Man muss seine Lieblingsserie unglaublich gernhaben, um ein geschlagenes Jahrzehnt auf ihre Fortsetzung zu warten. Tatsächlich gibts in Solothurn viele Fans, die sich auch elf Jahre nach der «Erstausstrahlung» aufs nächste Abenteuer der Sonderkommissare Ruedi Schläfli und Paul Weckmann alias Hanspeter Bader und Jens Wachholz gefreut haben. Das Bühnenvergnügen findet aber nicht vor der heimischen Flimmerkiste statt. Vielmehr feierte das Stück diese Woche auf der Bühne des «Uferbaus» seine Premiere.

Und die Fans, die gerne an die elfteilige Improvisationsreihe «Soko-Solo11» zurückdenken, okkupieren auch nach elf Jahren jeden einzelnen Stuhl im Saal – «Starsky und Hutch» oder die Undercover-Polizisten aus «Miami Vice» würden ob solch langjähriger Fantreue vor Neid erblassen. Denn auch die Produktion «Operation Gold» entführt den Zuschauer wieder in Schläflis und Weckmanns Welt des ganz normalen Wahnsinns, die man schon vor elf Jahren für vergnüglich befand.

So sieht man sich wieder

Apropos Wahnsinn: Es reicht nicht, dass man mit einer psychiatrischen Klinik als Kulisse dem Dürrenmatt’schen Setting aus «Die Physiker» huldigt. Auch die überraschenden Wendungen – über die hier nicht all zu viel verraten sei – erinnern an den Schweizer Bühnenklassiker. Nur, dass wir es hier mit zwei emeritierten Spezialcops zu tun haben, die eines Tages in bedauernswertem Zustand in die Klinik eingeliefert werden. Schläfli wurde durch eine Kugel an (nicht in) den Kopf in einen Zustand der Apathie katapultiert wurde – Reflexe: keine. Und sein deutscher Kollege Weckmann rattert in sporadischen Ticks Bahnansagen aus dem RBS-Fahrplan runter.

Er, der in Melancholie verfällt, sobald er an den Billettkontrolleur Gregor denkt, dessen Liebe seine Mutter ihm verweigerte. In dieser Vorhölle treffen die beiden früheren Arbeitskollegen aufeinander, im infantilen Spiel um «Bauchlötzli» und «Bolei», durchzogen von Momenten geistiger Wachheit.

Dann ist da die überzeichnete Klinikärztin Maxi Frisch mit Wiener Schmäh und Sarkasmus, die alle Klischees aus dem «Gschpüri»- und Klinikfundus in sich vereint. So werden die Patienten mit Pillen ruhiggestellt und mit «therapeutischem Aktmalen» bei Laune gehalten. Und als unter dem Namen Dr. Hermann Meier eine Schlüsselperson in Erscheinung tritt, macht sich im drögen Klinikalltag plötzlich der Goldrausch breit – die Suche nach dem heiligen Gral der Alchemie beginnt.

Und: Um dem Lokalkolorit seine Ehre zu erweisen und dem Publikum zu schmeicheln, werden alle drei Patienten – über ihre Zukunft sinnierend – zu visionären Stadtplanern für das kommende «Gross-Solothurn». Sesselibahn und Weissensteintunnel werden ebenso durch die thematische Mangel gedreht wie die Herbstmesse oder Einsiedlerin Benedikta.

Klamauk und Geist

Bader und Wachholz haben das Stück in Zusammenarbeit mit Pedro Haldemann durch improvisierendes Erkunden geschaffen – und mit Margit Maria Bauer eine witzreiche Schauspielkollegin an Bord geholt, die auch in früheren Produktionen mitwirkte. Entstanden ist ein Stück, das weder mit Klamauk, noch mit geistreichen Anspielungen zum lokalen Geschehen geizt. Das Trio bracht mit seinem Mix aus Wahnsinn und Charme, aus Sarkasmus vier Protagonisten auf die Bühne, die man einfach gern haben muss. So sah es  auch das anwesende Publikum.

Doris Kläy aus Solothurn war bereits beim Theaterkrimi vor elf Jahren dabei: «Die Figuren haben sich weiterentwickelt. Und speziell: Das Publikum ist noch jenes von damals, aber so wie die Protagonisten älter geworden.» Dass Schläflis und Weckmanns Abenteuer mit neuen Fans rechnen kann, beweist Renate Heidler aus Buchegg. «So wie die drei das Lokalkolorit darstellen, hält man sich den Bauch vor Lachen.» Gleichzeitig mache das Stück, das letztlich vom Streben nach materiellem oder ideellem Glück erzählt, auch nachdenklich. «Der Mix zwischen Spass und Ernst machts aus.»

Weitere Daten: 12., 13., 14., 19., 20., 21. März, jeweils 20 Uhr, «Uferbau» Ritterquai.