Weststadt
Quartierarbeiterin will «mit Menschen vor Ort etwas bewegen»

Die Weststadt hat seit November eine neue Quartierarbeiterin: Die 28-jährige soziokulturelle Animatorin Deborah Mathis setzt die Quartierarbeit nach Luigi Fossati fort., der die Arbeit im letzten Jahr aufgegeben hat.

Andreas Kaufmann
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Deborah Mathis, die neue Quartierarbeiterin der Weststadt.

Deborah Mathis, die neue Quartierarbeiterin der Weststadt.

Andreas Kaufmann

«Sind Sie die Neue?» heisst es dann und wann an der Infotheke des Quartierbüros West. «Die Neue», das ist Deborah Mathis, die im November den Posten des früheren Quartierarbeiters Luigi Fossati übernommen hat. Und die Menschen im Weststadt-Quartier strecken nun wieder neugierig die Köpfe rein, nachdem die Quartierarbeit für einige Zeit reduziert gelaufen war.

Zwar sei der Zulauf noch zögerlich, stellt die 28-Jährige fest, aber es werden stetig mehr, die sich für das neu belebte Infocenter City West interessieren. Die in Luzern wohnhafte Brunnerin (Kanton Schwyz) pendelt jeweils nach Solothurn und ist mit einem Gesamtpensum von 70 Prozent beim Alten Spital angestellt.

Projektarbeit ist von Bedeutung

Zu tun gibt es einiges: So wurde 2007 eine Quartieranalyse mit Fokus auf Merkmale wie Wohnsituation, Migration und Konzentration der benachteiligter Bevölkerungsgruppen durchgeführt. Die Auswertung attestierte dem Weststadtquartier einen Handlungsbedarf, steht doch bei einem Ausländeranteil von rund 35 Prozent im Westen Solothurns auch die Migrations- und Integrationsthematik weit oben auf der Pendenzenliste. Gerade im Zusammenhang mit der Durchmischung der Schulklassen war nicht zuletzt gewisser gesellschaftlicher Zündstoff entstanden.

Und so hat sich Deborah Mathis bereitwillig und neugierig auf die Herausforderungen eines Quartiers eingelassen, dessen Ruf schlechter ist, als es verdient. «Mit den Menschen vor Ort etwas gemeinsam anpacken und in Bewegung bringen – kurz: Basisarbeit – das ist, was ich will», verrät die soziokulturelle Animatorin. Die Quartierarbeit als bevorzugter Schwerpunkt hat sich im Laufe ihres Studiums an der Luzerner Hochschule für Soziale Arbeit herausgeschält. Ferner trägt sie in ihrem Methodenrucksack auch die ersten Berufserfahrungen im Bereich der sozialräumlichen Arbeit. Weniger der Ort, sondern die Tätigkeit sei bei der Stellensuche ausschlaggebend gewesen, «und in Solothurn hatte es eine der wenigen Stellen in diesem Bereich frei.» Insbesondere das projektorientierte Arbeiten reizt die junge Quartierarbeiterin: «Ich möchte mich nicht in ein gemachtes Nest setzen, sondern bei der Entwicklung dabei sein.» Dabei ist sie sich bewusst, dass die oft beschworene Nachhaltigkeit auch hier erst nach sechs bis sieben Jahren zu messen ist.

«Geburtshelferin» für Projekte

Als Schwerpunkt hat sich Mathis auch die Zusammenarbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund gesetzt: «Es ist ein Gebiet ohne Gewerbe und mit vielen benachteiligten Gruppierungen.» Für Mathis sind die vordergründigen Ziele klar: «Ich möchte die Fäden sobald wie möglich wieder aufnehmen und das Vertrauen der lokalen Bevölkerung gewinnen, um Neues anzugehen», kündigt sie an. Das ist die Voraussetzung, damit das Quartierbüro seine definierte Kernaufgabe wahrnehmen kann: nämlich lancierten Projekten eine «Geburtshilfe» zu bieten und die Initianten bei der Umsetzung zu begleiten. Dies schliesst Ideen aus jeglichen Bereichen wie Sport oder Kultur mit ein.

«Wohlverstanden, ich bin hier nicht Chef, sondern lediglich Helfer», verdeutlicht Mathis. «Unter der Devise ‹Von Quartierbewohnern für Quartierbewohner› sollen sich die Menschen selbst emanzipieren.» So stellt die Freiwilligenarbeit einen zentralen Angelpunkt in der Quartierarbeit dar. Ebenso zentral ist die Hilfe bei Fragen und Unklarheiten, die darüber hinaus anfallen: «Wie fülle ich ein Formular aus?» oder «Wo finde ich eine Wohnung?» sind nur einige der Fragen, die an die Quartierarbeiterin herangetragen werden.

Identifikation mit Quartier

Deborah Mathis erlebt Solothurn als ungewöhnlich bunt und offen: «Hier hat man Zeit hinzuhören und hinzuschauen. Dass man im Bus miteinander ins Gespräch kommt, habe ich in dieser Weise sonst noch nirgendwo erlebt», stellt Mathis fest. «So kommt mir diese Offenheit auch in der Quartierarbeit entgegen.» Dabei sei auch die Grundhaltung der Weststadt-Bewohner nicht einfach schlecht: «Die Leute sehen das Positive und identifizieren sich mit ihrem Quartier – dem schlechten Ruf zum Trotz.» Doch im längeren Gespräch merke sie schon, dass es ein Entwicklungspotenzial gibt und dass es auch nicht an Wünschen mangelt, das eigene Zuhause – die Weststadt – zu verändern.

Begrüssungsapéro Morgen Freitag, 18.30 Uhr, Infocenter City West.

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