Am Freitag waren die fleissigen Helferinnen und Helfer bei sommerlicher Hitze noch am Ernten, was einen Tag später vor dem Kunstmuseum zum Abschluss des Projekts erntema(h)l! verspeist werden soll: prächtige violette Auberginen, knackige Tomaten in jeder Grösse, «haufenweise Stangenbohnen», viele verschiedene Kräuter oder der exotische Topinambur. «Das meiste ist sehr gut geraten», blickt der Thurgauer Kunstschaffende und Projektleiter Max Bottini auf das Vorhaben des Kunstvereins Solothurn zurück, das im letztjährigen Oktober mit den ersten Arbeiten begonnen hatte. «So trat bei uns im Museumspark an den Kartoffeln die dieses Jahr in der Landwirtschaft verbreitete Krautfäule nicht auf. Dafür sind die Rüebli nicht so sensationell und der Kabis eignet sich praktisch nur zur Dekoration.»

Dafür gibts ein weiteres Highlight: Die über Monate im Hühnergehege des Parks liebevoll betreuten Güggeli, die – mittlerweile geschlachtet und je zwei Kilo schwer – im Dutzend «verkocht» werden. «Die besten Poulets der Welt», ist Max Bottini überzeugt vom Federvieh, das seit Anfang Mai unter Beobachtung der halben Stadt viel Freilauf geniessen durfte.

Kunstprojekt «erntema(h)l» vor dem Kunstmuseum Solothurn: Anna Bürkli zeigt das Gehege der Hähne

Anna Bürkli zeigt das Gehege der Hähne (Juli 2016)

Total gibts 480 Portionen

«Alle Arbeit mündet nun im Höhepunkt des Projekts», freut sich Max Bottini, dass auch Petrus ganz offensichtlich ein «erntema(h)l»-Fan ist und der langen Reihe von Märet-Ständen vor dem Kunstmuseum seine Gunst mit viel Sonne erweist. «Wohl über 100 Personen haben das ganze Jahr über am Projekt mitgeholfen» – womit das Ziel einer breiten Beteiligung der Bevölkerung erreicht worden sei.

Am Samstag ab 10 Uhr sind jedoch bis 17 Uhr die Hauptakteure am Werk, die den Kreislauf von «Pflanzen – Pflegen – Ernten – Verwerten» endgültig schliessen: 24 Köchinnen und Köche, die unterschiedliche Gänge im Schichtbetrieb zubereiten werden. «Darunter sind auch drei Profi-Köche, die übrigen sind ganz einfach kochbegeisterte Personen, die mitmachen», verrät Max Bottini.

Eingeladen zum Mahl nach der Ernte ist die gesamte Bevölkerung – wobei es so lange «gitt wie’s hett». Das Ganze sei schon eine logistische Herausforderung, räumt Bottini ein, denn immerhin gedenkt die Kochbrigade 480 Portionen an die Frau, respektive den Mann zu bringen. «Natürlich ist die Grösse der Portionen nicht gedacht, jemanden zu sättigen», warnt der Projektleiter Leute, die glauben, sich im Museumspark gratis rundum verpflegen zu können. Verkocht wird in erster Linie, was vor dem Kunstmuseum gewachsen (und gelebt) hat, «aber wir haben zusätzlich noch Lebensmittel von etlichen regionalen Produzenten erhalten», freut sich Max Bottini über die breite Unterstützung, die das ungewöhnliche Projekt von allen möglichen Seiten erhält.

«Partizipation» und «Solidarität» waren für den Thurgauer zentrale Begriffe bei der Umsetzung des Projekts. Wichtig ist für ihn aber auch, dass die Aktion «keineswegs ein Akt des Egoismus ist».

Mit dem grossen Schlussmahl fliesse alles im Park Erzeugte an die Bevölkerung zurück, und «es dient dem Gemeinwohl». Wie weit der Museumspark wieder zurückverwandelt wird zum vorherigen Zierrasen, das lässt Max Bottini offen. Mit dem jetzigen Projekt seien viele Ideen entstanden, wie man gärtnernd den öffentlichen Raum beleben könnte. Wird Solothurn also 70 Jahre nach dem Ende der «Anbauschlacht Wahlen» zu einem neuen Eldorado von «Urban Gardening»?