GV Honolulu
Premiere an Hilari-Abend: Die allererste Online-Geburt im Obach

Die Narrenzunft Honolulu hielt ihre Generalversammlung im «Stephan» und drei weiteren Lokalitäten ab. Es hagelte Pointen.

Wolfgang Wagmann
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Samuel Hofer, Ober der Narrenzunft Honolulu, lanciert den Pointen-Reigen in der prätschvollen Gaststube des «Alten Stephans».

Samuel Hofer, Ober der Narrenzunft Honolulu, lanciert den Pointen-Reigen in der prätschvollen Gaststube des «Alten Stephans».

Hanspeter Baertschi

Die Erwartungshaltung im «Alten Stephan», im «Roten Turm», in der Säulenhalle und im Zunfthaus zu Wirthen ist jeweils enorm: Hat der Ober der Narrenzunft Stadtpräsident Kurt Fluri abgesetzt? Hat er, den «Solothurner Blatter».

Das ist aber auch schon die einzige Konstante am Hilari-Abend. Ober Samuel Hofer brauchte nicht lange für den ersten Lacher: Der Grenchner Obernarr habe behauptet, an der Solothurner Fasnacht sei «alles nur noch Kommerz». «Aber wenigstens haben wir noch eine Fasnacht.» Erster Brüller.

Unter die launigen Begrüssungen – «den HGL hätt ich fast vergessen; na ja, das wär nicht so schlimm» – streute der Ober Dienstmeldungen ein. So die Ernennung von Markus Klaus zum Ehrenlulu, genauso wie die drei Hilarimusiger Koni und Franz Müller sowie Peter Rüttimann.

«Heilige Mutter Gottes»

Nach sechs Jahren endlich wieder zu einem Stuhlgang kam Dachdecker und Wagenbauchef Peter Huber. Auf dem Dach der Jesuitenkirche – «Heilige Mutter Gottes, hab ich dort oben mit ihr eine ruhige Kugel gehabt», erntete er den ersten Lacher.

Einen weiteren Grosskalibrigen mit: «Pirmin Bischof hat im Mai mit einem grossen schwarzen Block geheiratet. Nach neun Monaten, ehm, Juni, Juli, August, September, ist das Kind zur Welt gekommen.» Oder zur möglichen Fusion: «Usgrächnet mit Zuchu, em Gränche im Oschte...»

Mit seinem Jahresrückblick leitete der Ober zur nächsten Perle, Beat «Willy» Wyler über. Zuerst stellte er allerdings fest, dass drei Jahre nach dem Umzug nach Gerlafingen jetzt auch seine Schriften «nachgezügelt» seien – deshalb heisse sein neuer Wohnort jetzt «Obergerlafingen».

Nun, Beat Wyler gab sich hipp, den er beleuchtete mit Akribie das Wesen des Hipsters. Sehr gepflegte Bärte müssten sein – «nicht wie die von Peter Wyss oder dem Schuh Schenker.» Daneben wunderte sich Wyler, warum die Kantonsstrasse zwischen Lohn und Biberist jetzt so mäandriere – «werden jetzt schon Kantonsstrassen renaturiert?»

Eine Zangengeburt

Nach dem «Pauseglöggli» griff der Ober sich mit Silvan Studer gleiche einen Partner für ein Highlight des Abends: die erste Online-Geburt in der Klinik Obach, mit den «Beratern» Ruedi Wälchli und Denise Fluri für die verzweifelte Bettina Karli.

Mit Marco Lupi folgte das nächste As auf dem Stuhl: Er überbrückte die Wartezeit bis zu seinem allerersten Poetry Slam, der nur maximal sechs Minuten dauern darf, mit einigen Pointen aus der «Reservebox». «Mein Lieblingstier ist der Zapfhahn». Der «Stephan» tobt.

Dann mit Lupi-Tours auf einer grossen Afrikareise, wo ihn die «Djambos» alle freundlich willkommen heissen, bis er sich aber zuletzt nach Solothurn und dem Nebel zurücksehnt.

Denn Bargespräche wie diese mit Kai-Uwe oder Heinz-Rüdiger törnen ab: «Aus welchem Teil Deutschlands kommt ihr denn?» «Wir sind Schwiizer!» Nicht nur Samuel Hofer zollte dem «Zunft-Shaquiri» tosenden Applaus, dem der Ober ein stimmiges Mani-Matter-Liedli zum zweiten Ständeratswahlgang von «Röbi und «Wale» nachsandte.

Aufstand in Feldbrunnen

Vor dem Schlussvers folgte mit dem «Meuchelschreibers» Fabian Schäfer ein Finales Furioso. Seine Würdigung des 25-jährigen Werde-Gangs eines stadtbekannten Stadtredaktors war zu entnehmen, dass er bei diesem sogar in die Lehre gegangen sei.

«Und es hat viel gebraucht, bis ich das wieder weghatte.» Eines allerdings ist Schäfer davon geblieben: eine sprachliche Brillanz sondergleichen und ein sicheres Händchen für die Volltreffer-Pointe. Genial sein Aufstand in Feldbrunnen, als die Steuern auf 80 Prozent angehoben worden sind.

«Steuerfuss-Dschihadisten» ziehen herum, aus den Banlieues von St. Niklaus kommen goldene Mozartkugeln geflogen, und so folgert er: «Bi 80 Prozänt längts dene arme Riiche jo nid emau me für’s Dekadänz-Minimum.» Einfach geil.