«Domaine de Soleure»
Reben der Bürgergemeinde Solothurn wurden fast allesamt verhagelt

Der verheerende Sturm von letzter Woche hat auch die Reben der «Domaine de Soleure» schwer getroffen. Besonders gelitten haben Colombier, Cressier und Auvernier. Dort wurden alle Rebstöcke verhagelt.

Wolfgang Wagmann
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In einigen Anbaugebieten wurden alle Rebenstöcke verhagelt. (Archiv)

In einigen Anbaugebieten wurden alle Rebenstöcke verhagelt. (Archiv)

Keystone

«Der erste Eindruck am Freitagmorgen war katastrophal», blickt Sergio Wyniger, Präsident der Bürgergemeinde Solothurn, auf den fatalen Donnerstagnachmittag zurück, der nicht nur dem Eidgenössischen Turnfests Unheil brachte, sondern auch weite Teile der Rebberge in der Romandie entlang des Juras verheerte.

Darunter die weitläufigen Weingüter der Bürgergemeinde, respektive der Spital-Stiftung mit dem Produktionszentrum in Le Landeron. «Bis jetzt hatten wir jeweils bei Unwettern und Hagelzügen insofern Glück, dass unsere Reben an verschiedenen, relativ weit voneinander liegenden Standorten nicht alle zusammen betroffen waren.»

Sonst 90 000 kg Trauben

Schon das letztjährige Weinjahr 2012 war kein einfaches gewesen. «Die feuchtwarme Witterung, die bis praktisch vom Austrieb bis zur Ernte anhielt, sorgte für intensiven Wuchs und sehr hohen Krankheitsdruck. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, mussten die Reben besonders umsichtig und mit Sorgfalt gepflegt werden», schreibt Oenologe und Produktionsleiter Christoph Kaser in seinem Rebbericht zuhanden der Bürgergemeinde.

Zuletzt liess sich das Ergebnis dennoch sehen, ernteten doch die 18 meist polnischen Erntearbeiter über 90 000 kg Trauben. Eher bescheiden fiel die Pinot-Ernte aus, von der späten Merlot-Traube wurden immerhin noch 2777 kg eingebracht. Die Qualität der Trauben sei jedoch «bemerkenswert» gewesen, so Kaser. Speziell hohe Oechslegrade wies der Pinot noir auf, aber auch die weissen Sorten Chasselas und Sauvignon Blanc hätten «tolle Trauben» geliefert, die Chardonnay-Trauben seien sogar überdurchschnittlich gewesen. (ww)

Doch diesmal sparte die mächtige Superzelle, die mit Sturmwinden, Hagel und Starkregen von Yverdon herzog, keinen der Solothurner Rebberge aus. «Die Reben wurden regelrecht vom Hagel geschunden. Insgesamt liegt der Ausfall bei 70 bis 80 Prozent. Alles zerstört ist in Colombier, Auvernier und Cressier; in Le Landeron blieben etwa 40 Prozent der Parzellen intakt, am ‹besten› siehts noch in La Neuveville aus.» So werde es heuer sicher keinen Oeil de Perdrix und auch keinen Merlot geben.

Schon versichert, aber ...

Der Schaden ist für Sergio Wyniger noch kaum abzuschätzen. «Wir haben schon eine Hagelversicherung, aber die Deckung geht maximal bis zu einer halben Million.» Dies bei einem Jahresumsatz der «Domaine de Soleure» von über 900 000 Franken. «Und die Fixkosten laufen natürlich weiter.» Neben dem Önologen und Produktionsleiter Christoph Kaser sind zwei weitere Arbeitskräfte in Le Landeron fest angestellt, dazu Leute auf Abruf. «Kaser war völlig am Boden zerstört. Denn teilweise wirken sich die Schäden in den Reben auf mehrere Jahre aus. Er meinte, ein solches Ereignis gebe es nur alle 50 Jahre.»

Zwar wird Christoph Kaser längst nicht alle der sonst rund 20 Erntehelfer aus Polen brauchen. Eine Ersparnis, die aber keine Freude macht – weil die Minderarbeit auch Minderproduktion bedeutet. «Doch Arbeit gibts ansonsten in den verwüsteten Rebbergen schon, und zwar eher mehr als sonst», meint Wyniger, der den Gesamtschaden vorsichtig auf mehrere Hunderttausend Franken veranschlagt.

Restaurants sind Hauptkunden

Das Weingeschäft der Bürgergemeinde ist ohnehin kein Einfaches. «Es wird stets weniger getrunken und auf billigeren, ausländischen Wein ausgewichen. Doch billig können wir gar nicht sein», weiss Sergio Wyniger. Dafür stelle man ein regionales, qualitativ hochstehendes Produkt her. Ohnehin hat man längst auf die Nachfrage der Kundschaft reagiert und die Anbaufläche der Rotwein-Rebsorten Pinot noir, Malbec und Merlot sukzessive auf 57 Prozent der Gesamtfläche erhöht. «Die Zeiten in den Achtzigerjahren, als man noch zwei Flaschen Weissen kaufen musste, um einen Roten zu erhalten, sind längst vorbei.»

Doch ein Problem könnte es nach der jetzigen massiven Einbusse beim Jahrgang 2013 geben: Zwei Drittel ihres Weines setzt die Bürgergemeinde Solothurn in meist regionalen Restaurants ab. Für den Bürgergemeindepräsidenten stellt sich nun die Frage, ob die Kunden nach dem absehbaren Lieferengpass der «Domaine de Soleure» die Treue halten und wieder «Bürgerwein» ordern werden. Der schwache Trost: Schweizer Gewächse aus der Region Genf, Neuenburg oder Bielersee werden kaum in die Bresche springen können – die Probleme nach dem Horrorunwetter vom 20. Juni sind überall die Gleichen.