Sonntagmorgen 8 Uhr in der Badi Solothurn. Die Hochnebelfetzen machen immer mehr dem blauen Himmel Platz. Oberrichter Daniel Kiefer steht auf der Wiese beim Kinderspielplatz - mit Startnummer 1.

Bei bester Laune witzelt er: «Es ist schön, einmal im Leben die Nummer eins zu sein.» Die rund 12 Schwimmerinnen und Schwimmer, die sich hier am frühen Morgen die Badekappen über den Kopf ziehen, sind bereit für das 52. Aareschwimmen, das unter besten Bedingungen durchgeführt werden kann.

Bademeister Roger Schwägli hat soeben die Temperatur der Aare gemessen. «21,3 Grad», sagt er. Und schon verschwinden die Aareschwimmerinnen und Aareschwimmer im angenehmen Nass Richtung Stadt.

Die Badekappe noch nicht gefasst hat der ehemalige Garagist Werner Frei aus Bettlach. Er ist mit 83 Jahren der älteste Teilnehmer. Neben ihm stehen seine Frau und sein Enkel Luca. «Ich habe ihn gebeten, mich zu begleiten», sagt der fitte ältere Herr in Badehose, den man um etliche Jahre jünger einschätzt.

Werner Frei ist an der Aare in Brugg aufgewachsen. Und er ergänzt: «Ich bin gut zwäg, das Schwimmen hat mich das ganze Leben hindurch begleitet.» Nicht minder fit ist Luca Frei: «Gestern war ich auf dem Allalinhorn, im kühlen Wasser kann ich mich nun regenerieren.»

Als wir Werner Frei später zuschauen, wie er seine Medaille entgegennimmt, wirkt er wohl ein bisschen erschöpft, aber er ist in seiner Gruppe längst nicht der Letzte, der das Ziel erreicht.

Viele Spontananmeldungen

Mit jedem Lauf werden die Gruppen grösser, und von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Voranmeldungen ab. Vor allem die Jungen entscheiden sich kurzfristig, ob sie teilnehmen wollen. «Die Gesellschaft ist im Wandel», erklärt Speaker Stefan Blaser das Phänomen, das längst nicht nur mit den Wetterbedingungen zusammenhängt.

So macht man sich beim Schwimmclub Solothurn bereits Gedanken darüber, ob es nicht besser wäre, das Aareschwimmen auf den Samstagnachmittag zu verlegen. Dann sind die meisten ausgeschlafen und die abendlichen Partys finden erst später statt.

Zudem würde wohl auch die Zahl der Zuschauer explosionsartig in die Höhe schnellen. Inzwischen ist auch der 12-jährige Pascal Zollinger im Ziel eingetroffen. Er ist Mitglied des Schwimmclubs Solothurn und der jüngste Teilnehmer.

«Es hat mir gut gefallen, ich werde das nächste Jahr sicher wieder teilnehmen», sagt er ein bisschen scheu und offenbar vom Erfolg ein wenig überrumpelt. Gesprächiger ist dagegen der Mitarbeiter der Kantonsarchäologie Solothurn, Rudolf Murer:

«Das Aareschwimmen ist eine Sensation. Wenn man sich der Strömung hingibt und die Wasserpflanzen am Körper spürt, dann ist man so richtig mit der Natur verbunden.» Zufrieden mit seiner Leistung ist auch der 33-jährige Tagessieger und Masters-Schwimmer Julien Baillod aus Prilly, der auch das letztjährige Aareschwimmen gewonnen hat. Und er beschreibt seine Gefühle so:

«Ich schwimme sonst immer in einem Becken. Ein Fluss ist etwas ganz anderes, man erreicht eine unglaubliche Geschwindigkeit.» Kein Wunder, er schaffte die 1,3 Kilometer lange Strecke in einer Zeit von 10:14,00 Minuten.

Insgesamt nahmen 212 (Vorjahr 204) Schwimmerinnen und Schwimmer teil - davon 118 Spontananmeldungen. 34 Teilnehmende gehörten den drei Plauschgruppen an. Begleitet wurden sie von der SLRG Sektion Solothurn, den Solothurner Kajakfahrern, der EVU Sektion Solothurn und der Stadt- und Kantonspolizei.