Theater Mausefalle
«Professor Bernhardi» war lange verboten, jetzt gezeigt

Das eher selten gespielte Drama «Professor Bernhardi» des Wiener Dramatikers Arthur Schnitzler erlebte dank seiner Sprache im Theater Mausefalle eine Premiere auf hohem Niveau.

Helmuth Zipperlen
Merken
Drucken
Teilen
Oskar Bernhardi (Silvan Andraschko) mit Klara Pflugenfelder (Tanja Wunderlin). zvg

Oskar Bernhardi (Silvan Andraschko) mit Klara Pflugenfelder (Tanja Wunderlin). zvg

zvg

Arthur Schnitzler (1862 – 1931) war bis um 1900 selber als Arzt tätig, bevor er sich ganz der Schriftstellerei zuwandte. Er gehörte zusammen mit Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr und Felix Salten zu den damaligen «jungen Wilden», welche die verkrustete Gesellschaft der k. und k. Monarchie kritisierten. Zu seinem Bekanntenkreis gehörte auch Sigmund Freud.

Was Letzterer akribisch erforschte, setzte Schnitzler intuitiv in seinen Werken um. Er thematisierte Sexualität und seelische Abgründe. Seine bekanntesten Dramen sind «Liebelei» und «Der Reigen». Seine «Traumnovelle» verfilmte Stanley Kubrick unter dem Titel «Eyes Wide Shut» mit Tom Cruise und Nicole Kidman. «Professor Bernhardi» erlebte seine Uraufführung am 28. November 1912 im Kleinen Theater Berlin, denn in Österreich war das Werk bis zum Untergang der Donaumonarchie verboten.

Zu sehr hat Schnitzler wohl die Realität und den unterschwelligen Antisemitismus der Wiener Gesellschaft eingefangen. Weil Schnitzler Jude war, wurden seine Werke im Dritten Reich verboten und erst seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Stück am Wiener Burgtheater inszeniert.

Nichts an Aktualität eingebüsst

In der Mausefalle wird das Drama in heutiger Kleidung gespielt und einige Männerrollen wurden mit Frauen besetzt. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass das Werk noch immer aktuell ist. Bernhardi ist Direktor des Elisabethinum, eines Wiener Krankenhauses. Eine Patientin liegt nach einer missglückten Abtreibung im Sterben, meint aber, sie sei gesund. Bernhardi möchte sie mit diesem Glücksgefühl sterben lassen.

Eine übereifrige katholische Krankenschwester ruft aber einen Priester, um der Patientin die letzte Ölung zu geben. Bernhardi verweigert dem Priester den Zugang, doch die Krankenschwester sagt der Patientin, dass der Priester gekommen sei. Diese wird aus ihren Träumen gerissen und stirbt. Dieser Vorfall, dass ein jüdischer Arzt einen Priester an der letzten Ölung hindert, wird nun zum Politikum und gibt den Antisemiten Oberhand.

Packende Rededuelle

Walzerklänge begleiten die Aufführung, denn in ihnen spiegeln sich Lust und Leid. An Handlung passiert wenig. Es wird vor allem geredet und dennoch verfliegt die Zeit. Es ist Schnitzlers Sprachgewalt und ihre Interpretation durch die Darstellenden, die eine fast thrillerhafte Spannung aufbauen. Patrick Kappeler in der Titelrolle zeigt Bernhardi als Arzt aus Leidenschaft, als unpolitischen Menschen, aber auch als Eigenbrötler. Sein Gegenspieler Ebenwald wird in der Interpretation von Joel Eschmann vom angepassten Untergebenen zum Wortführer der antijüdischen Bewegung.

Während sich die weiteren Arztpersonen Cyprian (Sven Witmer), Pflugenfelder (Daniel Tschumi), Filitz (Jörg Studer), Löwenstein (Christoph Stapfer), Schreimann (Silvia Ferrari), Adler (Annina Kasser), Wenger (Patrick Streit) und die Assistenten und Kandidaten Oskar Bernhardi (Silvan Andraschko), Klara Pflugenfelder (Tanja Wunderlin) Hochroitzpointner (Flavio Ackermann) in pro und contra Bernhardi aufteilen, spielt David Gnägi als Unterrichtsminister Flint eine der wichtigsten Rollen.

Flint ist der geborene Karrierist, ist in diesem Spiel um angebliche christliche Werte schlecht einzuordnen, denn er vertritt immer den Standpunkt, der ihm persönlich nützt. Sofia Mészàros (Ludmilla und Hofrätin Winkler), Patrick Gerster (Goldenthal) und Johnny Sollberger (Pfarrer Franz Reiser) vervollständigen das durchwegs ambitioniert aufspielende Ensemble unter der Regie von Johnny Sollberger.

Nächste Aufführungen: Freitag/Samstag, 3./4. Mai, je 20 Uhr, Sonntag, 5. Mai 17 Uhr, Freitag/Samstag. 10./11. Mai, Freitag/Samstag. 17./18. Mai, je 20 Uhr und Sonntag, 19. Mai, 17 Uhr.