Public Viewing

Positive Bilanz der Solothurner Betreiber, doch: Mit der «Nati» steht und fällt alles

Die Spiele der Schweizer Nati waren und sind für die Veranstalter das Mass aller Dinge – jeweils gut 4000 Fans besuchten zusammen die Beach-style-Arena auf dem Dornacherplatz (Bild) und «So geht Fussball» in und hinter der Reithalle.

Die Spiele der Schweizer Nati waren und sind für die Veranstalter das Mass aller Dinge – jeweils gut 4000 Fans besuchten zusammen die Beach-style-Arena auf dem Dornacherplatz (Bild) und «So geht Fussball» in und hinter der Reithalle.

Während gut vier Wochen pilgerten rund 40'000 Fussballfans auf den Dornacherplatz und zur Reithalle in die Public-Viewings. Die Organisatoren ziehen eine positive Bilanz.

Für Organisatoren von Public Viewings hätten die WM-Erfolgsfaktoren wirklich besser sein können. Stattdessen aber eine Durststrecke: Start ohne Italien, Deutschland bereits in der Vorrunde weg – und dann waren die verbleibenden Top-Mannschaften je später, je rarer gesät. Wenn da von Erfolg gesprochen wird, gilt das immer «den Umständen entsprechend.» Wobei: Jumbo Monopoli, Co-Organisator vom «Beachstyle»-Public Viewing ist zufrieden.

24'000 Besucher gingen auf dem Fan-Areal am Dornacherplatz ein und aus. «Und an den Schweizer Matchs kamen jeweils über 2000 Leute. Ohne Platzbeschränkung hätten wir 3000 Besucher gehabt», schätzt Monopoli. Am Finalspiel haben immerhin 1300 Kroaten- und Frankreich-Fans mitgejubelt.

Ansonsten haben gerade die (scheinbaren) Aussenseiter wie Belgien viele Sympathiepunkte auf sich vereinigt. Dabei waren die Fangemeinden nicht der alleinige Faktor, um Fussballfieber zu verursachen, so Monopolis Beobachtung. «Vielfach wollten die Leute einfach technisch guten Fussball schauen. Die WM war von sportlich hoher Qualität.» So darf das Beachstyle-Team der Durststrecke zum Trotz nach frühzeitiger Einschätzung mit schwarzen Zahlen rechnen – die unzähligen Fronstunden des Teams nicht mitgerechnet.

EM 2020 schon im Blick

Der Erfolg des Sand- und Stadionflairs lässt sich auch der öffentlichen Wahrnehmung festmachen: «Mehrfach übertrug das Schweizer Fernsehen vom Dornacherplatz – teilweise live.» Und bei den besten Schweizer Public Viewings sei das Solothurner «Beachstyle» in den vorderen Rängen zu finden gewesen.

Ein Zwischenfall während des Matchs Serbien – Schweiz trübt die Bilanz der «Beachstyle»-Macher: So wurde ein Schweizer Fan von Bierdosen am Kopf verwundet. Ein Einzelfall in diesem «Match der drei Länder», wie Monopoli heute sagt. «Seit 2012 verkaufen wir das Dosenbier – und das werden wir weiterhin, da es zuvor noch nie zu einem solchen Zwischenfall gekommen ist.» Derweil laufen bei der Kantonspolizei die Ermittlungen gegen den unbekannten Täter, dessen «Geschosse» laut Opferaussagen aus den serbischen Reihen geflogen kamen. Entsprechende Videoaufnahmen des Veranstalters werden derzeit analysiert.

Darüber hinaus wollen Monopoli und sein Kernteam am «Erfolgskonzept» für die altersmässig und kulturell breit gefächerte Zielgruppe festhalten. Was er heute schon weiss: «Die EM 2020 wird für uns in dieser Form nur dann Thema sein, wenn sich die Schweiz oder Italien qualifizieren. Sonst haben wir einen Plan B mit einem kleineren Set-up.» Doch zunächst wird über ein anderes Projekt gegrübelt: Zur Weihnachtszeit zaubern die «Beachstyler» wieder das «Winterwunderland» auf den Dornacherplatz.

