiast, wie er schildert. Schon damals konnte er einen kurzen Film, gedreht ohne grosses Budget, dem Publikum zeigen – eben hier im Landhaus.

Wenige paar Jahre später proklamierte er hier zusammen mit Gleichgesinnten in der Säulenhalle den Slogan «Wir wollen reich und berühmt werden». 1984 war das, in den wilden 80-er Jahren also. «Die gestandenen Filmtage-Leute hatten damals gar keine Freude an uns», erinnert sich der Zürcher. «Die sollen zuerst mal liefern, statt solche Forderungen zu stellen», hiess es.

Wir wollen reich und berühmt werden – Generationenkluft 1984

Wir wollen reich und berühmt werden – Generationenkluft 1984

Archiv Solothurner Filmtage

Besonders sei ihm in Erinnerung geblieben, wie das mit einer Sprühdose besprayte weisse Leintuch über einer grossen Skulptur des Künstlers Karl Geiser gehangen habe: über einer Arbeitergestalt. «Und dann kamen wir mit unserem Reich- und Berühmtwerden». Schaub kann sich sein Schmunzeln heute noch nicht verkneifen.

Das Landhaus: Ja und hier unter dem Dach gab es früher auch die günstigste Übernachtungsmöglichkeit an den Filmtagen. Fünf Franken pro Nase kostete die Nacht, 80 Personen konnten untergebracht werden. «Da ging es manchmal schon etwas drunter und drüber», lacht Schaub. Und wer seine Übernachtung am Abend noch nicht bezahlt hatte, wurde am Morgen recht unsanft geweckt.»

Beim Pferdemetzger

Wir machen uns auf, ein paar seiner Lieblingsplätze in der Altstadt von Solothurn zu besuchen. «Einen Ort, den ich immer aufsuche, ist die Pferdemetzgerei von René Wanner in der Schaalgasse. Hier duftet es unwiderstehlich nach den guten Würsten. Ich weiss nicht, ob es in Zürich noch eine Pferdemetzgerei gibt. Aber aus Solothurn bringe ich auf jeden Fall immer ein paar Würstli mit», so Schaub.

Solothurn habe er von Beginn weg gern gehabt, erzählt Schaub beim Spaziergang durch die Gassen. «Der Fluss, die barocke Altstadt – mir hat es immer sehr gefallen hier. Es ist jedes Mal wie ein Nachhausekommen». Klar, mache man auch mal Sprüche über das Wasserstiefel-Festival, den Pflotsch oder die Kälte, denn: «Solothurn im Januar ist nun einmal nicht Locarno im Sommer.» Doch es seien Sticheleien, die nicht bös gemeint sind. Und dann sagt Schaub noch, dass die Werkschau in den letzten Jahren viel Schwung bekommen habe.

Wie ein Einheimischer

Mit Christoph Schaub durch Solothurn zu spazieren, ist wir mit einem Einheimischen unterwegs zu sein. Von hinten, von vorn, von der Seite wird er erkannt und gegrüsst. «Ich kann mich noch gut erinnern, wie es war, als ich als Junger hierher kam. Ganz neidvoll beobachtete ich die gestandenen Filmregisseure und ihre Bekannten, die als verschworene Gemeinschaften zusammen im Kreuz hockten und die nächsten Pläne besprachen. Ich wollte unbedingt auch einer von ihnen sein.» Heute sei es oft so, dass er dem grossen Rummel lieber aus dem Weg gehe. «Es kann auch stressig sein, so viele Leute zu kennen».

Vor dem Kino Palace in der Hauptgasse hängt ein riesengrosses Plakat von Christoph Schaub, das ihn als «Rencontre»-Gast der diesjährigen Filmtage präsentiert. «Die Anfrage, dieses Jahr meine Filme hier zeigen zu können, betrachte ich als Wertschätzung meiner Arbeit», sagt er. Und es sei doch schön, als noch «junger» Regisseur eine Auswahl seiner wichtigsten Arbeiten in einem Programm sehen zu können. «Das spornt mich an, weiter zu machen. Ich habe momentan gleich zwei Projekte, die am Laufen sind», verrät er.

Christoph Schaub und seine Frau bei der Eröffnung der 53.Solothurner Filmtage

Christoph Schaub und seine Frau bei der Eröffnung der 53.Solothurner Filmtage

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Und zum Schluss ins Kreuz

Jetzt gehts wieder zurück Richtung Landhaus und Kreuz. Die Beiz, die für die Filmtage vielleicht so etwas wie die Lunge ist, wenn das Landhaus das Herz sein soll. «Es hat sich in all den Jahren viel verändert in der Stadt», hat auch Christoph Schaub bemerkt. «Doch was stets gleich gut geblieben ist, ist die Gastro-Szene. Da könnten sich die Zürcher noch so manche Scheibe abschneiden – vor allem, was das Preis/Leistungs-Verhältnis anbelangt.»

Sein liebstes Restaurant sei allerdings das Baseltor verrät er noch, denn dort gehe etwas meist etwas Ruhiger zu als im Kreuz. «Und das Essen ist seit Jahren immer gleich exzellent». Im Kreuz stimmt es aber auch für ihn – neben dem Kulinarischen auch die Location. Sitzt man hier und der Laden ist gerammelt voll, sind Filmtage – so einfach.

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