SP-Parteiversammlung

Psychisch Beeinträchtigte lassen sich nicht in die Ecke stellen

Cedric Branschi, der unter einem Asperger-Syndrom leidet, will nicht in eine geschützte Werkstätte abgeschoben werden, sondern als vollwertiger Mensch in die Gesellschaft eingegliedert werden. (Symbolbild).

Cedric Branschi, der unter einem Asperger-Syndrom leidet, will nicht in eine geschützte Werkstätte abgeschoben werden, sondern als vollwertiger Mensch in die Gesellschaft eingegliedert werden. (Symbolbild).

Mit einem beeindruckenden Referat machten die Sozialdemokraten an ihrer jüngsten Parteiversammlung auf die Diskriminierung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung aufmerksam.

Cedric Branschi ist überdurchschnittlich begabt, belesen, redegewandt und sympathisch. Der 20-Jährige hat die Bezirksschule besucht und möchte seither gerne ins Berufsleben einsteigen und sich seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Sein Handicap: Er leidet unter einem Asperger-Syndrom.

Zwar sollte in solchen Fällen das Gleichstellungsgesetz für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung zum Zuge kommen. «Doch davon sind wir weit entfernt», machte Cedric Branschi die Genossen im Restaurant Kreuz auf Zustände aufmerksam, die nur schwer nachvollziehbar sind.

Statt Menschen mit einem anderen Lebensentwurf zu fördern und ihnen den Weg zu ebnen, Vollmitglieder der Gesellschaft zu werden, lege man ihnen Stolpersteine in den Weg und schiebe sie, um sie berenten zu können, in geschützte Werkstätten ab. Doch dort gehört der hochbegabte junge Mann definitiv nicht hin.

Als Cedric Branschi nach unzähligen Gutachten eine Vollrente zugesprochen wurde, reagierte er wütend. «Es wird total verkannt, dass auch Menschen wie ich Fähigkeiten besitzen, die man nutzen sollte.» Mit anderen Worten heisst das: Der am Beginn seines Lebens stehende Jugendliche will sich als vollwertiger Mensch in die Gesellschaft eingliedern und nicht zum Aussenseiterdasein verurteilt werden und auf Kosten des Staates leben.

Gesetz als Papiertiger

Nachdem er die Bezirksschule beendet hatte, suchte er wie seine Klassenkameraden eine Lehrstelle. Vergebens. Man traute ihm die Berufslehre nicht zu und war nicht gewillt, auf seine Beeinträchtigung Rücksicht zu nehmen. «Ein deutlicher Hinweis, dass sich die Wirtschaft ihrer sozialen Verantwortung entzieht», analysiert er die Situation und folgert: «Es wird nicht mit den gleichen Ellen gemessen.»

Und: «Das Gleichstellungsgesetz existiert nur auf dem Papier. Im Bereich der weiterführenden Schulen und der Arbeitswelt gibt es nach wie vor klare Defizite. Auch bei den Behörden nahm man seinen Wunsch nicht ernst, mit der Begründung, man wolle keine Präzedenz schaffen. Seine Folgerung. «Das Gesetz wird für die einen umgesetzt und für andere nicht.» Es sei dringend nötig, dass nicht nur die Politik genauer hinschaue, sondern auch die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werde.

Matura nachholen

Als Cedric Branschi bat, man möge ihm helfen, die Matura nachzuholen, bekam er von den Ämtern auch in diesem Bereich eine klare Absage. Nur dank Menschen, die die Situation erkannten und sich für ihn einsetzten, kann er nun mit einem Fernstudium die Matur nachholen. Seine Förderer sind überzeugt, dass er das mit Bravour schaffen werde. Dank diesem Abschluss wird auch einem Studium an einer Hochschule nichts mehr im Wege stehen.

Cedric Branschi freut sich nach seiner Langzeitarbeitslosigkeit auf diese Herausforderung, und er ist überzeugt, dass die Ressourcenverschwendung bei Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung nicht länger in Kauf genommen werden dürfe.

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