Solothurn

Regiobank verliert bis auf den Chef das ganze Private-Banking-Team

Markus Boss, CEO der Regiobank Solothurn, muss sich ein neues Team fürs Private Banking suchen.

Markus Boss, CEO der Regiobank Solothurn, muss sich ein neues Team fürs Private Banking suchen.

Das Private Banking der Regiobank Solothurn wurde einer Reorganisation unterzogen, die das Team gar nicht goutierte: Es lässt den neu eingesetzten Leiter allein zurück. CEO-Markus Boss betont: «Das Team hatte aber nichts gegen seine Person.»

Am 15. August wurde Stefan Winterberger nach der Probezeit zum neuen Leiter Private Banking bei der Regiobank Solothurn ernannt. Am 31. Oktober kam es zum Crash: Das ganze Team um den bisherigen Leiter Renato Schmitz, vier Kundenberater und eine Assistentin, kündigten gleichzeitig. «Dass ein ganzes Team im Private Banking kündigt, ist nicht aussergewöhnlich. Für uns aber schon», meint CEO Markus Boss angesichts einer sonst stabilen Personalpolitik in einer Bank, die «keine Skandale» kenne. Ausgeschlachtet hatte den «Chlapf» das Zürcher Organ «Inside Paradeplatz», nachdem die Bank am Montag die rund 1000-köpfige Kundschaft, darunter viele institutionelle Anleger, über die Abgänge informiert hatte.

Offenbar fühlte sich das Team brüskiert

Die Vorgeschichte: Im Frühling habe man die Strategie der Bank im Private Banking überprüft und «geschärft» so Boss – vor allem auch wegen neuen Regulatorien. Seit zehn Jahren gibts die Abteilung, die ein Depot-Volumen von 1,2 Mia. Franken verwaltet. «Doch hatten wir den Eindruck, wir seien gemessen an den Zielen zu wenig erfolgreich», räumt der CEO ein. Es kam mit Winterberg der neue Abteilungsleiter, der Mitte August als solcher installiert wurde. Markus Boss: «Wir hatten den Schritt vorher nicht angekündigt.»

Der 63-jährige Renato Schmitz – er hatte seine etwas vorzeitige Pensionierung in zwei Jahren angekündigt – und sein Team hätten nicht mit einer «so frühen Veränderung» gerechnet. Und deshalb zweieinhalb Monate später in corpore darauf reagiert. «Aber wir haben niemandem gekündigt und auch keine Saläre gekürzt.» Eine Freistellung sei beim Private Banking in solchen Fällen üblich – doch angesichts der Fünffach-Kündigung habe man nur den Leiter freigestellt, um das Funktionieren der Abläufe noch bis zum Verlassen der übrigen Teammitglieder Ende Januar sicherzustellen. Markus Boss: «Inzwischen ist die Betreuung unserer Kunden sichergestellt.» Und: Diese seien zuvor mit den bisherigen Teammitgliedern «sehr zufrieden» gewesen, stellt der CEO den Scheidenden ein gutes Zeugnis aus.

Ob auch eine Abwerbeaktion der Konkurrenz hinter dem Exodus steckt, muss Markus Boss offen lassen. Solche gebe es im Private Banking durchaus und entsprechende Gerüchte kursierten. «Wir sind jedenfalls mit Volldampf daran, das Team zu ersetzen, und erste Leute haben sich bereits gemeldet, verweist er auf den keineswegs ausgetrockneten Personalmarkt in diesem Banking-Segment.

Parteipolitik kein Thema im Verwaltungsrat

«Inside Paradeplatz» handelt auch schon den 50-jährigen Oberdörfer Anwalt Philipp Simmen, seit 2017 im Verwaltungsrat, als Nachfolger von VR-Präsident Felix Leuenberger, der nächstes Jahr aufhört.

Der Bellacher Industrielle dementiert diese Personalie: «Zu Spekulationen betreffend Zusammensetzung und Nachfolgeregelung in unserem Verwaltungsrat äussern wir uns grundsätzlich nicht. Wir kommunizieren erst dann, wenn Entscheide auch getroffen worden sind.» Leuenberger betont, die Regiobank sei keine Kantonalbank, sondern eine private Aktiengesellschaft. Entsprechend wähle man die Verwaltungsräte «nach ihren beruflichen Fähigkeiten aus und nicht nach Zugehörigkeit zu Parteien oder Organisationen».

Einmal mehr Kurt Fluri im Visier

Denn «Filz und Intrige» wittert «Inside Paradeplatz» im Zusammenhang mit dem personellen Aderlass im Private Banking der Regiobank und zeigt mit dem Finger auf die «Solothurner Freisinn- und CVP-Politkaste», angeführt durch Stadtpräsident Kurt Fluri. Dieser kontert ebenfalls: «Parteipolitik spielte im Verwaltungsrat noch nie eine Rolle, bei Anstellungen schon gar nicht», meint Fluri, der als VR-Vizepräsident «mehr oder weniger von Amtes wegen» im Verwaltungsrat einsitze. Ausser bei ihm und bei Andreas Bühlmann sei die Parteizugehörigkeit von VR-Mitgliedern gar nicht bekannt.

Früher stellte die Stadt drei Verwaltungsräte, jetzt noch «einen bis zwei», so Fluri. Mit 20 Prozent des Aktienkapitals oder 10 000 Aktien – aktueller Börsenwert rund 40 Mio. Franken – ist die Stadt aber nach wie vor grösste Aktionärin der Regiobank. Deshalb gab es auch schon politische Vorstösse, das Aktienkapital zu bilanzieren.

In ein «möglichst schlechtes Bild» gerückt?

In einer Kurzstellungnahme gehen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Regiobank auf Distanz zur Zürcher Darstellung der Ereignisse. Diese entspreche «nicht den Tatsachen». Und: «Wir fragen uns, wer durch falsche Schilderung der Vorgänge ein Interesse haben kann, unsere erfolgreiche Bank in einem möglichst schlechten Licht darzustellen.»

Markus Boss betont: «Das laufende Jubiläumsjahr wird tipptopp werden und wir haben viele Kunden dazugewonnen.»

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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