Solothurn
Positiver Grundtenor für Grossprojekt «Weitblick» in der Weststadt

Ist das Projekt «Weitblick» auf dem Win-win-Kurs? Oder handelt es sich letztlich doch «nur» um einen Kompromiss zwischen betroffenen Anwohnern und potenziellen Neuzuzügern?

Andreas Kaufmann
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Im nördlichen Teilgebiet sollen Wohnzone, Allmend und der Park Segetzhain realisiert werden. ak

Im nördlichen Teilgebiet sollen Wohnzone, Allmend und der Park Segetzhain realisiert werden. ak

Solothurner Zeitung

Welche Impulse kann die Bevölkerung, können Interessengruppen beisteuern? Fragen wie diese standen im Zentrum des Mitwirkungsverfahrens, das vergangenen Sommer vom Stadtbauamt lanciert worden war. Ausgangspunkt war eine Infoveranstaltung im Juli. Themen wie Nutzung, Verkehr und Erschliessung sowie zur Rahmengestaltung, sprich Begrünung, wurden diskutiert. Als weiterer Punkt kam auch die Verkaufsstrategie zur Sprache: So sollen die Baufelder nur als Ganzes abgegeben werden. In der Arbeitszone wird zudem auf die Schaffung von Arbeitsplätzen Wert gelegt.

Während der folgenden sieben Wochen kamen 14 Eingaben zustande, die sich zustimmend oder ablehnend, kritisch und konstruktiv mit dem ehrgeizigen Vorhaben im Gebiet Obach, Mutten, Ober- und Unterhof auseinandersetzten. Nebst einigen Privatpersonen steuerten auch die kantonale und die städtische Partei der Grünen sowie die hiesige VCS-Sektion ihre Vorschläge bei.

Unverbindliche Mitsprache

Mit dieser doch bescheidenen Anzahl wurde das Recht auf Mitsprache nicht so rege genutzt, wie man es sich erhofft hatte, gibt auch Daniel Laubscher, Chef der Stadtplanung, zu: «Wir hatten einen höheren Rücklauf erwartet.» In der Regel sei aber die Beteiligung höher, wenn das Projekt dann definitiv aufliege, als bei der Mitwirkung im Vorfeld.

Letztere folge nämlich keiner formalen Vorgabe und sei darüber hinaus auch unverbindlich. Trotzdem betont Laubscher ihre Notwendigkeit: «Es ist wichtig, dass sich die Bevölkerung an der Diskussion um ‹Weitblick› beteiligen kann.» Eine solche Mitwirkung sieht im Übrigen auch das kantonale Planungs- und Baugesetz vor.

Im Dezember lag schliesslich der Mitwirkungsbericht des Stadtbauamtes auf dem Tisch: «Wir werden keinen grundlegend neuen Plan erarbeiten müssen», resümiert Laubscher heute. Im Grundsatz habe das Konzept durch entsprechende Rückmeldungen aus der Bevölkerung seinen Segen erhalten. Auch habe man zwischen Planungswettbewerb und Mitwirkung bereits anderweitig zurückbuchstabiert, führt Laubscher weiter aus.

25,5 Hektaren betrug der Planungsperimeter zu Projektbeginn, mittlerweile wurde er auf 20,5 reduziert: «Wir haben die Bewohner der Weststadt laufend über den Stand der Dinge informiert. An den Ergebniskonferenzen wurden entsprechend auch ihre Ängste angehört.» Ferner wurde das Konzept seit dem Wettbewerb auch punkto Ausnützungsziffer redimensioniert: Gegenüber der ursprünglich geplanten Zahl von 1,0 bis 1,2 figuriert aktuell eine Quote zwischen 0,6 und 0,8.

Planung ist auf gutem Weg

Einhellig gutgeheissen wurde das Struktur-, Freiraum und Grünkonzept, welches Ordnung schafft, aber auch auflockert. Weniger Zustimmung fand die Aufteilung der Zonen. So wurde der Wunsch geäussert, in Wohnzonen Lärm durch öffentlich genutzte Bauten zu vermeiden. Demgegenüber wird seitens Stadtplanung betont, dass gelegentliche Anlässe auf einer Allmend zur Attraktivierung der Weststadt beitragen.

Dem Wunsch einer kleineren Nutzungsziffer und Einfamilienhäusern wurde mit dem Argument entgegengehalten, eine dichtere Nutzung gehe mit höherer Wirtschaftlichkeit einher. Im Grundsatz sei die bisherige Zonenplanung darauf ausgerichtet, einen flexiblen Mix zwischen Wohnen und Arbeiten zu schaffen. Das Verkehrskonzept, das auf öV und Langsamverkehr setzt, sowie die Verkaufsstrategie wurden von den Mitwirkenden mehrheitlich gutgeheissen.

Noch offen ist der definitive Vorprüfungsbericht des Kantons. Sobald dieser vorliegt, gelangt das Grossprojekt weiter an den Gemeinderat.