Es gibt sie also doch: die Vorbands, die wissen wie man einem Publikum so richtig einheizt. Beweis dafür sind der Rapper Kym und die drei Jungs von City Nord. Nach den beiden Acts muss der Animator der Kofmehl-Raumbar nämlich erst mal 15 Minuten Frischluftpause ausrufen. Anschliessend eröffnen Rapper Dominic Tschanz aka Sorgäching sowie Produzent und Bassist Lukas Steiner aka Loopsided zusammen mit ihrer Live-Band die Setlist mit dem Song «Guetä Abä Soly». Ein Lied vom neuen Mixtape des Solothurner Kollektivs, eine Hymne an die Barockstadt, ein Song für alle. Die Geschwister von Sorgäching – Marco Tschanz (Backup MC) und Anina Tschanz (Gesang) – setzen in den Refrain ein. «Itz chumm mau klar, Mann, chumm mau obeabe.» Hunderte Hände gehen nach oben.

«Ich habe mit 16 mit dem Rappen angefangen. Damals hatten wir unser ‹Rüümli› in Arch, hängten dort einfach so ab. Wir taten so, als könnten wir rappen, konnten es aber nicht wirklich.»

Sorgäching richtet seine ersten Worte an die gut gefüllte Raumbar. Er spricht davon, dass er «huere» nervös sei, es aber geil finde, dass das Publikum so abgehe. Dieses, bestehend aus vielen Freunden und Fans der beiden Künstler, quittiert das Lob mit Applaus. Es folgen mit «Soundflash» und «I erinnerig» zwei Songs vom ersten Album von Sorgäching, bis dann mit «Chopfchino» der nächste vom neuen Mixtape gespielt wird.

«Mit 18 schrieb ich meine ersten Texte – aber das tat ich nur für mich selbst. Hauptsache niemandem zeigen, es war mir dann doch irgendwie peinlich. In der Berufsschule nahm ich mein erstes Mixtape auf. Konzerte waren aber kein Thema, hätte ich mich doch niemals auf eine Bühne getraut.»

«Gefällt mir» ist der fünfte Song des Abends. Sorgäching und seine Geschwister singen: «Merci Facebook, merci Figebuech, jedi huere Info erreicht mi.» Während des Liedes wartet hinter der Bühne bereits Rapper Collie Herb auf seinen Einsatz. Er stürmt auf die Bühne und rappt zusammen mit Sorgäching das Featuring «C’est la Vie». Die zwei Wortakrobaten harmonieren perfekt, das spürt auch das Publikum. Jetzt wird getanzt.

«Im Jahr 2013 kam Loopsided zu mir und meinte, dass wir jetzt was machen müssen. Er bot mir sein Studio für 500 Franken an, und auf diesem Weg entstand ‹Soundflash›, mein erstes Album. Schritt für Schritt kam schliesslich die Live-Band dazu.»

Es folgt der Höhepunkt des Abends: die offizielle Taufe des neuen Mixtapes auf den Namen «Gefällt mir». Dazu gibts Shots für alle, während die neue Platte der beiden Künstler mit Champagner geduscht wird.

«So mänge Muettersohn wott mir a Charre fahre, laht mi lah wähle zwüsche Chrone oder Narrächappä. I setz mi ufe Thron, pack Glägeheit am Schopf, hie regiert dr Chönig mit der Narrächappä ufem Chopf.» Der Refrain vom neuen Song «Narrächappä» packt das Publikum, viele singen mit, die Kofmehl-Raumbar tobt.

«‹Sorgäching› bedeutet das, was es ist. Ich habe in meinem jungen Leben bereits viel erlebt, und dies hört man auch in meinen Texten. Das Wort selber durfte ich schon ganz früh in meinem Leben von einem Familienmitglied hören. Und dabei fand ich, dass es passt. Es ist eine Provokation zurück zu diesem Moment.»

Es folgen weitere zwei Songs vom ersten Album. Auch der Rapper Kym darf nochmals ins Scheinwerferlicht. Und dann betritt Gitarrist Daniel Roth die Bühne und spielt den Refrain des «White-Stripes»-Klassikers «Seven Nation Army». Anina Tschanz singt, während ihr Bruder im Rhythmus rappt. Ein Klangfestival der besonderen Art. Nun gibts definitiv kein Halten mehr.

«Rap ist für mich ein Ventil. Ich bin einer, der sich selber und Sachen, die passieren, hinterfragt. Das kann für den Kopf recht viel werden. Wenn ich aber die Gedanken niedergeschrieben habe, ist mein Kopf frei und meine Gedankenkreise nehmen nicht Überhand.»

Eigentlich wäre die grandiose Darbietung von «Seven Nation Army» das perfekte Schlussbouquet gewesen. Aber Sorgäching und Loopsided hätten wohl kaum so viele Menschen in die Raumbar locken können, wenn sie sich bereits nach dem ersten Höhepunkt verabschieden würden. Darum ertönen die Beats zum Song «Steilgang». Dem Lied, zu dem die Künstler vor kurzem ein Video veröffentlichten. Fans und Freunde kennen den Text. Es wird laut.

«Plattentaufe im Kofmehl, eine spezielle Sache. Hier sind wir zum ersten Mal in den Ausgang, lernten viele Leute kennen. Und die Konzerte, die wir hier gesehen haben. Plötzlich steht man selbst auf der Bühne. Klar, es ist die Raumbar, aber es ist das Kofmehl – ein Heimspiel.»

Die letzten Zeilen von «Individuum» sind gerappt, die Künstler verschwinden hinter der Bühne und erscheinen noch ein letztes Mal für die Zugabe «I jedem Värs». Es folgt das Gruppen-Selfie mit allen Anwesenden. Das Publikum beweist mit tobendem Applaus: «Sorgäching cha au Sorge vertriebe!»