Fast 3000 Bilder haben in 58 Tagen des 18. Kunst-Supermarkts den Besitzer gewechselt – so bilanziert mit Freude Peter Lukas Meier, Kopf des Anlasses. Damit knüpfen er und sein Team mit einem Rückstand von wenigen Bildern an den Vorjahreserfolg an. Und noch Erfreulicheres weiss Meier: «Bei fast gleicher Stückzahl ist der Umsatz höher.» Will heissen: Die Käufer haben teurere Bilder eingekauft als sonst. Dazu stand den Kunstfans ein Vorrat von rund 7200 Bildern von 93 Kunstschaffenden aus der Region, der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland zur Auswahl.

In einem verkaufsintensiven Schlussspurt ab Weihnachten, über vier Tage im Altjahr bis zum vergangenen Wochenende, gingen 500 weitere Bilder über den Ladentisch. Fahrt aufgenommen hat der Anlass auch durch eine neue Käufergruppe: «Wir haben die Werbung vermehrt auf Social Media ausgerichtet. So haben wir Leute erreicht, die sich hier zum ersten Mal haben blicken lassen.»

Unter anderem stiessen auch diesmal Bilder mit «Solothurnness» auf Begeisterung. Noch 2016 hatte Meier dem Basler Künstler Kevin Hill den Tipp gegeben, die Stadt als Sujet in seinen hyperrealistischen Werken aufzunehmen. Fazit für 2017/18: «Alle weg!». Einem anderen, erstmalig anwesenden Künstler riet er diesmal genau dasselbe. Vielleicht darf mit noch mehr Lokalbezug gerechnet werden.

Meier und die lokale Kunstszene

Während die Liebe zu Solothurn als verkaufsfördernder Faktor auffällt, reichen die Orientierung, die Ausstrahlung und die Sogwirkung des Kunst-Supermarkts weit über die regionalen Grenzen hinaus. Gerade von der lokalen Kunstszene werde er hingegen auch heute noch nicht umgarnt, sagt Meier, und: «In den lokalen Kunst-Kuchen gehört man – oder gehört man nicht. Egal, was man tut.» Er selbst sei andererseits froh über die Unabhängigkeit, sich die Leute selbst auszusuchen, mit denen er zusammenarbeitet.

Abgesehen von Animositäten nennt er aber auch praktische Gründe, weshalb hiesige Künstler fast ganz fernbleiben. «Es ist nachvollziehbar, dass der Anlass für Solothurner Kunstschaffende zu nahe ist, sodass sie sich hier nur selbst konkurrenzieren würden.» Notabene: Letztlich muss jeder Künstler mindestens 40 Bilder beisteuern, um mitzumachen.

Mehr als nur Kunst-Shopping

Gleichzeitig weiss Meier: Der Name des Anlasses ist Provokation, ebenso wie die Tatsache, dass knallrote Preisschildchen den Warenhaus-Charakter noch verstärken. «Doch manche Leute aus der Kunstbranche tun oft so, als bewegten sie sich in einer nichtkommerziellen Szene – was nicht stimmt.» Derweil hält Meier fest, dass die Kunst aus dem «Supermarkt» nicht weniger wert sei, weil sie in einem kommerziellen Rahmen verkauft wird. «Und hier wird ein Erlebnis geboten – dem Namen zum Trotz.» Und so ist diese Provokation namens Kunstsupermarkt auch Türöffner.

Trotz 18 erfolgreichen Durchführungen werden die Macher im Haus des Rothus-Verlags nicht müde, Feinabstimmungen am Konzept zu wagen. Wie Peter Lukas Meier verrät, soll der 19. Kunst-Supermarkt vom 9. November 2018 bis 6. Januar 2019 noch mehr als Treffpunkt daherkommen. Anlässe wie Diskussionen, Lesungen und Konzerte sollen Thema werden.

«Schon jetzt hat sich das mitten im Raum platzierte Sofa als Ort zum Käfele bewährt», sagt Meier. Neben den bereits etablierten Künstlerateliers will man zur nächsten Durchführung auch das Format «Pimp my Art» aus der Versenkung holen. Dabei werden bestehende Werke vom stiefmütterlichen Dachboden auf die Staffelei zurückgeholt und von heutigen Kunstschaffenden kreativ übermalt. Eine weitere, willkommene Provokation...