Solothurn
Prozess nach illegaler Party: Sind die drei Angeklagten nur die Sündeböcke?

Drei junge Männer werden verdächtigt, die illegale Party in der ehemaligen Vogt-Schild-Druckerei vor rund vier Jahren organisiert zu haben und müssen sich deshalb vor Gericht verantworten. Konkrete Beweise fehlen aber.

Simon Binz
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Die «Partygäste» hinterliessen in der leer stehenden Liegenschaft der ehemaligen Druckerei Vogt-Schild ein Bild der Verwüstung.

Die «Partygäste» hinterliessen in der leer stehenden Liegenschaft der ehemaligen Druckerei Vogt-Schild ein Bild der Verwüstung.

Alois Winiger

Beinahe drei Jahre hatte es gedauert, bis die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zum Abschluss kamen. Über 30 Personen wurden einvernommen, gegen mehr als zehn von ihnen wurden Strafverfahren eröffnet.

Zum Schluss blieben aber gerade mal drei junge Männer als Verdächtige übrig, Simon A.*, Sascha G*. und Andreas L.* Sie sollen die Organisatoren der illegalen Party in der leer stehenden Liegenschaft der ehemaligen Druckerei Vogt-Schild in Solothurn vom November 2010 sein (siehe Box). Aus diesem Grund wurden sie am Montag vor das Richteramt Solothurn-Lebern zitiert.

Wenig Platz im Gerichtssaal

Zu Beginn der Verhandlung mussten Einzelrichter Claude Schibli und Gerichtsschreiber Matthias Steiner zu erst mal einen Extra-Tisch in den Gerichtssaal schleppen. Wegen der drei Angeklagten und ihren jeweiligen Verteidigern wurde es in der ersten Reihe etwas gar eng.

Weil der Platz auch mit dem Extra-Tisch nicht ausreichte, nahm Staatsanwalt Marc Finger kurzerhand auf dem «Zeugenstuhl» platz. Einzelrichter Schibli befragte daraufhin geladene Zeugen.

Eine von ihnen, eine Mitarbeiterin einer regionalen Landi-Filiale, wurde gefragt, ob sie einen der drei Angeklagten - im Zusammenhang mit einer grossen Bierbestellung, einen Tag vor der illegalen Party - erkennen würde.

Damals wurden nämlich mehr als 800 Liter «Farmer»-Bier bei der erwähnten Landi-Filiale bestellt. Nach einer längeren Denkpause antwortete die Zeugin: «Ja, den mit dem schwarzen Pullover.»

Damit meinte sie Simon A. Ob er bei der Bestellung oder der Abholung dabei gewesen sei, könne sie aber nicht mehr sagen. «Das ist vier Jahre her, die Leute verändern sich.» Sie erwähnte aber noch, dass am Montag nach der Party eine junge Dame das bestellte Bier bezahlte.

Schibli wollte dann die Angeklagten befragen. Relativ schnell musste er aber ernüchternd feststellen, dass er nicht mit der Kooperation der drei Männer rechnen kann. Alle drei machten nämlich von ihrem Aussagenverweigerungsrecht gebrauch. Darum folgte nach kurzer Zeit das Plädoyer von Staatsanwalt Marc Finger.

Zufälle oder nicht?

Finger sprach über die Bestellung der «Farmer»-Biere: «Kurz vor der Veranstaltung haben zwei der Angeklagten eine grosse Menge Bier und Plastikbesteck bestellt.» Die Landi-Mitarbeiter hätten dies bezeugt.

«Es braucht wenig Vorstellungsvermögen, um zu verstehen, dass die Getränke nicht nur abgeholt, sondern auch in die Räumlichkeiten der Solothurner Zeitung gebracht wurden.»

Zudem sei die junge Dame, die am Montag darauf das Bier bezahlt habe, die Freundin von Simon A. gewesen. «Das sind doch alles keine Zufälle?» Alle drei hätten einen gemeinsamen Tatplan gehabt und diesen auch gemeinsam ausgeführt.

Ihnen sei bewusst gewesen, dass ein grosser Schaden entstehen werde. «Zwar haben sie auf einem Flyer dazu aufgerufen, man solle doch von Sachbeschädigungen absehen, das ist in meinen Augen aber naiv und blauäugig.» Er forderte darum für alle drei Angeklagten bedingte Geldstrafen wegen qualifizierter Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

Die amtlichen Verteidiger forderten für ihre Klienten vollumfängliche Freisprüche. Eveline Roos, Verteidigerin von Simon A. erwähnte, dass damals in dieser Zeitung viel darüber berichtet wurde.

«Elf Tage nach der Party wurde mein Klient dann verhaftet und sechs Tage in U-Haft gehalten.» Seit damals seien etwa dreieinhalb Jahre vergangen. «Es wurde viel Aufwand betrieben.

Spuren wurden gesichert, Daten abgeglichen, 30 Personen einvernommen, gegen mehr als die Hälfte von ihnen wurden Verfahren eröffnet.» - «Für mich gibt es nur eine Erklärung für diesen grossen Aufwand, nämlich, dass die AZ Medien direkt betroffen sind und der Fall, wegen der kritisierten Polizeiarbeit, Anlass zur Diskussion im Kantonsrat gegeben hat.»

Es sei gar eine parlamentarische Anfrage eingereicht worden. «Offensichtlich standen Medien und Politik im Rücken der Staatsanwaltschaft, sie konnte das Verfahren nicht einstellen, also mussten ein paar Sündenböcke her.»

Stephan Bernard, amtlicher Verteidiger von Sascha G., bezeichnete die Anklage als «eine Sandburg.» Es seien reine Spekulationen. Dann richtete er sich an Einzelrichter Schibli: «Mir ist klar, jeder Richter macht lieber einen Freispruch, wenn beispielsweise ein stichfestes Alibi vorliegt ... Die grosse Kunst eines richterlichen Urteils liegt aber darin, von Vorurteilen Abstand zu nehmen.» Das Urteil wird am Dienstag erwartet.

*Namen von der Redaktion geändert

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