«Hat das nicht etwas mit dem ‹Schwarzen Freitag›, dem Börsencrash von 1929 zu tun? Die Amerikaner machen doch aus allem Geld, nicht?» Die ältere Dame, vollbepackt mit Einkaufstüten, schaut fragend ihre Begleiterin an. Diese schüttelt ratlos den Kopf.

Der «Black Friday» um den es an diesem Freitag in vielen Geschäften in Solothurn geht, hat jedoch nichts mit dem Börsencrash zu tun –  auch wenn er wie jener seinen Ursprung in Amerika hat. Mit dem «Black Friday» wird heutzutage der Freitag nach Thanksgiving genannt, an welchem es sich eingebürgert hat, weil die US-Amerikaner meist eine Brücke machen, dass die Geschäfte früher öffnen, später schliessen und mit zum Teil grosszügigen Prozenten locken. Das letzte November-Wochenende gilt als oftmals umsatzstärkstes Wochenende für Geschäfte aller Art und läutet die Weihnachts-Shopping-Saison ein.

Kein Wunder möchte man auch in der Schweiz auf diesen Zug aufspringen. Deshalb haben insbesondere Filialen grösserer Geschäfte wie Manor, Interdiscount, Vögele oder Ochsnersport – um nur ein paar wenige zu nennen – Prozente zwischen 10 und 50 Prozent an diesem Freitag oder gar das ganze Wochenende über.

Wie die Geschäfte die Prozente gestalten, ist ganz ihnen überlassen. Bei Ochsnersport erhält man beispielsweise an diesem Freitag 50 Prozent aufs gesamte Sortiment. Bei Manor 30 Prozent, jedoch nur mit Manor Karte, dafür haben die Manorfilialen länger offen, an diesem Freitag in Solothurn schon ab 7 Uhr in der Früh. Vögele dagegen hat sich etwas Besonderes ausgedacht: Passend zum «Black Friday» gibt es nur Prozente auf Kleidungsstücke mit einem Schwarz-Anteil. Und beim Interdiscount hat man kurzerhand die «Black Friday Sale Week» ausgerufen.

Freude über Rabatte, mehr aber nicht?

Nun scheinen die Geschäfte trotzdem nicht voller zu sein als an einem anderen «normalen» Freitag. Das ist zumindest der Eindruck bei einem Rundgang am Freitagmittag durch die Solothurner Altstadt. Und auch bei den befragten Passanten löst der «Black Friday» keine grossen Begeisterungsstürme aus. Die wenigsten der Befragten kommen ausschliesslich deshalb in die Stadt.

Barbara und Urs Gugger aus Niedergösgen kannten den Tag beispielsweise überhaupt nicht. Sie treffen sich jedes Jahr einfach an einem Tag Ende November oder Anfang Dezember, um alle Feiertagsgeschenke zu kaufen. Dass es in diesem Jahr genau diesen Freitag getroffen hat, ist ein glücklicher Zufall. «Obwohl», meint Barbara Gugger, «so viel Prozente gabs im Manor dann doch nicht.» Wegen 30 Prozent würde sie nicht extra eine Manor-Karte beantragen, das sei nur wieder so ein Werbetrick.

Auch die beiden älteren Damen, die den «Black Friday» mit dem «Black Thursday», also dem Börsencrash verwechselten, haben zwar von dem Prozente-Freitag gehört, seien heuer aber nicht extra deshalb in der Stadt. «Wir kaufen nur jetzt schon die Geschenke für unsere Grosskinder, dann haben wir später im Dezember keinen Stress».

Eine andere ältere Frau fragt erstaunt, ob dies nicht nur ein Werbegag des Manor-Kaufhauses sei. Sie sei erstaunt gewesen, dass auch andere Geschäfte damit warben. Aber sie sei extra deshalb in die Stadt gekommen, da sie unbedingt etwas vom Manor gebraucht habe.

Den Jüngeren scheint dieser Tag nicht gross etwas zu sagen. Maria eilt mit einer Menge Einkaufstaschen von «H&M» und der «Metro Boutique» die Hauptgasse entlang. Vom «Black Friday» habe sie bisher nicht wirklich etwas gehört, aber den Ausverkauf habe sie jetzt in ihrer Mittagspause schnell ausgenutzt, meint sie lachend und eilt schon weiter, wieder zur Arbeit.

Eine etwa 20-jährige Frau, die gemütlich durch die Gurzelngasse läuft, erklärt, dass sie nicht wirklich etwas von dem Tag wusste. Sie brauche einfach einige Dinge und freue sich nun, dass sie etwas weniger zahlen musste als sonst.

Dass Prozente ziehen, das wissen die meisten Konsumenten. Die wenigsten richten sich jedoch aktiv danach. So schien es zumindest am Nachmittag der Fall zu sein.

Gegen Abend änderte sich die Lage. Plötzlich schienen die Kaufwütigen doch noch ihre Chance packen zu wollen und von den Prozenten zu profitieren. Gestresste Mütter eilten mit ihren Kindern durch die Geschäfte und auch viele Junge Menschen und Familien jagten das ein oder andere Schnäppchen.

Das Bild das sich nach dem Feierabend in der Altstadt bot, hatte nicht mehr viel gemein mit dem vom Nachmittag.