«Pro Indigena»
Entwicklungshilfe auf Augenhöhe: Wie ein Solothurner Verein Gemeinden in Lateinamerika unterstützt

Der Verein «Pro Indigena» mit Sitz in Solothurn leistet im Grenzgebiet von Mexiko und Guatemala Entwicklungszusammenarbeit. Christoph Hüsser ist Präsident von «Pro Indigena» und berichtet über das Schaffen des Vereins.

Christian Sutter
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Christoph Hüsser setzt als Präsident von «Pro Indigena» auf Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Christoph Hüsser setzt als Präsident von «Pro Indigena» auf Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Christian Sutter

Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe: Das verfolgt der Verein Pro Indigena mit Sitz in Solothurn. Das Verständnis von Zusammenarbeit ist dabei wortwörtlich gemeint, denn die lokale Bevölkerung in den Dörfern des Grenzgebiets von Mexiko und Guatemala, in denen Pro Indigena tätig ist, analysiert ihren Entwicklungsbedarf selbst.

Der Bellacher Christoph Hüsser, Präsident des Vereins, betont die Eigenständigkeit der lokalen Bevölkerung. Die Menschen vor Ort seien die Autoren ihrer eigenen Projekte, führt Hüsser aus. Und ergänzt:

«Die Dorfgemeinschaften entwickeln ihre Ideen und den Bedarf für konkrete Projekte aus ihrem eigenen Verständnis von ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation.»

Pro Indigena begleitet den Prozess der Entscheidungsfindung, stellt Fragen zur Machbarkeit und unterstützt die Umsetzung.

Das Thema Gesundheit steht an erster Stelle

Im Vordergrund steht die Ausbildung von lokalem Gesundheitspersonal. Hebammen werden durch einen mexikanischen Arzt vor Ort ausgebildet. In Kontext mit Gesundheitsfragen stellt sich schnell die Frage nach der Wasserversorgung, und in den letzten Jahren gewann die Frage nach Aufforstungsprojekten an Bedeutung. Denn die lokale Bevölkerung verfügt nur über Holz als Brennmaterial. Die durch Abholzung ausgelöste Bodenerosion führt unmittelbar zur Ernährungssicherheit und somit wieder zur Gesundheit zurück.

Pro Indigena investiert deshalb auch in die Wasserversorgung mit dem Bau von Quellfassungen, Reservoirs und Verteilnetzen. Weitere Investitionen gelten der Reduktion des Holzverbrauchs, etwa durch den Bau neuer Kochherde, die den Holzverbrauch stark reduzieren.

Ein Kochherd, «comal» genannt, zur Zubereitung der täglichen Bohnenpfanne oder Kaffee. Die Metallplatte reduziert den Holzverbrauch.

Ein Kochherd, «comal» genannt, zur Zubereitung der täglichen Bohnenpfanne oder Kaffee. Die Metallplatte reduziert den Holzverbrauch.

Zvg

Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist für Hüsser ein zentraler Punkt. Durch die Problemdefinition der Bevölkerung finden einerseits kulturelle Werte und Lebensformen ihren Niederschlag. Dies bringt eine Identifikation mit der Lösung mit sich und berücksichtigt somit den zweiten, anthropozentrischen Ansatz: das Menschenbild der Betroffenen. «Es ist ihr Bild, welches sie von sich und der Welt haben – nicht unser Bild, das wir von ihnen und ihrer Welt haben. Entsprechend definieren wir auch nicht ihre Probleme», so Hüsser.

Wenn Hüsser von Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe spricht, weiss er, von was er redet. Der Agronom arbeitete vier Jahre bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (Deza), und von 1992 bis 1998 leitete er das Länderprogramm von Swissaid in Honduras und Nicaragua.

Keine geografische Expansion

Das Wirkungsgebiet von Pro Indigena umfasst 35 Gemeinden in Guatemala und 25 Gemeinden in Chiapas, Mexiko. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört zur indigenen Kultur der Mayas (Ethnie der Chuj)
und sie sprechen ihre eigene Sprache.

Von diesen total sechzig Gemeinden nehmen 58 Personen an Kursen als Gesundheitspromotoren teil. In denselben sechzig Gemeinden nehmen 44 Promotoren an Ausbildungskursen teil für Zahnmedizin sowie 181 Frauen an Kursen für Hebammen – alle Zahlen Stand 2021. Pro Indigena wird sich weiter auf diese sechzig Dörfer konzentrieren und nicht weitere Gebiete einbeziehen.

Der Verein Pro Indigena ist die Nachfolgeorganisation der ehemaligen Schweizer Indianerhilfe und erhielt für seine Projekte 1998 eine Auszeichnung der Unesco. Neben Christoph Hüsser wird der Verein durch engagierte Ärzte und Ärztinnen aktiv unterstützt, die immer wieder vor Ort reisen. Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich.

Aktuell finden keine Reisen statt. Geplant wäre für März und April die Reise einer Zweierdelegation des Vorstandes gewesen. Wann der nächste Augenschein vor Ort möglich ist, hängt vom Verlauf der Coronapandemie ab.

Hinweis

Mehr Informationen unter www.pro-indigena.ch