Während den Anlässen des Schweizerischer Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) können Beispiele moderner Architektur und Ingenieurkunst in der ganzen Schweiz besucht werden. In Solothurn fiel der Startschuss bereits früher, weil das Gespräch mit der Öffentlichkeit gezielt gesucht wurde. Deshalb wurde auf dem Klosterplatz ein Bauprofil installiert und die Passanten konnten sich dazu äussern. Allerdings haben nur 32 Menschen von dieser Mitsprachemöglichkeit Gebrauch gemacht. Die meisten Reaktionen waren negativ und wollten den Klosterplatz und vor allem dessen Brunnen unverändert erhalten. Eine Frage an die Passanten lautete, für welche Baute wohl dieses Profil ausgesteckt sei. Mit «Katzenklo» oder «Asylunterkunft» lauteten die Antworten eher humoristisch. Mit «Stadtmodell» oder «Bar mit Brunnen», eher kreativ und irgendwo dazwischen die Vermutung, es könne sich um einen Neubau für das Stadtpräsidium handeln. Teils irritierte, teils gehässige Telefonate erreichten das Stadtbauamt. Auch die Kantonale Denkmalpflege, nicht vororientiert, meldete sich unverzüglich.

Zum Leidwesen von Gesprächsleiter Boris Szélpal fand sich niemand von den Antwortenden zur Podiumsdiskussion ein. Zu dieser konnte er ausgewiesene Fachleute begrüssen und ihnen mit geschickt gestellten Fragen interessante Statements entlocken. Auf die Frage nach positiven Erfahrungen im Bereich der Partizipation antwortete Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt Solothurn, nach kurzem Nachdenken: «Der Umbau des Stadttheaters. Das hat die Menschen bewegt und während der Bauphase mussten immer wieder Führungen organisiert werden. Das Stadtbauamt kam sich schon wie eine Event-Agentur vor.» Sie erinnerte auch an viele Gespräche mit Personen, die Änderungsvorschläge eingebracht haben. «Wir Planer haben oft eine abgehobene Sprache und müssen uns bemühen, unsere Vorstellungen Laien verständlich zu machen.»

Kommunikation ist unabdingbar

«Ist eine provokative Installation wie jetzt auf dem Klosterplatz sinnvoll?», fragte Szélpal in die Runde. «Sie kann gut sein, um den Kommunikationsprozess in Gang zu bringen,» meinte Eva-Maria Würth, Dozentin an der Hochschule Luzern für Design und Kunst. Isabelle Rihm von der GL Rihm GmbH stimmte ihr grundsätzlich zu, hält es in der Realität aber eher für unangebracht. Mit einer guten Kommunikation könnten viele Umtriebe vermieden werden. Es gelte die verschiedenen Interessen von Architekten, Bauherrschaft, Verwaltung und Politik zu bündeln. In bestimmten Fällen sei Information wichtiger als Partizipation. Und diese Information müsse möglichst niederschwellig sein. Bei Mitbeteiligung bestimmter Gruppen, beispielsweise in Workshops, werden nur wenige Personen einbezogen. Es besteht dann auch die Gefahr, dass ein Projekt nicht so realisiert werden kann, wie die mitbeteiligte Gruppe es sich vorgestellt hat und dann frustriert ist. Andreas Engweiler, Geschäftsführer der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk 1, vermerkte, dass sich die Verwaltung der Genossenschaft eine Stelle für Kommunikation leistet. Diese sei dafür verantwortlich, dass alle entsprechenden Personen frühzeitig in den Entscheidungsprozess einbezogen würden. «Bei uns werden Neubauten nie ganz fertig gebaut, damit die künftigen Mieter die Wohnungen selber weiter entwickeln können. Die Gemeinschaftsräume werden nach den vorhandenen Bedürfnissen der Mieter gestaltet.»

Künstler nicht nur für Kunst am Bau

Die Schnittstelle zwischen Architektur und Kunst sei inexistent, bemängelt Eva-Maria Würth. «Was geschieht, sind oft nur Beruhigungsübungen statt echter Partizipation. Es wäre gut, wenn bei der Planung auch die künstlerische Perspektive einbezogen würde.» Eine Aussage, welche in der nachfolgenden Diskussion auch aus dem Publikum Zustimmung erhält. Boris Szélpal nimmt diese Anregung gerne als ein Resultat dieser Diskussion entgehen, «weil Künstler freier denken können».

297 Bauten zu besichtigen

Stefan Rudolf, Präsident des SIA Solothurn, erinnerte zum Schluss der Veranstaltung an die Möglichkeit, 297 Bauten in der ganzen Schweiz zu besuchen. Darunter befindet sich auch der Neubau des Bürgerspitals mit einem Musterzimmer.