Geschrieben hat die unter die Haut gehende Liebesgeschichte zwischen zwei Cowboys die amerikanische Autorin Annie Proux im Erzählband «Close Range. Wyoming Stories.» Die oscargekrönte Verfilmung des Stoffes hat die Menschen weltweit bewegt.

Auch den Schauspieler Hanspeter Bader, der, begeistert von den Sehnsüchten und Träumen der zwei Männer und der gewaltigen Sprache der pulitzerpreisgekrönten Schriftstellerin, den Musiker Dülü Dubach mit ins Boot holte, um eine 90-minütige Performance auf die Beine zu stellen, die das Publikum vor vollem Haus im Uferbau sprachlos machte.

Wie auf Wellen glitt die Stimme des mit Lesungen vertrauten Profi-Schauspielers dahin. Einmal ruhig und verhalten, das andere Mal laut und bedrohlich brachte er die Gefühle von zwei raubeinigen Naturburschen zum Ausdruck, die in der Grauzone zwischen gewünschtem und gelebtem Leben, zwischen Träumen und Anpassung hin und her balancieren.

Ein Leben geprägt von verpassten Chancen, eingeklemmt in gesellschaftliche Zwänge, die es nicht zulassen, etwas anderes zu leben, als das, was das konventionelle, bürgerliche Milieu vorschreibt. Ein Leben von zwei Viehhirten, die sich als solche in den Brokeback Mountains kennen und lieben lernen, auseinandergehen, Familien gründen, um den gängigen Moralvorstellungen zu entsprechen. Doch die Liebe zueinander ist stärker, fordernder und durch nichts zu zerstören.

Trotz aller Tragik schön

Auf gekonnte Art nahm Dülü Dubach die Stimmungen, die der Text und die Sprache freisetzten, auf, griff das eine Mal zum Akkordeon, das andere Mal zur Gitarre oder zum Piano, kratzte mit verbissener Miene auf einem Porzellanteller, der in Scherben vor den Füssen des Publikums landete. Auch in der Musik vieles nur angedeutet,

unausgesprochen, metaphorisch in Alltagsgeräusche verpackt, beklemmend, sinnlich ausgereizt bis zur Unerträglichkeit. Eine solche Lebensgeschichte, die auf Liebe setzt und statt Erfüllung zu finden, gezwungen wird, auf Lügen aufzubauen, muss scheitern, auch oder weil mans nicht ändern kann. Der eine bezahlt es mit dem Tod, der andere hält am Ende zwei ineinandergeflochtene Hemden in der Hand. An einem klebt Blut aus einer Wunde, die in den Brokeback Mountains gestillt wurde.

Trotz all der Tragik eine schöne Liebesgeschichte, die von Hanspeter Bader und Dülü Dubach sprecherisch und musikalisch hervorragend inszeniert wurde. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus und wird noch lange über den Brokeback Mountain nachgedacht haben.