Schulevaluation
Quartierschulen «Brühl» und «Wildbach» bekommen gute Noten

Die Quartierschulen «Brühl» und «Wildbach» in der Solothurner Weststadt wurden qualitativ durchleuchtet. Das Fazit: Einen gravierenden Handlungsbedarf konnte die Studie nicht orten.

Andreas Kaufmann
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Die Schulleiterinnen Béatrice Schneider («Wildbach») und Katharina Stebler («Brühl»)

Die Schulleiterinnen Béatrice Schneider («Wildbach») und Katharina Stebler («Brühl»)

Andreas Kaufmann

Es ist ein über zwei Kilogramm schwerer Ordner, den Katharina Stebler, Schulleiterin im «Brühl», stolz präsentiert. Das von der Quartierschule selbst erarbeitete Handbuch des Schulportfolios verkörpert die Kultur, die hier und auch im anderen Weststadt-Schulhaus «Wildbach» gelebt wird. Eine, die zum Teil 20 Jahre zurückreicht und geprägt ist vom Pioniergeist einer geleiteten Schule. Eine auch, die sich an den Eigenheiten und Bedürfnissen des Quartiers Weststadt orientiert und ihre Regeln und Umgangsformen kooperativ aushandelt – im Lehrerkollegium, in der Schülerschaft und mit den Eltern.

Nun wurden das grösste städtische Schulhaus «Brühl» und das von Béatrice Schneider geleitete kleinste Schulhaus «Wildbach» im Rahmen des neuen kantonalen Schulführungsmodells der Geleiteten Schulen durch eine externe Instanz beleuchtet. Diese Woche erhielt der Gemeinderat die Resultate der Fachstelle Externe Schulevaluation ESE zur Kenntnis vorgelegt.

Auf Multikulturalität schulen

Mehrfach wird im 40-seitigen Bericht gerade die Heterogenität der beiden Schulen gewürdigt. Ist die Eigenschaft zwar im «Wildbach» weniger ausgeprägt, so ist sie es im «Brühl» bekanntlich umso mehr. 75 Prozent beträgt dort der Anteil ausländischer Kinder, rund 20 Nationen drücken hier die Schulbank. Laut Bericht ein Umstand, der viele Familien zum Wegzug aus der Weststadt bewegt, sobald die Kinder schulpflichtig werden. Stebler sieht aber gerade diese Eigenheit als Chance: «Unsere Schüler lernen hier eine Anpassungsbereitschaft, die sie auf eine Welt vorbereitet, die stetig multikultureller wird.» Wichtig sei aber, dass für diese zusätzliche Herausforderung im «Brühl» genügend Freiräume und Ressourcen bereitstehen. So soll für Kinder aus bildungsnahen wie -fernen Schichten ein Nebeneinander in vertretbaren Klassengrössen möglich sein, ebenso für besondere Bedürfnisse bei integrativer Förderung.

An der ESE-Befragung wirkten sowohl Lehrpersonen als auch Schüler und Eltern mit: Über die Rücklaufquote von rund 80 Prozent freuen sich Schneider und Stebler besonders. Dies scheint die Mitwirkungskultur, die an beiden Schulhäusern herrscht, geradezu zu bestätigen: Wie beide Schulleiterinnen betonen, haben die Kinder grosses Mitbestimmungsrecht, institutionalisierte Gefässe dafür sind Klassenräte, Schülerinnenrat oder Vollversammlungen («Brühl»). So können sie zum Beispiel mitwirken bei der Gestaltung des Pausenplatzes, der Themenwoche, dem Tag des Kindes dem «Pausenkiosk» und anderen Aktivitäten. Auch lernen die Schüler soziale Verantwortung übernehmen. Die Funktion des Streitschlichters, des Fairnesskomitees («Brühl») und des PFADE-Programms («Wildbach») dienen der Gewaltprävention und haben sich an beiden Schulen bewährt.

Auch Ängste thematisiert

Einen gravierenden Handlungsbedarf konnte die Studie nicht orten. Jedoch thematisiert er auch Ängste, beispielsweise, was den baldigen Leitungswechsel im «Brühl» und «Wildbach» angeht (Stebler und Schneider gehen nächsten Sommer in den Ruhestand). So müsse gerade fürs «Brühl» eine Leitungsperson gefunden werden, die den besonderen Herausforderungen der Quartierschule Rechnung tragen kann.

Im «Wildbach» beschäftigt die Befürchtung, dass das Schulhaus mit einer anderen Schule zusammengelegt wird. «Doch zurzeit ist die Auslastung gut, sodass nichts auf eine mögliche ‹Fusion› hindeutet.» Die Evaluation gewährt Einblicke, die man sich mit eigenen Mitteln kaum leisten könnte, wissen auch die zwei Schulleiterinnen. Im Sinne der «lernenden Institution», wie Schneider anfügt, «soll auch der Bericht nicht nur für die Schublade sein.»