Bleibt die Post am Hauptbahnhof erhalten oder macht sie dicht? In Anbetracht des sukzessiven Poststellenabbaus stellt sich diese Frage in Solothurn genauso wie an unzähligen anderen Orten in der Schweiz. Die seit Dienstag vorliegende Antwort – ein eindeutiges «Jein».

«Die heutige Filiale beim Bahnhof wird am Samstag, 22. Dezember 2018, letztmals geöffnet sein», informiert Markus Flückiger, zuständig für Kommunikation bei der Post Region Mitte.
Gleichzeitig werden die Post-Dienstleistungen am gleichen Ort von einem anderen Partner weitergeführt: So zieht ab Frühjahr 2019 selbenorts im Hauptbahnhof Coop mit einer eigenen Verkaufsstelle ein und führt die Dienstleistungen der Post fort. Somit übernehmen Coop-Mitarbeiter den bisherigen postalischen Service.

Das Geschäft wird nach Umbauarbeiten im ersten Halbjahr 2019 eröffnet werden, heisst es seitens der Post. Als grosser Vorteil werden die durch das Coop-Regime ausgedehnten Öffnungszeiten hervorgehoben. Und: «Einzahlungen lassen sich bargeldlos erledigen. Mit der Post-Finance Card können die Kunden auch Bargeld beziehen», schreibt Flückiger weiter. Die Postfächer, die bisher zur Bahnhofs-Postfiliale gehörten, werden neu an der im März eröffneten Fachanlage an der Wengistrasse 31 integriert.

Zukunft anderer Filialen unklar

Bereits Anfang 2017 hatte die Post angekündigt, alternative Lösungen für die Filialen Weststadt, Altstadt und Bahnhof zu prüfen. Im Sommer des vergangenen Jahres dann publizierte die Gewerkschaft für Medien und Kommunikation Syndicom eine national Gefährdungskarte der Poststellen und sah bereits damals sämtliche vier städtischen Poststellen gefährdet, einige gar im Schliessungsprozess.

Die offizielle Stossrichtung der Post geht dahin, dass die Filialen in der Weststadt und am Kronenstutz immer noch «überprüft» werden, während die Niederlassung an der Wengistrasse zumindest bis 2020 gesichert sei. «Über die Ausgestaltung des Angebots der Post in der Altstadt und in der Weststadt wird die Post regelmässig informieren», kündigt Wüthrich an. Punkto Poststellenplanung stehe man mit den örtlichen Behörden in engem Kontakt.

Die strategische Überlegung hinter dem Entscheid am Hauptbahnhof: Laut Wüthrich sei das Netz an Zugangspunkten in Solothurn und Umgebung dicht. «Die Post reagiert auf die anhaltend rückläufigen Aufgabemengen und auf das jährlich hohe Defizit im Netz», lautet denn die Begründung. Die Bahnhofsfiliale umfasst heute 3,2 Vollzeitstellen. Wie Wüthrich auf Rückfrage bekannt gibt, befinde man sich mit den betroffenen Mitarbeitenden im Gespräch für eine gute Anschlusslösung.

An den Zeitgeist angepasst

An bereits über 1000 Standorten schweizweit ist die Post als Ersatz für die Filialschliessungen Partnerschaften eingegangen – und nun also auch am Hauptbahnhof Solothurn. Weiter bietet die Post ebenfalls am Bahnhof und seit März auch an der Wengistrasse ein MyPost24-Automat, der es ermöglicht, über ein Terminal Pakete zu verschicken und eingeschriebene Briefe oder Pakete zu beziehen.

Während der Automat beim Bahnhof rund um die Uhr in Betrieb ist, ist jener an der Wengistrasse von 5 bis 22 Uhr zugänglich. «Mit den Automaten richtet die Post ihr Angebot auf die sich verändernden Kundenbedürfnisse aus. Immer mehr Menschen kaufen online ein. Sie sind immer seltener zu Hause, wenn der Postbote kommt», sagt Flückiger. Der Erfolg zeige sich: Die Nutzungszahlen der Automaten steigen laut Post kontinuierlich an.

«Für den täglichen Bedarf»

Karin Kälin als Mediensprecherin der Coop-Verkaufsregion Bern bestätigt die Pläne am Solothurner Bahnhof, ebenso die Übernahme der Mietfläche Anfang 2019 sowie den Innenausbau. Ebenfalls informiert Coop, dass die Verkaufsfläche 180 Quadratmetern betragen soll. «Das Sortiment wird Artikel für den täglichen Bedarf umfassen, sowie ein vielfältiges Angebot für Pendlerinnen und Pendler», ergänzt Kälin. Über das Personalaufgebot in der Filiale könne man in der jetzigen Projektphase hingegen noch keine Angaben machen.

Mit dem Einzug von Coop erhält die benachbarte Avec-Filiale eine direkte Konkurrenz. Bei der Valora-Gruppe, die die meisten Avec-Filialen im Franchising-Modell unterhält, zeigt man wenig beeindruckt von der neuen Situation: «Valora ist eine fokussierte Convenience- und Food-Service-Anbieterin», sagt Lukas Mettler als Valora-Sprecher auf Anfrage. «Wir vertrauen auf unsere innovativen und modernen Konzepte, die wir konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten.»