«Es ist Jubiläumszeit, und wir haben Grund zur Freude.» Man kann sich angesichts dieser Devise an der Generalversammlung der Regiobank Solothurn eines fragen: «Schon wieder Jubiläumszeit?» So liegt der letzte «Runde» gerade mal vier Jahre zurück. Wie das geht, erklärte Verwaltungsratspräsident Felix Leuenberger den 1481 anwesenden Privataktionären in der Eishalle Zuchwil gleich selbst.

Während sich nämlich 2015 das Bestehen der ehemaligen Leihkasse zum 150. Mal jährte, ist es heuer die frühere Ersparniskasse Solothurn, die ihr 200-Jahre-Jubiläum begeht. Der Blick in die historischen Aufzeichnungen verrät: Beide von der Stadt Solothurn gegründeten Institute fanden 1990 unter dem Namen Regiobank unter einem gemeinsamen Dach zusammen.

 Mehr als 6000 Aktionäre

Und so gilt besagtes Jubiläumsmotto heuer genauso, wie es vor vier Jahren gepasst hätte. Nach Geburtstagswünschen des Regierungsrat, überbracht von Brigit Wyss als Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements, stellte Leuenberger die Frage, die er gleich selbst beantwortete: «Worüber können wir uns freuen?» Als positiv unterstrich er die Entwicklung der Aktionäre. Im vergangenen Geschäftsjahr überschritt die Anzahl Eigner erstmals die 6000er-Wunschmarke. Die Regiobank zählt nun 6114 Aktionäre.

«Die Bank kann sich aber auch über die starke Zunahme des Eigenkapitals freuen.» Konkret wuchs dieses – nach Gewinnverwendung – um knapp 7 Prozent oder um 14,5 Mio. Franken. Auch konnte eine angestrebte Steigerung der Eigenmittel wiederholt erreicht werden, wie Leuenberger weiter ausführte. Es blieben nicht die einzigen frohen Botschaften für die Aktionäre. Diese dürfen sich neben einer ordentlichen Dividendenerhöhung von 66 auf 68 Franken auch über einen Jubiläumszustupf in der Höhe von 4.40 Franken pro Aktie freuen.

Bedenklicher Bankenschwund

Dann warf Leuenberger einen Blick auf das Bankenwesen und seine Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren: «Seit 1996 ist die Anzahl der Banken in der Schweiz um 37 Prozent geschrumpft.» Bei den Regionalbanken beträgt der Schwund 48 Prozent. Und: Von den zwölf Solothurner Regionalbanken, die es 1990 noch gab, bestehen bis heute lediglich drei fort. «Wirtschaftskrisen, Fehlspekulationen, falsche Kreditvergaben und andere Gründe haben zu diesem Bankensterben beigetragen. Dass unsere Bank in diesem Umfeld überlebt hat, ist nicht selbstverständlich.»

«Wichtig ist: vorsichtig bleiben»

Auf aktuelle Herausforderungen kam Regiobank-CEO Markus Boss zu sprechen: Während die wichtigste Ertragsquelle der Bank das Zinsengeschäft sei, stehe man derzeit aufgrund des sehr tiefen Zinsenumfelds auch rückläufigen Margen gegenüber. «Um die Erträge halten oder steigern zu können, brauchen wir Wachstum», so Boss. Dies sei trotz intensivem Konkurrenzkampf gelungen.

«Wichtig ist, dass man vorsichtig bleibt», ermahnte er. So bestehe in diesem Konkurrenzklima die Gefahr, dass man bei Hypotheken und Krediten zu grosse Risiken eingehe. «Wir lehnen deshalb Geschäfte ab, die unseren Beurteilungskriterien nicht standhalten», hielt Boss fest. Weiter runde die bereits von Felix Leuenberger angesprochene Erhöhung der Eigenmittel das Bild der gesunden Bilanzentwicklung ab. Zusammenfassend hielt Markus Boss abschliessend diagnostisch fest: «Wir sind zwar 200-jährig, aber kerngesund.»

Weitere Neuigkeiten vermeldete Leuenberger: beispielsweise die baldige bauliche Erneuerung des Hauptsitzes in Solothurn. Planmässig soll diese bis Mitte 2021 abgeschlossen sein. Dafür ist auch eine vorläufige Auslagerung des Betriebs vonnöten.