Solothurn
Raketen, Planeten und Co.: Kinder begeben sich spielend auf dem Weg zu den Sternen

Die Frühlingsferienaktion auf den drei Solothurner Quartierspielplätzen Tannenweg, Güggi und Villa 41 führt die Jung-Astronauten diese Woche in unendliche Weiten. Der Verein steht unter neuer Führung.

Andreas Kaufmann
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Frühlingsferienaktion der Quartierspielplätze Die jungen Schmiede zaubern kosmische Kostbarkeiten.
23 Bilder
Etwas Spass muss sein.
Frühlingsaktion auf den Solothurner Quartierspielplätzen im April 2018
Engagierte Raketenkonstrukteure zimmern aus Holzplanken die Aussenhülle für die «Güggi»-Rakete.
Was wird wohl hier gebastelt?
Konzentriert beim Dekorieren von Zaunlatten.
Konzentriert beim Dekorieren von Zaunlatten.
Diese Rakete ist startbereit.
«Bunt und farbig» lauten die Schlagworte während der Frühlingsaktion der Quartierspielplätze.
«Bunt und farbig» lauten die Schlagworte während der Frühlingsaktion der Quartierspielplätze.
Ob in diesen Spraydosen überhaupt noch Farbe übrig ist nach dieser grossen Bastelaktion?
Selbst gebastelte Planeten...
Selbst gebastelte Planeten...
Ausserirdische aus Dosen? Warum nicht!
Das tiefschwarze «Planetarium» in der «Villaz 41»
Hier wird fleissig gekleistert und gewerkelt.
Hier wird fleissig gekleistert und gewerkelt.
Hier wird fleissig gekleistert und gewerkelt.
Höchste Konzentration beim Basteln.
Höchste Konzentration beim Basteln.
Höchste Konzentration beim Basteln.
Auf dem Trampolin können sich die Kids richtig austoben.
Auf dem Trampolin können sich die Kids richtig austoben.

Frühlingsferienaktion der Quartierspielplätze Die jungen Schmiede zaubern kosmische Kostbarkeiten.

michelluethi.ch

Zappenduster ists in der Güggi-Galaxie. Schwarzlicht, Leuchtsterne, Lavalampen sind die Lichtquellen, die die Liedblätter halbwegs lesbar machen. Dabei können die hier Versammelten den Text eh schon auswendig: «Ganz still, im Universum riesengross, unendlich weit und grenzenlos...», stimmen hier rund 30 Kinder an, in deren Fantasie sich diese unendlichen Weiten auftun. Und mitten im Raum eine Wissensbox, wo sich die Jung-Astronomen via Bücher kinderleicht schlau machen können. Denn so rau ist er nicht, der Weg zu den Sternen – viel eher spielerisch.

Und wie jedes Mal im Frühling und Herbst liefert diese Ferienaktion der drei städtischen Quartierspielplätze auch heuer den Beweis, dass sich mit einem gut gewählten Thema eine Schar von rund 100 Kindern bestens begeistern lässt. Noch bis morgen Freitag wird emsig gebastelt, erzählt, gespielt und dargeboten.

Die Protagonisten sind Raumschiffpiloten und Planetenmonster, Ausserirdische und Erdlinge. Die Kostüme sind Raumanzüge, Rüstungen und Alien-Masken. Die Requisiten: Planeten-Mobiles, Sternschnuppen-Bälle und Raumschiffe aus Milchpackungen: oder die Rakete auf dem Güggi-Spielplatz, die langsam aus einem Gerüst Form annimmt.

Der bald neunjährige Raketenkonstrukteur Halym assistiert beim Zimmern des Vehikels: «Bei den Ferienaktionen bin ich fast jedes Mal dabei.» Einige Meter weiter werden bunte Planetenmodelle erschaffen – oder Lichtschwerter konstruiert. Zudem wird beim Güggi gerade der Eingangsbereich neu gestaltet.

Das sagen die Kinder

Navin (8): «Mir gefällt das Raketenbasteln und das Geschichtenhören.»

