Solothurn
Quartierspielplätze in der Frühlingsferien-Aktion ist die kulturelle Vielfalt

Playstation, Smartphone, Xbox und TV – so sieht das Standard-Ferienprogramm der Kinder von heute aus. Soweit das Klischee. Die Kinder von Solothurn beweisen das Gegenteil.

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Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg
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Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg
Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg
Quartierspielplätze Frühlingsferienaktion
Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg
Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg
Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg
Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg
Sandburgen gibts schon im Frühling
Robi-Assistentin Gina Kirchner hilft beim Basteln mit
Guda Hess-Güdel instruiert die Kids beim Gestalten der religiösen Symbole
Religiöse Symbole werden auf dem Güggi-Spielplatz gebastelt
Ein kleines Stauseeprojekt auf dem Robi nimmt Form an
Eine kleine Auszeit - Rumtoben mit der Kindercoach
Ein kleiner Blick über fünf Weltreligionen auf dem Güggi-Spielplatz
Das Thema der kulturellen Vielfalt steht im «Güggi» im Zentrum, aber auch am Tannenweg
Das Thema der kulturellen Vielfalt steht im «Güggi» im Zentrum, aber auch am Tannenweg
Auf Plakaten werden die Erkenntnisse über die Weltreligionen dokumentiert
Auf Plakaten werden die Erkenntnisse über die Weltreligionen dokumentiert
Auf dem «Güggi» entstehen Freundschaften
«Güggi»-Assistentin Milena Adamo betreut gerade die Gruppe, die sich mit dem Hinduismus auseinandersetzt
Auf dem «Güggi» entstehen Freundschaften

Symbole basteln auf dem Robi Tannenweg

Andreas Kaufmann

Solothurns Spielplatzkinder treten jährlich mindestens zweimal den Beweis an, dass ihre Freizeit nicht – oder zumindest nicht nur – von den Verlockungen des 21. Jahrhunderts bestimmt wird. Vielmehr lassen die sechs- bis elfjährigen Solothurner während jeweils einer Woche im Frühling und im Herbst handwerkliche Kreativität spriessen und widmen sich auf den drei Quartierspielplätzen dem geselligen Miteinander.

«Ich bin anders als Du, na und?»

Ebenso hartnäckig, wie sich also das Klischee der digital entrückten Kids hält, hält sich auch die Tradition, die Guda Hess-Güdel, Präsidentin des Vereins Quartierspielplätze, und ihr Team seit Jahren pflegen. Und wenn sich der Lenz so zuvorkommend und sonnig erweist wie jetzt, gilt jeweils erst recht Hochkonjunktur auf den Quartierspielplätzen. Während in diesem Jahr das Programm der «Villa 41» aus personellen Gründen entfällt, begann gestern Montag der Ansturm auf die anderen beiden Quartierspielplätze, dem «Güggi» in der Vorstadt und dem «Robi» Tannenweg. Insgesamt rund 50 Kinder, 12 mitwirkende Kindercoaches ab zwölf Jahren und die Leitungsteams verbringen die Woche miteinander.

«Woher kommt Ihr?»

Es klingt wie nach einem Zufall in der Programmplanung – und offenbar war es auch einer. An beiden Orten steht in dieser Woche die gleiche Thematik im Vordergrund: kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Vielfalt. Konkret um Feste aus aller Welt geht es dabei am Tannenweg. «Wir stellen den Kindern die Frage, woher sie kommen und welche Feste sie in ihrer Kultur feiern», sagt Anna-Rita Wyss, Leiterin des «Robi». So wird in dieser Woche an kulturellen Symbolen gebastelt, beispielsweise Amuletten, Öllämpchen oder Kerzenschalen aus Ton. Oder dann sind keltische Verzierungen neben halbmondförmigen Basteleien zu sehen. Die elfjährige Sinit sitzt neben ihrem achtjährigen Bruder Meron und modelliert ein Herz. Sie erzählt von ihrer Herkunft – und darüber, wie das Fest der Liebe gefeiert wird: «In Eritrea findet Weihnachten am 7. Januar statt. Und auch Ostern hatten wir erst jetzt.»

Es wächst ein «Toleranzbaum»

Der Quartierspielplatz wird zum Ort des Austauschs – auch im «Güggi», wo die fünf Weltreligionen thematisch unter die Lupe genommen werden. «Ich bin anders als Du, na und?», lautet hier die Devise und entsprechend tauscht man sich aus. Es werden Brotrezepte aus allen Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus ausprobiert – und nebenbei entsteht ein «Toleranzbaum». Wird die elfjährige Luxmitha von den Gspänli nach ihrer Religion gefragt, kennt sie sich aus. Auch wenn ihre Eltern aus Sri Lanka in die Schweiz gekommen sind, und sie selbst hier zur Welt kam, weiss sie auf die Fragen der anderen eine Antwort. Beispielsweise über die hinduistischen Götter Shiva oder Ganesha – oder Lakshmi, von der ihr eigener Geburtsname Lakshmida stammt. «Oder dann haben wir einen fünfjährigen Bub in der Gruppe, der weiss enorm viel über den Islam, obwohl er selbst nicht der Religion angehört», stellt Guda Hess-Güdel fest.

Auf dem Hintergrund der tragischen Ereignisse um «Charlie Hebdo» und der Situation im Dialog der Religionen sei in ihr das Bedürfnis gewachsen, die Vielfalt zum Thema der Frühlingsferienaktion zu machen, ohne dabei politische Breschen zu schlagen. «Ich weiss auch nicht, wohin unser Weg führt», gibt sich Hess offen zum Resultat der Woche. Auf Postern sollen die Kinder nun auf alle Fälle selbstständig dokumentieren, was die Religionen verbindet – mehr noch als das, was sie trennt. Und in der Nacht auf Montag ist Hess der Geistesblitz für den Einstieg in die Woche gekommen – in Form einer Parabel. So präsentierte sie zum Start eine Gurke in Scheiben, geraffelt, als Spirale, als Streifen oder gewürfelt. Im Kern ist es nämlich immer dieselbe Zutat...