Wer im Raum Solothurn sein Radiogerät auf 94,8 Megahertz stellt, empfängt derzeit ein Programm, das im Hinterzimmer der «Am Quai»-Bar entsteht. Zum siebten Mal belegt der ansonsten via Internet und Kabel verfügbare Solothurner Sender Radiologisch einen Monat lang die UKW-Frequenz, die in und um die Stadt zu empfangen ist.

Zu hören ist vor allem Musik, die man sonst wohl eher selten am Radio hört. Am Montag wurde diese von Claudia Stephani bestimmt — eine von rund 30 freiwilligen Sendungsmacherinnen und -machern, die das Radiologisch-Programm derzeit gestalten.

Die junge Primarlehrerin aus Deitingen brachte einen Teil ihrer digitalen Musiksammlung mit ins Studio, um den Hörerinnen und Hörern die gleiche Freude zu bereiten, die sie selbst beim Anhören dieser Stücke empfindet. Darunter befanden sich Vertreter unterschiedlicher Genres wie Folk, Heavy Metal, Jungle oder Reggae.

Märchen und Alternativmusik

«Ich spiele vor allem Musik, die man auf Mainstream-Sendern nicht zu hören bekommt», erklärt Stephani ihre Auswahl, die als Highlight einen Titel eines brasilianischen Orchesters beinhalte. Um der Hörerschaft etwas Abwechslung zu bieten, spielt Stephani aber nicht nur einen Song nach dem andern ab.

Nebst ihrer Playlist hat sie auch ein Märchenbuch mit ins Radiostudio gebracht: «Ein Märchen für Erwachsene, teilweise recht brutal». Die unschönen Stellen lässt sie on air dann aber doch aus, als sie einige Passagen vorträgt und den vorerst noch braven Figuren durch ihre theaterähnliche Leseinszenierung lebendig werden lässt. In ihren Radiologisch-Sendungen früherer Jahre trug sie auch schon Solothurner Legenden vor.

Erfahrung mit Medien hat die 33-Jährige nicht nur im Rahmen ihres Engagements beim Solothurner Radiosender gemacht: Im Juni schloss sie ihren Bachelor in Medienkunst an der Hochschule der Künste in Bern ab. Als Frontfrau ihrer Multigenre-Band The Flying Foxes stand sie selbst schon im Fokus einiger Medienberichte. Aufgrund ihrer langjährigen Freundschaft mit den Radiologisch-Initiatoren Roland Frey und Alexander Zutter war es für sie naheliegend, sich an der Programmgestaltung zu beteiligen. Und sie war bereits bei früheren Ausgaben dabei, welche noch bis 2013 in den Räumlichkeiten des Roamer-Gebäudes produziert wurden.

Dennoch wird Claudia Stephani auch vor dieser Sendung etwas nervös, als der auf 17 Uhr festgelegte Sendebeginn näher rückt. Es schleichen sich denn auch kleine Fehler ein, wie das Ausbleiben der Musik im entscheidenden Moment, oder der eine oder andere Versprecher während ihrer Märchenlesung. Ihre gute Laune ist davon aber gänzlich unbetroffen. Man sei schliesslich auch kein Profi-Radio, sagt Stephani: «Das Studio ist zwar professionell, aber mitwirken kann hier wirklich jeder, der möchte».

Moderatorin Claudia Stephani beginnt ihre Montagabend-Sendung auf Radiologisch

Moderatorin Claudia Stephani beginnt ihre Montagabend-Sendung auf Radiologisch

Sendeanlage auf dem Kirchturm

Diese Offenheit führt zu einem bunten Radioprogramm, das eine Vielfalt an Musikstilen von Fünfzigerjahre-Rock über Disco, Ska, Techno bis hin zu Balkanmusik bietet. Daneben sind auch Gesprächssendungen im Repertoire enthalten, beispielsweise aus dem Bereich Satire.

Über 32 verschiedene Sendeformate werden somit im Oktober via UKW zu hören sein, bevor Radiologisch wieder rein digital und per Kabel empfangbar sein wird.

Länger dürfte man mittels Kurzwelle nicht auf Sendung sein, wie Technikchef Andreas Zutter erklärt: «Unsere Konzession erlaubt uns, während maximal 30 Tagen zu senden». Die sogenannte «UKW-Konzession für Kurzveranstaltungen» kann beim Bundesamt für Kommunikation einmal pro Jahr und Veranstalter beantragt werden. Verbreitet wird das Solothurner Radiosignal über eine Sendeanlage, die auf dem Turm der Reformierten Stadtkirche platziert ist. Von dort aus reicht das Gesendete bis nach Grenchen, Gerlafingen und Wiedlisbach. «Einmal hat der Empfang auch schon am Bielersee geklappt», so Zutter.