Kopfhörer aufgesetzt, Lippen dicht am Mikrofon: Marcel Frey und Angela Zellweger sitzen im Studio von «Radiologisch», das sich neben dem Roamer-Areal befindet. Ein Regler wird hochgeschoben und ein Blick auf die Uhr geworfen. Die Anspannung steigt. «Sobald wir auf Sendung sind, ist meine Aufregung wie weggezaubert», sagt die junge Moderatorin.

Und so ist es auch. Gelassen und humorvoll heisst sie die Zuhörer willkommen. Eine Webcam gewährt via Internet einen Einblick ins Studio. Was die beiden zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen können: Man kann sie zwar sehen, aber nicht hören. Durch eine SMS seines Bruders wird Marcel Frey darauf aufmerksam gemacht, dass es technische Probleme gibt.

Mit solchen Tücken haben die jungen Radiomacher immer wieder zu kämpfen. «Das gehört dazu. Man muss Ruhe bewahren und improvisieren können», sagt Marcel Frey, Mitglied des Coaching Teams. Der Rest der Sendung verläuft einwandfrei und es deutet kaum etwas darauf hin, dass «Radiologisch» nur einmal im Jahr über den Äther geht. Auch die zahlreichen positiven Feedbacks, die per E-Mail eintreffen, zeigen, dass man auf gutem Weg Richtung Profiradio ist.

Hier wird Radio für alle gemacht

Das nichtkommerzielle Kulturradio bietet Moderatoren aus der Region die Möglichkeit, Sendungen zu gestalten. «Alle Themen sind erlaubt, solange sie ethisch vertretbar sind. Wir wollen jedem eine Chance geben», sagt Philipp Brühweiler, Fundraising-Verantwortlicher. Die einzige Bedingung sei der Besuch eines Einführungskurses. Moderationsschulungen geben auch denjenigen, die über keine Erfahrungen verfügen, die Möglichkeit, sich mit dem Medium Radio auseinanderzusetzen und einen eigenen Beitrag zu entwickeln. «Radiologisch» bietet der Hörerschaft ein kulturell und musikalisch vielfältiges Programm. Jede Sendung hat ihre eigene Musikrichtung. «Von Reggae über Hardrock und Hip-Hop bis hin zu House und Electro wird alles gespielt, was das Ohr begehrt», sagt Brühweiler.

Letztes Jahr seien insgesamt 2311 Songs von 1382 unterschiedlichen Interpreten über den Äther gegangen. «Jeder hat seine eigene Vorstellung von «Radiologisch» und prägt mit seinem Musikgeschmack den Sender. Der kulturelle Austausch wird dadurch gefördert», sagt Marcel Frey. Für den 35-Jährigen bedeutet Radio machen, eine Vision zu haben, gemeinsam mit Freunden Ideen zu entwickeln und diese auch umzusetzen.

Dauerkonzessionierung im Blick

Das junge Team will nicht belächelt, sondern als lokales Kulturradio ernst genommen werden. Beim Bundesamt für Kommunikation beantragte «Radiologisch» die Dauerkonzession. «Wir verfolgen das Ziel, permanent senden zu können», sagt Brühweiler. Aufgrund dessen erstellte ein Betriebsökonomie-Student der Fachhochschule für Wirtschaft Nordwestschweiz im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit einen Businessplan für «Radiologisch».

Den Radiobetreibern wurde durch diese Machbarkeitsstudie aufgezeigt, in welchen Bereichen Änderungen vorgenommen werden müssen, um die Dauerkonzession zu erhalten. Laut Frey braucht der Sender vor allem ein finanzielles Fundament. Um das Projekt finanzieren zu können, haben die Mitglieder von «Radiologisch» mehrere Stiftungen für Unterstützungsbeiträge angefragt.

Zudem hat das Team ein Organigramm erstellt. «Nun besteht eine klare Struktur. Jeder von uns hat seinen eigenen Aufgabenbereich», sagt Brühweiler. Die ersten Schritte in Richtung 365-Tage-Radio sind also schon getan.

UKW-Empfang 100,6 MHz (Antenne), 101,6 MHz (Kabel). Mehr Infos unter: www.radiologisch.ch