Mittelschulen Regio Südfuss
Private Oberstufen-Schule «roj» geht Hausgemeinschaft mit Steiner-Schule ein

Für die private Oberstufen-Schule Mittelschule Regio Südfuss, kurz «roj», steht diesen Sommer ein Umzug an. Sie wechselt von der Bielstrasse in die Rudolf-Steiner-Schule, wo sie sich einmietet. Das Raumangebot war zu gross geworden.

Wolfgang Wagmann
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Die «roj» wird wieder in der Steiner-Schule integriert,

Die «roj» wird wieder in der Steiner-Schule integriert,

Hansruedi Riesen

In den Korridoren des nüchternen Zweckbaus ist ausgelassenes Lachen zu hören, Teenager strömen aus den Klassenzimmern. Ein Bild wie in jedem anderen Schulhaus auch, wenn der Unterricht vorbei ist. An der Bielstrasse 95 ist er im Sommer für immer vorbei. Zumindest der Unterricht der Mittelschulen Regio Südfuss, kurz «roj». Denn auf den Schulbeginn im Spätsommer hin werden die neuen Schülerinnen und Schüler zwischen 16 bis 20 Jahren nicht mehr an der Bielstrasse 95 unterrichtet, sondern neu in der Rudolf-Steiner-Schule an der Allmendstrasse 75.

«Letzte Woche haben wir die Eltern informiert. Neun Jahre waren wir hier an der Bielstrasse», erinnert sich Marcel Candel, der zusammen mit Henrik Tange die Schulleitung innehat. «Und seit 2004 sind wir ein eigener Verein.» Nun werde man sich in der Steiner-Schule einmieten, «dort gehören wir dann neu zur Hausgemeinschaft».

Auch Marcel Candel und Henrik Tange, Schulleiter der Mittelschulen Regio Südfuss (roj), werden im Sommer in die Steiner-Schule zügeln.

Auch Marcel Candel und Henrik Tange, Schulleiter der Mittelschulen Regio Südfuss (roj), werden im Sommer in die Steiner-Schule zügeln.

Wolfgang Wagmann

Platz besser ausgenützt

Ja, es habe schon mehr Jugendliche gegeben, die hier unterrichtet wurden, räumt das Leitungsduo ein. Der Vermieter sei zwar seit zwei Jahren mit dem Mietzins entgegengekommen. «Doch das Raumprogramm ist für uns zu gross geworden», erklärt Candel angesichts der vier Klassen mit aktuell 55 Schülerinnen und Schülern. «Es sind weniger Schüler geworden, deshalb standen wir auch schon länger im Gespräch mit der Steiner-Schule», ergänzt sein Kollege.

Rudolf Steiner-Schule: «Eigentlich als Konzept eine Gesamtschule vorgesehen»

«Wir freuen uns auf den Einzug. ‹roj› ist die Oberstufe für unsere Steiner-Schule, aus der sie einst auch hervorgegangen ist.» Für Joseph Aschwanden, Pädagogischer Leiter der Rudolf Steiner-Schule Solothurn mit 230 Kindern, betreut von 35 Lehrkräften, sei der Schritt «gut für beide». Könnten doch die älteren «Roj»-Schüler den Steiner-Schulkindern, die hier bis zur 9. Klasse unterrichtet werden, einiges mit auf den Weg geben. Und eigentlich «haben wir ja als Konzept eine Gesamtschule vorgesehen.» Zwar bleibe der neue Mieter ein selbstständiges Konstrukt, doch sieht auch Aschwanden die Mittelschulen Regio Südfuss als Partner einer neuen Hausgemeinschaft. Platz habe es für die nächsten zwei Schuljahre genug, «zumindest was Schulzimmer anbelangt.» Angespannter sei die Situation bei Sälen für die in der Steiner-Schule hoch gehaltenen Bewegungsfächer und Theater-Aufführungen. Doch habe man mit dem Erwerb der Allmend-Hostett im Westen noch Landreserven. Baupläne an ich gebe es nicht, «doch könnten wir uns ein Provisorium vorstellen.» Denn für den Ausbau des Schulhauses an der Alllmendstrasse, «fehlen uns die Mittel», räumt Joseph Aschwanden unumwunden ein. (ww)

Schwarz sieht Marcel Candel allerdings für die Schule nicht: «Wir haben derzeit 56 Angemeldete fürs nächste Schuljahr und weitere 11 Interessierte. Wir konnten dieses Jahr den Schulbetrieb mit 55 Schülern finanzieren, wir würden ihn auch nächstes Jahr mit etwa gleich vielen finanzieren.» Aber günstiger werde der Schulbetrieb mit dem Umzug schon, «das sind andere Verhältnisse».

Denn ein Problem liesse sich in der Steiner-Schule optimieren: Wegen Lernprojekten und Praktika in Betrieben bleiben von fünf Tagen die Schulzimmer zwei leer. Dies liesse sich mit einer Doppelnutzung der Räume durch die Steiner-Schule und die Mittelschule vermeiden. Jedenfalls sei das Raumangebot für das nächste Schuljahr gewährleistet, so die beiden Schulleiter – zudem verfüge die Steiner-Schule mittelfristig auch noch über Bauland und damit Raumreserven im Westen des jetzigen Schulgebäudes an der Allmendstrasse. Auf dem ehemaligen Fabrikareal führt die Steiner-Schule übrigens räumlich abgetrennt auch einen Kindergarten.

Ein «Anerkennungsprozess»

Nach dem 9. Schuljahr bietet «roj» eine Integrative Mittelschule (10. bis 12. Klasse) mit der an Rudolf-Steiner-Schulen üblichen Allgemeinbildung und eine Fachmittelschule (10. bis 12. Klasse) an. Anschliessend folgt das Fachmaturitätsjahr FM. Ein Angebot, das eine 15-köpfige, meist in Teilpensen arbeitende Lehrerschaft gewährleistet, zu der auch Tange und Candel gehören. «Wir haben uns das Angebot in einem regulären Anerkennungsprozess erworben», blickt Henrik Tange auf die 2011 durch den Kanton anerkannte Fachmittelschule und die 2012 gewährte Fachmaturität zurück.

Die Schülerschaft rekrutiert sich aus den Regionen «östlich von Biel» über den ganzen Jurasüdfuss, den Oberaargau bis ins Luzernische hinein. Wobei nur vier Jugendliche die Integrative Mittelschule IMS mit dem zweitägigen Berufspraktikum in Betrieben besuchen. Ein Grund: «Die Lehrstellensuche ist bedeutend einfacher geworden», stellen die beiden Schulleiter auch angesichts der Tendenz der Staatsschulen fest, das freiwillige 10. Schuljahr mangels Nachfrage abzuschaffen. Im Vorjahr hätten jedoch über zehn Schüler und Schülerinnen in der 10. Klasse IMS auch zum Teil dank ihrer Praktika eine Lehrstelle oder ein Vorpraktikum gefunden. Und so gebe es von Jahr zu Jahr grosse Schwankungen bei der IMS-Schülerzahl.

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