Der Platz vor dem Hauptbahnhof Solothurn ist leer. Die zehn Männer, die hier seit Freitagmittag protestierten, sind weg.

Die Polizei hat den Platz in der letzten Nacht geräumt - in Absprache mit dem Amt für soziale Sicherheit. Man habe die zehn Männer um 5 Uhr abgeholt und auf den Polizeiposten gebracht, sagt Kapo-Mediensprecherin Thalia Schweizer auf Anfrage.

Der Platz vor dem Solothurner Bahnhof ist wieder leer.

Der Platz vor dem Solothurner Bahnhof ist wieder leer.

Der Entscheid sei vor allem zum Schutz der Asylbewerber gefallen. Auch seien die sanitären Anlagen nicht optimal gewesen.

Auf mehrere Zentren verteilt

«Die zehn Asylsuchenden sind heute Morgen bereits auf verschiedene Asylheime im Kanton verteilt worden», wie Claudia Hänzi, Chefin im Amt für soziale Sicherheit auf Anfrage sagte. Sie haben dabei keinen Widerstand geleistet und sich kooperativ gezeigt. Hänzi: «Die Männer wurden zur Mehrheit einzeln den Unterkünften zugeteilt, um weitere gemeinsame Aktionen möglichst zu vermeiden.»

Hänzi betont, dass die neuen Unterkünfte keineswegs einen höheren Standard aufweisen, als die verschmähte Zivilschutzanlage in Kestenholz. «Der Protest hat den Asylsuchenden in keiner Weise zu einer besseren Wohnsituation verholfen.»

Auch der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri spricht sich gegenüber dem TV-Sender Tele M1 für gleichwertige Anlagen aus: « Sie können nicht erwarten, dass sie bessere Unterkünfte bekommen, als wir in einem Katastrophenfall beziehen müssten.»

In der Anlage in Kestenholz selber verweilen weiterhin jene zwei Asylsuchenden, die sich an der Protestaktion nicht beteiligt haben.

Sanktionen werden ausgesprochen

Für den Kanton ist die Angelegenheit damit aber noch nicht abgeschlossen. Die Protestierenden müssen vielmehr, wie die Amtschefin weiter ausführt, mit einem Nachspiel rechnen.

Die Betreffenden hätten sich zwar nicht strafbar gemacht, aber den Interessen der Asylsuchenden generell geschadet. Hänzi: «Im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten werden wir Massnahmen aussprechen.»

Nur eine vorübergehende Bleibe

Die Bemühungen des Kantons, die zehn Asylbewerber in Asylunterkünften unterzubringen, hatten nicht gefruchtet. Das Angebot des Kantons an die Betroffenen, übers Wochenende in der Asylunterkunft auf dem Balmberg zu nächtigen, wurde abgelehnt.

Der Kanton zeigte mit einem interkulturellen Vermittler die Bereitschaft zum Gespräch.

Zivilschutzanlage instand gestellt

In die Asylunterkunft in Kestenholz wollte aber niemand zurück. Für Hänzi stand immer fest: «Die Unterkunft in Kestenholz ist zumutbar.» Dies, zumal die unterirdische Zivilschutzanlage nur als vorübergehende Bleibe gedacht sei.

«Die Zivilschutzanlage wurde dabei von der Gemeinde eigens für die Nutzung als Asylunterkunft instand gestellt», hält die Amtschefin fest. Zu den Auflagen des Kantons gehörte etwa, dass die sanitären Anlagen verbessert werden mussten. Zudem ist für Rückzugsmöglichkeiten gesorgt worden.

Für alleinstehende Männer

«Die Anlage ist voll funktionstüchtig», unterstrich Claudia Hänzi. «Wir haben uns die Einrichtung angeschaut und sie abgenommen.» Die Asylsuchenden seien in der Anlage zudem nicht eingesperrt. Wer will, könne einer Tagesbeschäftigung nachgehen. Und: Untergebracht würden hier einzig alleinstehende und gesunde Männer.

Dass eine unterirdische Zivilschutzanlage als Asylunterkunft genutzt werden muss, erachtet dabei auch der Kanton als nicht ideal. Selbst für die Gemeinden, so Hänzi, sei es einfacher, Asylsuchende in einer Wohnung unterzubringen, als eine Zivilschutzanlage dafür herzurichten. «Die Gemeinde Kestenholz hat sich darum bemüht, Wohnungen zu mieten oder zu kaufen, bis jetzt allerdings vergebens.» Besonders schwierig sei es, Asylunterkünfte für alleinstehende Männer zu finden - und zwar kantonsweit. (esf/ldu)