«Hätt chönne gränne!»

Ganz am Schluss, als Kroatien weinte, war er wieder da: der Regen. «Aber sonst profitierten wir von enormem Wetterglück. Vor allem auch bei allen Schweizer Spielen.» Denn das war für Harri Kunz und sein Powerhouse-Team von «So geht Fussball» sehr wichtig: Bei einem proppenvollen Reithalle-Areal mussten oder durften rund 1000 Leute draussen den Match verfolgen, die andern 1000 drinnen. Und das war bei den vier Schweizer Spielen jeweils der Fall. Natürlich hätten die Macher des Public Viewings vor dem Baseltor gerne einen weiteren Auftritt der Petkovic-Truppe gehabt, denn ohne Schweizer Nationalmannschaft wäre das Vorhaben in diesem Ausmass über fünf Wochen gar nicht denkbar gewesen.

«I hätt chönne gränne!», lautet denn auch der lakonische Kommentar von Harri Kunz zum ruhmlosen Zu-Null-Ausscheiden der Nati gegen Schweden. Und für den gewieften Event-Organisator steht ebenfalls fest: «An eine neue Durchführung in zwei Jahren ist nur zu denken, wenn sich die Schweiz für die Europameisterschaften qualifiziert.»

Familiäre Atmosphäre

«Immerhin, zusammen bewegten wir an den Schweizer Spielen jeweils 4000 Fans. Damit war Solothurn eines der grösseren Public-Viewing-Angebote in der Schweiz – wir haben hier halt schon ein Festvolk», meint Harri Kunz angesprochen auf das Verhältnis zur Konkurrenz unten auf dem Dornacherplatz. Nein, ein Thema sei ein Zusammengehen der beiden Organisatoren in anderen Jahren nie gewesen, «ich war gar nie unten bei ihnen.»

Rund 15'000 bis 16'000 Gäste hätten während der Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis zum 15. Juli «So geht Fussball» besucht, wobei das Gefälle zwischen den einzelnen Spielen doch recht gross war. «Das Spiel um den 3. und 4. Platz zwischen Belgien und England wollten vielleicht gerade mal 50 Leute sehen. Wer tut sich so was schon an einem schönen Samstagnachmittag an», sagt Kunz schulterzuckend. Dagegen seien die Halbfinals und vor allem das Finalspiel sehr gut besucht worden, «und mit der erhöhten VIP-Lounge konnten wir unseren Sponsoren etwas zurückgeben.»

«Bei uns herrschte auch eine ausgesprochen familiäre Atmosphäre, man sah sich die Spiele mit Kind und Kegel an», so der Organisator, der zur Beschäftigung der kleinen Fussball-Fans mit einer Hüpfburg und anderen Attraktionen aufwarten konnte. Grössere Hardcore-Fangruppen von anderen Mannschaften waren nicht auszumachen weitgehend, nicht zuletzt, weil Publikumsmagneten wie Italien, Holland oder Deutschland ganz oder bald einmal fehlten. «Doch in unserem Publikum kannte man sich, Fachsimpeln an den Tischen war grossgeschrieben.»

Und vor allem: «Wir hatten überhaupt keine Zwischenfälle oder gar Ausschreitungen und auch keine Diebstähle. Bis auf die Schweizer Matches und den Final konnten wir völlig auf Security-Einsätze verzichten.» Auch habe sich die Nachbarschaft der Stadtpolizei wohl positiv ausgewirkt, so Kunz.

Unglücklich sind Harri Kunz und sein Team aber nicht, hat das WM-Fest ein Ende: «Man kommt in einen Fussballrausch und macht nichts mehr anderes. Dabei warten Anlässe wie die HESO mit dem Nightstyle auf uns.»

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