Künstlergruppe Landhaus

Profis, Halbprofis und Amateure: Zehn Künstler laden zur Ausstellung

Casimera Romi Wylers Skulptur mit «Zeitungshaut» sehnt sich nach der Ferne. Dies lassen die aufgedruckten Schlagzeilen vermuten.

Im Solohturner Landhaus findet zur Zeit die alljährliche Ausstellung der Künstlergruppe Landhaus statt. Dabei stellen zehn verschiedene Kunstschaffende ihre Werke aus. Die Ausstellung läuft noch bis zum 2. April.

Eine Handvoll Kunstschaffende sitzt im Landhaus, während draussen die Aare vorbeifliesst. Inspiriert dies zu neuen Ideen? Oder steckt die Inspiration doch eher im Austausch über Methoden, Materialien und Motive? Beides ist zurzeit möglich in der Säulenhalle.

In Tradition präsentieren dort zehn Kunstschaffende der Künstlergruppe Landhaus bis 2. April ihr Schaffen. Ulrich Troesch zeichnet seit sieben Jahren für die Organisation der selbsttragenden Veranstaltung verantwortlich. «Jeder Künstler zahlt jeweils ein fixes Startgeld sowie eine variable Provision ab verkauftem Bild.»

Was den jährlich wiederkehrenden Kunstanlass besonders macht: Es kommen Profis, Halbprofis und vor allem Amateure zusammen – «unser Qualitätskriterium ist die Vielfalt», so Troesch. Tatsächlich finden Bilder wie Skulpturen, Abstraktes wie Figuratives, Verspieltes wie Andächtiges ihren Platz an der Landhaus-Ausstellung.

Immer aber ist es Vielschichtiges, und dies im wortwörtlichen Sinne. Wie bei Brigitte Willener (Oberbipp): So wie ein Mensch zeitlebens aus seiner inneren Biografie einige Spuren zeigt, andere aber verbirgt, so sind auch Willeners Bilder mehrschichtig, «wie ein antiker Apothekenschrank mit vielen Schubladen, die alles enthalten, was den Menschen ausmacht.» Geometrische Figuren verstärken die Tiefe und Harmonie der Bilder.

Mystisches ins Bild gesetzt

Tiefe ist auch eine Eigenart bei den Bildern von Oli Melly (Solothurn). Ihr Spiel mit Strukturen und Materialien schafft lichterfüllte, mystische Bilder, die erkennbare Figuren in eine abstrakte Umgebung einbetten. Die verwendeten Farben und die materiell vielseitige Struktur unterstützen einander gegenseitig. Das Arbeiten mit diversen Stoffen mache Melly besonders Freude – ebenso die Resonanz der Besucher. «Und wenn man noch ein Bild verkaufen kann, ist das eine erfreuliche Beigabe.»

Für Rosa Gasche (Kriegstetten) ist Solothurn ein «super Platz» um auszustellen. «Wenn man nicht immer in den gleichen Kreisen verkehrt, kann man neue Kontakte erschliessen – wie hier», sagt sie. Auch in ihren Werken hebt sich Gegenständliches von abstrakten, unscharfen Hintergründen ab. In frechen Farben erblüht die Natur, lugt eine Kuh aus dem Rahmen oder laufen Hühner durchs Bild. Ebenso zeigt Gasche Skulpturen, die Verwitterung, Verwilderung und gleichzeitig Verspieltheit dokumentieren. Verspieltheit legen auch Godi Treschs (Biberist) Werke an den Tag. Musizierende Katzen oder blühender Mohn kündigen den lebensfrohen Lenz an. Farbenreiche Stadtansichten und monumentale Berglandschafen ergänzen Treschs Schaffen. Kontrastiert wird das Heitere durch düstere Traumwelten, die wie Dianegative wirken.

Elisabeth Kocher (Bettlach) zeigt Liebesbekenntnisse an die Heimat – wie den von rotem Mohn gesäumten Blick auf die Wandfluh, andere Naturansichten wie einen Herbstwald oder eine Raubtier-Serie. Immer aber mit Liebe zum Detail und Flair für Farbe und Heiterkeit. Heiter kommen auch die Aquarelle von Bertie Marti (Bellach) daher. Ebenso widmet sich ein Teil ihrer Werke lokalen Landschaften, wie beispielsweise rund um die Aare. Und wie ein roter Faden zieht sich die Ode an die Natur durch ihre Exponate.

Frauenbildnisse und Farbwellen

Cornelia Monteil (Subingen) wählt einen ganz anderen Weg und widmet sich dekorativen Wortbildern in sattem Rot sowie in Grau- bis Anthrazittönen. Die zum Teil marmorierten Hintergründe schaffen eine Vintage-Struktur. Die Bilder von Casimera Romi Wyler (Kerzers) werden von einer Zeitungsskulptur in Menschengestalt «bewacht». In Wylers Werken geht es zumeist um unterschiedliche Frauenbildnisse, sinnlich und doch kraftvoll dargestellt, immer aber von der Mitte aus Ruhe ausstrahlend. Ulrich Troeschs (Solothurn) eigene abstrakte Werke sind durchzogen vom Leitthema Farbe, die scheinbar in Wasseroberflächen gespiegelt oder durch Strukturglas gebrochen wird und so eine eigene Qualität abbildet.

Margrit Kiener (Utzenstorf) lässt auf ihren Exponaten tief in die eigenen Träume, Visionen oder inneren Bilder blicken. Dabei gewährt sie ungewohnte Einsichten in Seelen- und Naturlandschaften – wie Alphornbläser, die auf eine Herde Elefanten treffen. Neben dem Verkauf der Bilder schätzt Kiener an der Landhaus-Ausstellung vor allem eines: «Der Austausch mit anderen Kunstschaffenden ist befruchtend.» Damit darf man auch 2019 auf einen bunten Reigen an Werken gleichenorts hoffen.

Ausstellung der Künstlergruppe Landhaus in der Säulenhalle, bis 2. April. Geöffnet: Di–Do, 14–19 Uhr; Fr–Mo, 10–17 Uhr. Infos: www.kuenstlergruppe-landhaus.ch

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