Gemeinderat

Reaktionen auf Weitblick-Konzept: «So produzieren wir eine Schlafstadt!»

Die Segetzstrasse wird sich noch einige Jahre länger so präsentieren als es der Ratslinken lieb gewesen wäre.

Die Segetzstrasse wird sich noch einige Jahre länger so präsentieren als es der Ratslinken lieb gewesen wäre.

Das Stadtentwicklungskonzept zum «Weitblick»-Areal wurde mit Nebengeräuschen gutgeheissen und kritisch hinterfragt. Ein wichtiger Punkt: Wird die Anbindung an die Weststadt gewährleistet? Einen Stadtpark wird es auf jeden Fall nicht geben.

Eine «Superarbeit» sei das Stadtentwicklungskonzept für das «Weitblick»-Areal mit 125 000 Quadratmetern Baufläche, fand FDP-Sprecherin Susanne Asperger nach der Einführung durch Bauamt-Leiterin Andrea Lenggenhager. 488 Wohnungen sollen 1300 neue Einwohner in die innere Weststadt bringen, dazu Gewerbe in einem optimalen, hohen Nutzungsmix. «Wir wollen keine Schlafstadt» hatte die Bau-Chefin in ihrer «Charta» zum neuen Stadtteil klar formuliert, für den in den nächsten drei Jahren die Infrastruktur zum Baubeginn erstellt werden soll. Obwohl die FDP das Konzept als «wertvolle Grundlage für eine zielgerichtete Entwicklung» ansah, stellten sich ihr doch Fragen. Ob die Anbindung der Weststadt gewährleistet sei? Und eine Spezialfinanzierung sinnvoll sei? Später am Abend eine Antwort: Dies werde man zusammen mit der Finanzverwaltung prüfen.

Ringen um den Stadtpark

Die «Superarbeit» wurde schon von SP-Sprecher Matthias Anderegg kritischer hinterfragt. Ihm fehlte im Konzept die Durchgängigkeit zur Aare, und die Wohnzone im Borden müsse verdichteter (höhere Ausnützungsziffer) sein, um mehr Urbanität mit verschieden genutzten Erdgeschossen zu erzielen. «So produzieren wir eine Schlafstadt!», meinte er. Auch machte sich Anderegg für einen Erhalt des Henzihofs als möglichen Quartiertreff stark. Vor allem aber forderte er die Realisierung des Stadtparks, des Fegetzhains, in der ersten Etappe, als «sichtbares Zeichen für die Anbindung der Weststadt.»

Daraus resultierte der einzige Abänderungsantrag zum Konzept, eine «politische Vorgabe», die Andrea Lenggenhager nicht gerne sah – «im Fall einer Zustimmung müssten wir bei der Finanzierung über die Bücher.» Im Weiteren habe man «ein sehr stimmungsvolles Vorprojekt», die Planung des Hains werde sicher keinem Privatinvestor überlassen. Nun, der SP-Antrag auf Vorziehen des Stadtparks fand nicht einmal bei allen Grünen Unterstützung und scheiterte mit 15 gegnerischen und nur 12 befürwortenden Stimmen sowie bei einer Enthaltung – trotz der Bedeutung des Geschäfts für die Stadtentwicklung waren nämlich nur 28 von 30 Ratssitzen besetzt.

Der Henzihof hat Fürsprecher

CVP-Sprecherin Barbara Streit wurde fast etwas melancholisch, wenn sie erwähnte: «Erstmals befasse ich mich mit einem städtischen Bauvorhaben, dessen Vollendung ich vielleicht gar nicht mehr erlebe.» Die Nachfrage nach Wohnungen werde dank den Biogen-Ansiedlungsplänen steigen, allerdings seien die Einnahmenerwartungen «etwas spekulativ», und es stehe finanziell «eine lange Durststrecke» bevor. Insbesondere sprach sie damit die Altlastensanierung im letzten Bauabschnitt an, die in der Gesamtrechnung nicht enthalten ist. Streit hofft auf einen Grossinvestor, damit Kosten abgewälzt werden könnten. Auch die CVP stehe einem Erhalt des Henzihofs positiv gegenüber, wurde von ihr weiter betont.

Ein Punkt, der auch Stefan Buchloh für die Grünen wichtig war. «Der Henzihof sollte nochmals näher betrachtet werden.» Dazu bemerkte Andrea Lenggenhager, die Bausubstanz des Bauernhofs sei schlecht, aber man werde die Liegenschaft noch speziell überprüfen.

Wer zahlt Fernwärme-Anschluss?

CVP-Mann Peter Wyss nahm einen Punkt auf, der schon in der vorhergegangenen Debatte der Gemeinderatskommission GRK ein grosses Thema gewesen war: die Erschliessung mit Fernwärme über einen Strang in den Westen der Stadt für 2,5 Mio. Franken. «Wer bezahlt dies, die Stadt oder die Regio Energie Solothurn?», verlangte Wyss Klarheit. Eigentlich wollte die Regio Energie den «Weitblick»-Perimeter mangels profitabler Anschlüsse gar nicht ans Fernwärmenetz anschliessen. Für das vorgesehene Energiekonzept, das dort vom Einhalten der Normen für die 2000-Watt-Gesellschaft ausgeht, wäre ein solcher Anschluss jedoch die beste Lösung – anders seien die Ziele in Sachen Energiehaushalt nicht zu erreichen, wurde Wyss bedeutet. Die Stadt sei also «Besteller» der Anschlussleitung bei der Regio Energie, folgerte Kurt Fluri – womit er die hartnäckige Nachfrage von Wyss, ob es sich also bloss um eine Vorfinanzierung der Stadt handle, unbeantwortet liess. In den Rats-unterlegen ist allerdings die Rede davon, dass man die 2,5 Mio. Franken auf den Verkaufspreis des Landes abwälzen wolle.

Und der Verkehr

Für die SVP schnitt René Käppeli den Kritikpunkt Verkehr an: Wie könne die jetzt schon in den Stosszeiten überlastete Westtangente die bei der «Weitblick»-Realisierung zusätzlich erwarteten 10 000 Autofahrten täglich schlucken? Stadtplaner Daniel Laubscher erinnerte an die sehr gute öV-Anbindung im Norden, wo ein «autoarmes» Quartier auch dank einer Änderung des Parkplatz-Reglementes entstehen soll. Und Kurt Fluri betonte, der Bau der Umfahrung sei durch den Bund nur mitfinanziert worden, wenn damit nicht mehr Strassenfläche als vorher entstehe.

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