Logiernächte
Plus vier Prozent: Die Stadtsolothurner Hotellerie überflügelt alle

In den ersten sieben Monaten 2014 stiegen die Übernachtungen in Solothurn gegen den landes- und kantonsweiten Trend an. Alles deutet im Moment auf einen neuen Rekord an Logiernächten hin.

Franz Schaible
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Die Solothurner Altstadt mit dem Prunkstück St.-Ursen-Kathedrale zieht Freizeit- wie Geschäftstouristen gleichermassen an.

Die Solothurner Altstadt mit dem Prunkstück St.-Ursen-Kathedrale zieht Freizeit- wie Geschäftstouristen gleichermassen an.

archiv/Simon Dietiker

2014 wird für die Schweizer Hotellerie kein Rekordjahr. Insbesondere das schlechte Wetter im Juli hat die Bilanz verregnet. Landesweit resultierte für die Monate Januar bis Juli 2014 ein Minus von 0,6 Prozent oder 122 000 Übernachtungen auf 21 Millionen. Im Kanton Solothurn betrug der Rückgang gar 5,5 Prozent und in den Städten der Region weisen alle ein Minus auf – mit Ausnahme von Solothurn. Dort registrierte das Bundesamt für Statistik mit fast 50 000 Logiernächte ein Plus von vier Prozent.

Solothurn mit neuem Rekord

Und die Aussichten sind noch besser, wie Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, auf Anfrage darlegt. Ihm liegen nämlich bereits die Zahlen für den Monat August vor. «Der Trend hat sich bestätigt. Inklusive der Parahotellerie wie Campingplatz und Jugendherberge ist die Zahl im zweiten Hochsommermonat nochmals deutlich gestiegen.» Im Moment deute alles daraufhin, dass die Stadtsolothurner Parahotellerie und auch die Hotels alleine 2014 «einen neuen Rekord an Logiernächten erwirtschaften werden».

«Solothurn ist in der Tourismuswelt zu einem soliden Produkt und zu einer sichtbaren Destination auf der Landschaftskarte gewachsen», sagt Hofer. Auch die Anstrengungen, die Stadt an der Aare als Destination für den Langsamverkehr zu etablieren, habe sich gelohnt. Solothurn habe sich innerhalb der Grossregion Jura und Drei Seen als «Leuchtturm» etabliert. Aber entscheidend sei die Entwicklung des Geschäfts- sowie des Seminar- und Kongresstourismus. Diese Kategorien trügen rund 70 Prozent zu den Gesamtübernachtungen bei. «Dieser Bereich läuft sehr gut und ist weniger volatil als der Freizeittourismus.»

Nach nur anderthalb Jahren etabliert

Die Nachfrage an der Front bestätigt die Zahlen. Zum Beispiel beim Hotel Roter Ochsen mit elf Zimmern, welches im Januar 2013 seine Türen öffnete. «Unsere Zimmerauslastung ist in den ersten sieben Monaten von 76 Prozent im Vorjahr auf
83 Prozent gestiegen», hält Mitinhaber und Mitbetreiber Rolf Trechsel fest. Um die Zimmerauslastung richtig einordnen zu können, ein Vergleich: Schweizweit beträgt diese rund 52 und im Kanton Solothurn 57 Prozent. Bereinigt um den «Eröffnungseffekt» – das Hotel öffnete 2013 erst Ende Januar – sei die Zahl der Logiernächte um 10 Prozent gewachsen. Sein Fazit: «Wir sind mit den ersten anderthalb Jahren seit der Eröffnung mehr als zufrieden. Wir sind viel besser unterwegs als erwartet.» Man habe zu Beginn einiges investiert und riskiert. Heute sagt Trechsel rückblickend: «Das Risiko hat sich gelohnt.» Angesichts der hohen Zimmerauslastung sei eine Steigerung kaum mehr möglich.

«Eine begehrte Destination»

Marketing- und angebotsmässig sei für Solothurn generell gute Arbeit geleistet worden und «die Ambassadorenstadt hat sich als begehrte Destination etabliert», begründet Trechsel den Erfolg für die Solothurner Stadthotellerie insgesamt. Dies zeige sich auch darin, dass die Zimmer im «Roten Ochsen» oft auch an Wochenenden gebucht werden. Aber noch bedeutender sei der Geschäfts- und Kongresstourismus. Die gute Infrastruktur bringe viele Seminare und Kongresse nach Solothurn – und auch viele Gäste in die Hotels.

Olten und Grenchen im Minus

In allen anderen Städten in der Region, auch in Bern, ging die Zahl der Übernachtungen zurück. In Egerkingen am Autobahnkreuz betrug das Minus 14, in Grenchen 5 und in Olten 8 Prozent. Deny Sonderegger, Präsident des Vereins «Region Olten Tourismus», sieht aber keinen Negativ-Trend und begründet den Rückgang mit «Sondereffekten». So habe im Vorjahr ein Anlass im Bereich Geschäftstourismus einmalig sehr viele Logiernächte generiert. Zudem habe sich dieses Jahr ein Hotel wegen Umbauplänen vorübergehend aus dem Reservationssystem ausgeklinkt. «Diese Zimmer waren dann nicht buchbar und Marktkapazität ging verloren.» Ansonsten bewege sich die Entwicklung der Logiernächte auf Vorjahresniveau. Für die Zukunft ist Sonderegger zuversichtlich. «Das erweiterte Angebot im Hotel Amaris und das neu eröffnete Hotel Oltnerhof werden nachhaltig zu einer Steigerung der Übernachtungszahlen führen.»