Solothurn

Post räumt das Feld am Hauptbahnhof – Coop kommt bis Mitte 2019

Hauptbahnhof: Vollendete Tatsachen – die Postfiliale Solothurn 1 ist geschlossen.

Seit 22. Dezember 2018 ist die Filiale 1 am Solothurner Hauptbahnhof geschlossen, bis Mitte Jahr entsteht dort ein Coop mit Postdiensten.

Der Aushang am Hauptbahnhof sagt wenig bis nichts darüber aus, was in der dortigen Poststelle läuft. Nur, wo sich der nächste Postomat und der nächste Briefkasten befinden: dort eben nicht. Ebenso wenig die Schalter. Denn die Filiale ist zu: Seit 22. Dezember rennen Postkunden vergeblich an. Die Filialschliessung hatte die Post bereits im Sommer verlauten lassen – und auch über Flyer in der Poststelle selbst verkündet. Einige, die vor Weihnachten noch letzte Geschenke losschicken wollten, wurden wohl trotzdem auf dem falschen Fuss erwischt. Ausserdem sucht man die Postfach-Anlage vergebens. Die Fächer wurden in der Postfiliale Wengistrasse integriert.

Coop übernimmt das Zepter

Noch im ersten Halbjahr 2019 – nach entsprechendem Umbau – wird Coop als neue Mieterin am Hauptbahnhof eine Filiale mit 180 Quadratmetern Ladenfläche eröffnen. Erwarten könne man «ein Sortiment mit Artikeln für den täglichen Bedarf sowie ein vielfältiges Angebot für Pendlerinnen und Pendler», kündigt Karin Kälin, Mediensprecherin Coop-Verkaufsregion Bern, an.

Darüber hinaus wird die Coop als Post-Partner teilweise deren Dienstleistungen übernehmen: «Das Angebot der Filiale mit Partner umfasst die täglich nachgefragten Postgeschäfte rund um Briefe und Pakete sowie Einzahlungen und den Bezug von Bargeld», informiert Markus Flückiger, Verantwortlicher regionale Kommunikation Mitte bei der Schweizerischen Post. Gleichwohl ist das Angebot eingeschränkt: «Ausnahmen sind etwa Bareinzahlungen, Express-Sendungen ins Ausland, Versände von Sperrgut oder Abholung von Betreibungsurkunden.» Vorteilhaft sei die Übernahme durch Coop unter anderem wegen längerer Öffnungszeiten.

Der Grund für die Poststellen-Schliessung ist der gleiche, den man von vielen anderen Orten in der Schweiz ebenso kennt: «Immer seltener erledigen Kundinnen und Kunden ihre Postgeschäfte am Schalter», sagt Flückiger. Eine Entwicklung, die sich in Zukunft vermutlich weiter verschärfen werde: «Die sinkenden Zahlen im Kerngeschäft von PostNetz sprechen eine deutliche Sprache.»

Bezogen auf Schalterdienstleistungen verzeichnete die Post bei den Briefen zwischen der Jahrtausendwende und 2017 einen Rückgang von 68 Prozent, beim Zahlungsverkehr immerhin 44 Prozent. «Wenn immer möglich, wollen wir Entlassungen vermeiden», sagt Flückiger zur personellen Situation in Solothurn. Für die Mitarbeitenden – resp. die 3,2 Vollzeitstellen – habe man einvernehmliche Lösungen finden können.

Alle Filialen werden überprüft

Doch wie ist es um die anderen drei Filialstandorten in Solothurn bestellt? Während die Hauptpost an der Wengistrasse zumindest bis 2020 gesichert ist, befinden sich die beiden Poststellen am Kronenstutz und in der Weststadt im Status «Zu überprüfen». Dabei handelt es sich um eine Übersichtskarte, die letztmalig im Oktober 2018 aktualisiert wurde. Etwas weiter zurück liegt die Einschätzung seitens der Medien- und Kommunikationsgewerkschaft Syndicom. Noch im Juni 2017 sprach man bei den Standorten in der Altstadt und in der Weststadt von Filialen «im Schliessungsprozess».

Dem widerspricht Markus Flückiger: «Die Post ist im Dialog mit den Behörden der Stadt Solothurn betreffend Zukunft der Filialen Solothurn 3 Weststadt und Solothurn 4 Altstadt.» Stadtpräsident Kurt Fluri seinerseits sieht die Sache jedoch noch einmal anders: «Es wäre übertrieben, von einem Dialog zu sprechen. In den vergangenen Monaten betraf der Briefwechsel lediglich die Schliessung der Filiale am Bahnhof, nicht aber die Poststellen in der Altstadt und der Weststadt.» Und so lässt es Fluri gegenwärtig auch offen, allfällig gegen weitere drohende Schliessungen die Rechtsmittel zu ergreifen – konkret mit einer Einsprache an die eidgenössische Postkommission.

Andererseits anerkennt Kurt Fluri auch die unvermeidlichen Konsequenzen des gesellschaftlichen Wandels. «Die Frequenzen gehen nun mal zurück. Und es ist symptomatisch, dass viele bald nicht mehr wissen, wie es in einer Postfiliale aussieht.» Offen bleibe die Frage, ob die Nachfrage mit dem eingeschränkten Angebot zurückgeht – oder ob das Angebot aufgrund der nachlassenden Nachfrage sukzessive eingeschränkt werde. Huhn oder Ei.

Postschwund oder Ausbau?

Die Entwicklung der Poststellen-Situation präsentiert sich aus offizieller Sicht als Ausbau: «Die Schweizerische Post verfügt über das dichteste Postnetz Europas», erläutert Flückiger. So baue man seit 2016 bis 2020 die Anzahl sogenannt physischer Zugangspunkte zu Postdienstleistungen von 3800 auf über 4200 aus. Dies geschehe durch die Umwandlung bestehender in Partner-Filialen, sowie weiterer ergänzender Servicepunkte wie Aufgabe- und Abholstellen, My-Post-24-Automaten oder Geschäftskundenstellen. Das Modell am Hauptbahnhof gilt bereits als übliches Format – und: «Künftig werden Filialen mit Partner am meisten verbreitet sein.»

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