Veranstaltet wurde der Anlass von Enviro, einer Vereinigung von Studenten der Schweizer Hochschulen, die sich für die Nachhaltigkeit starkmachen. Für die Studenten war diese Diskussion nur Teil eines Studienwochenendes. Für das Podium konnten sie prominente Teilnehmer gewinnen. Nach einer Einführung ins Thema durch Andreas Schneider diskutierten unter der Moderation von Martin Läubli Stadtpräsident Kurt Fluri, Daniel Lehmann, Direktor des Baumeister-Verbandes, als Überraschungsteilnehmer Stadtwanderer Benedikt Loderer, Paul Pfister, pensionierter Raumplaner des Kantons Aargau, und die Solothurner Politikerin Brigit Wyss.

Sowohl Fluri als auch Wyss konnten darauf hinweisen, dass die Stadt keine Probleme mit dem neuen Raumplanungsgesetz bekommt. Fluri sprach das Projekt «Weitblick» an, das für die nächsten Jahrzehnte genügt. Die Stadt nimmt sich Zeit und weiss, was sie auf diesem Gelände nicht haben will. Mitte 2015 können voraussichtlich die ersten Grundstücke verkauft werden. «Aber trotzdem – jede Gemeinde will Wachstum», so Wyss.

Selbstbestimmung des Kantons

Paul Pfister nahm diesen Faden auf und erklärte, dass im Kanton Aargau die Baulandreserven in den ländlichen Gebieten für die nächsten 40 Jahre ausreichend sind. In den urbanen Gebieten sind sie jedoch erschöpft. Der Kanton müsste die Möglichkeit haben, zu bestimmen, wie er sich entwickeln soll. Für Lehmann muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Als Präsident des Baumeister-Verbandes sieht er die Probleme beim Bauen weniger beim Raumplanungsgesetz als bei den kommunalen und kantonalen Bauvorschriften.

Benedikt Loderer nahm für seine teilweise bewusst provokativen Fragen als Grundlage, dass in der Schweiz von 1945 bis heute so viel gebaut worden ist, wie seit der Römerzeit bis 1945. Einen grossen Raum nahm die Diskussion über das verdichtete Bauen ein. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass Hochhäuser oder gar Wolkenkratzer keine geeignete Lösung darstellen. «Der Staat muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass verdichtet gebaut werden kann», war die Ansicht von Lehmann. Dies stosse an die Grenzen der Demokratie meinte Fluri: «Die Gemeindeautonomie gehört zu den Grundsätzen des Föderalismus.»

Für Brigit Wyss ist die strikte Aufteilung in Bauzonen der Grund des Übels. «Wir müssen die verschiedenen Bauzonen, Wohn-, Gewerbe- und Industriezonen, wieder zusammenführen.» Nur durch deren Vermischung lässt sich der Landverschleiss eindämmen und das verdichtete Bauen fördern. Loderer: «Wir haben ein gutes Beispiel: die Solothurner Altstadt. Die Solothurner bauten eine Mauer um die Stadt. Jetzt haben wir die schönste Barockstadt der Schweiz!» Er unterstrich damit sein Credo, dass nur noch dort gebaut werden sollte, wo bereits gebaut ist. «Der germanische Einzelhof ist ein Auslaufmodell.» Das Fazit von Fluri: «Die Abstimmenden sind weiter als die Behörden.»