Neben der Präsentation des Voranschlags 2017 der Perspektive Region Solothurn-Grenchen bekamen die Gemeindevertreter an der Generalversammlung einen Einblick in die Arbeit der Kontakt- und Anlaufstelle Gassenküche.

Der Voranschlag fürs kommende Jahr weist einen Überschuss von 51'387 Franken aus. Die Beiträge der angeschlossenen Gemeinden belaufen sich auf rund 2,019 Millionen Franken. Dem Betriebsertrag von 5,630 Millionen Franken steht ein Betriebsaufwand von 5,577 Millionen Franken gegenüber.

Wie Christine Bigolin Ziörjen betonte, wird der Pro-Kopf-Beitrag der Einwohnergemeinden von 17 Franken beibehalten. «Das gibt Sicherheit», so die derzeitige Präsidentin der Perspektive Region Solothurn-Grenchen, die Menschen, die sich mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr zurechtfinden, berät, betreut und begleitet.

Rücktritt angekündigt

Bigolin nutzte die Gelegenheit, ihren Rücktritt im kommenden Frühling anzukündigen. Im Hinblick auf den geplanten Wechsel wählte die Versammlung den Gemeindepräsidenten von Recherswil, Hardy Jäggi, neu in den Vorstand. Zustimmung fand auch die Anfrage aus Olten, die Schulsozialarbeit auf die Region Ost auszuweiten.

Als Highlights des Jahres erwähnte Bigolin die Präsenz an der Heso und das traditionelle Röstiessen im Kapuzinerkloster, das immer mehr Besucher anzieht.

Solothurn war Nummer drei

Im Zentrum der Generalversammlung standen aber nicht bloss Zahlen, Mitteilungen und eine Wahl, sondern auch ein ausführlicher Bericht über die Kontakt- und Anlaufstelle Gassenküche. Deren Bereichsleiterin Sibylla Motschi blickte zurück in die Zeit vor der Inbetriebnahme der Gassenküche im ehemaligen Restaurant Adler im Jahr 2009. «Es war die Zeit, als sich Solothurn mit der drittgrössten offenen Drogenszene der Schweiz auseinandersetzen musste», erinnerte Motschi an die ausser Kontrolle geratene Szene, von der auch die Bevölkerung massiv tangiert war.

Krankheiten und Todesfälle waren nebst einer hohen Kriminalität allgegenwärtig und beschäftigten auch die Polizei in hohem Mass.

Die Eröffnung einer zentralen Kontakt- und Anlaufstelle, die mit der Gassenküche verknüpft wurde, führte rasch zu einer Beruhigung im öffentlichen Raum. Bald legte sich auch der Widerstand der Quartierbewohner. «Heute sind wir im Quartier gut eingebettet», freute sich Motschi und lobte die gute Zusammenarbeit mit der Polizei und die gegenseitige Unterstützung.

Die Angebote der Anlaufstelle

Die Kontakt- und Anlaufstelle sowie auch die Gassenküche hätten zum Ziel, körperliche und psychische Folgeschäden des Suchtmittelkonsums zu vermindern und Überlebenshilfe anzubieten. Zu den Zielgruppen gehören über 18-jährige Menschen mit einer problematischen Suchtmittelabhängigkeit, die in der Region wohnen und von sozialer Ausgrenzung betroffen sind.

Im Angebot stehen laut Sibylla Motschi Konsumationsräume sowie die Abgabe und Entsorgung von Konsumationsmaterial, Aufenthaltsmöglichkeiten, eine einfache medizinische Versorgung sowie Beratungen und Gespräche. Gerne benutzt werden Angebote für die Körperpflege und eine Kleiderbörse für Männer.

55 Besucher in vier Stunden

Die Kontakt- und Anlaufstelle ist täglich während vier Stunden offen. In dieser Zeit benutzen im Schnitt 55 verschiedene Besucher die angebotenen Dienstleistungen. Die meistbenutzten Drogen sind Kokain, Heroin sowie verschiedene Medikamente. «Oft handelt es sich um einen Mischkonsum zusammen mit Alkohol», konkretisierte Motschi.

Mitgebrachte illegale Substanzen würden unter fachlicher Aufsicht und hygienischen Bedingungen konsumiert. «Wir legen grossen Wert auf die Verhinderung von Ansteckungen und Infektionskrankheiten, denn alle Konsumformen bergen Risiken», weiss die langjährige Betriebsleiterin. «Der Andrang ist gross, und es kommt zu Wartezeiten, weil immer mehr Leute dazukommen.» Was mit anderen Worten heisst: Die Drogenabhängigkeit ist nach wie vor gross, aber dank der Perspektive im öffentlichen Raum weniger sichtbar.