Ryan (10): «Basteln, austoben und essen – all dies gehört dazu.»

Abeshek (11): «Ich finde es toll, dass wir auf dem Robi-Spielplatz Tannenweg mitentscheiden können, was wir machen wollen und was wir anders haben wollen…»

Christa Jutzi (12) zählt zu den Kindercoachs der Quartierspielplätze. Sie greift den jüngeren Teilnehmern beim Besprayen der Zaunlatten unter die Arme. Kreatives Werken zusammen mit anderen gefällt ihr. «Und dies ohne Handy in der Nähe.» Tatsächlich sind sogar bei diesem Thema heutige Alltagstechnologien auf «stumm» geschaltet – freiwillig.

Begegnung der anderen Art

Das gilt auch an den anderen beiden «Galaxien» im Kosmos der Quartierspielplätze. Von weitem hört man bei der «Villa 41» das Hämmern. In der galaktischen Schmiede entstehen gerade fremdartige Schmuckstücke oder blitzende Klingen für Weltraumkrieger. Auch der 13-jährige Lennox schmiedet konzentriert an einem Schwert. «Während der Ferienaktionen trifft man andere Kinder, die man sonst nicht so oft sieht», zeigt er sich begeistert vom Angebot.

Und wer sich in der «Villa 41» von der Sternenfahrt erholen will, zieht sich ins tiefschwarze «Planetarium» zurück und schmökert dort in Planetenbüchern oder löst ein Sternenquiz.
Am Tannenweg werden derweil landende UFOs gesichtet – was mit einem Theaterstück gefeiert wird. Thema: Erstkontakt mit Ausserirdischen.

Mellissa (8) freut sich auf jeden Fall darauf, eine Alienmaske zu basteln. Die Begegnung mit dem Anderen steht spürbar im Vordergrund. Und die neunjährige Silva bringt zum Ausdruck, was die Weststadt-Kinder bestens verinnerlicht haben: «Wenn wir zusammen Spass haben, soll niemand alleine bleiben.»

Neue Geschäftsführerin

Monika Roth neu an der Spitze

Mit der neuen Saison erscheint auch ein neues Gesicht an der Spitze der Quartierspielplätze. Auf Guda Hess-Güdel folgt als neue Geschäftsführerin des Vereins die 43-jährige Monika Roth (Foto). Im gleichen Zug wurde auch die Leitung des Spielplatzes Güggi, die Hess ebenfalls innehatte, neu besetzt. Dort ist neu Milena Adamo am Drücker. Die Institution der Quartierspielplätze war in den letzten 30 Jahren mit Guda Hess gewachsen und wurde im Zuge des personellen Wechsels nun organisatorisch neu strukturiert.

Für Monika Roth ist es ein «Zurückkommen» zur Institution: Sie selbst leitete zwischen 2005 und 2009 den Tannenweg-Spielplatz und war für kurze Zeit auch stellvertretend in der «Villa 41» tätig. Danach pausierte sie dann aber aus familiären Gründen. Die Sozialpädagogin macht zurzeit eine Weiterbildung in Gestaltungspädagogin und ist beim Verein mit einem Pensum von 30 Prozent angestellt. Sie ist verheiratet, hat fünf Kinder und wohnt in Langendorf. «Es hat mich mega gefreut, zurückzukehren», sagt sie nun. Roth kennt die Strukturen, den Vorstand, vor allem aber auch die Situation auf den einzelnen Quartierspielplätzen. «Die Spielplätze bieten einen wunderbaren Gegensatz zur technologisierten Alltagswelt mit Handy, Computer und Fernsehen», sagt Roth. «Hier ist das freie Spiel erlaubt – auch im Dreck oder im Matsch. Hier dürfen sie die Natur spüren, ihre eigenen Ideen umsetzen – und dies zusammen mit anderen Kindern.» Dies sei gerade in der digitalen Welt umso wichtiger. Und letztlich verbindet dieser Grundgedanke alle drei Plätze, wie Roth erklärt: «Hier fragt niemand nach dem Handy oder nach der Spielkonsole.» (ak)

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