Es hätte ein «Geschenk an die Stadt» werden sollen. Das war die Absicht des Künstlers Adrian Maryniak, der vergangenen Herbst als Gastkünstler im Alten Spital weilte und für den Dornacherplatz die stählerne Grossplastik «Platane» ersann.

Doch: Die Stadt lehnte dankend, aber ebenso stählern ab. Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals, bestätigt auf Anfrage: «Noch bevor wir eine Baubewilligung einreichen konnten, mussten wir die Stadt als Grundbesitzerin anfragen. Und bereits an diesem Punkt scheiterte das Vorhaben.» Dabei war der in Polen geborene und in Deutschland lebende Maryniak als «Artist in Residence» eingeladen worden, um ein Objekt für den öffentlichen Raum zu entwerfen.

Dass es nun beim Entwurf bleibt, liest man aus der Antwort des Stadtpräsidiums an die Adresse der Initianten: Die grosse Skulptur würde andere Nutzungsarten auf dem Platz stark einschränken, so Stadtpräsident Kurt Fluri in der Beantwortung des Gesuchs. Dagegen lasse die offene Gestaltung des Dornacherplatzes ohne feste Möblierung eine vielfältige, individuelle Nutzung zu, aber halt eben bloss temporär.

Darunter fallen das geplante «Beachstyle»-Public-Viewing zur WM oder aber die künftige Bespielung durch Zirkusse. Ende April wird dort mit dem «Royal» wieder ein Zirkus seine Zelte aufschlagen. Dass die Stadt ein ausgeprägtes Interesse an der Bespielung des Platzes hat, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Stadt das Areal vor zwei Jahren von sich aus für eine allfällige Wiederholung eines «Beachstyle»-Anlasses vorreserviert hat.

450 Stunden Arbeit für die Katz?

«Schade», fand der Künstler selbst, als er aus der Ferne vom abschlägigen Entscheid der Stadt Kenntnis nahm. Immerhin 450 Stunden hatte Adrian Maryniak in die Konzipierung der Skulptur gesteckt, aber auch in Überlegungen, wie andere Nutzungsarten an der «Platane» störungsfrei vorbeikommen. «Die Skulptur wäre optisch und physisch durchlässig und hätte grössere Anlässe nicht eingeschränkt», betont Maryniak.

Die Stadt habe in ihrer Absagebegründung jene Punkte bemängelt, die man in der ursprünglichen Konzeption bereits plausibel habe rechtfertigen können. «Ausserdem erhöht ein Kunstwerk auch die Wertigkeit und Attraktivität eines Platzes», wirft er ein. Und: Auch eine zeitlich beschränkte Nutzung zwischen fünf und acht Jahren wäre aus seiner Sicht passabel gewesen.

Schade findet es auch Eva Gauch, denn die Skulptur hatte schon in der Planungszeit Reaktionen ausgelöst. «Viele davon waren positiv, weil man sich eine Belebung des Platzes erhoffte.» Andere Leute wiederum seien zu Beginn skeptisch gewesen, hätten aber nach Erläuterungen des Künstlers durchaus Gefallen am Projekt gefunden.

Wenn, dann via Wettbewerb

Auf Anfrage erläutert Gaston Barth, Leiter des Rechts- und Personaldiensts, ein weiteres Argument für die Absage: Man wolle kein Präjudiz gegenüber anderen Künstlern schaffen. Wenn, dann müsste Kunst im öffentlichen Raum über einen Wettbewerb realisiert werden.

«Wir lassen die Sache jetzt mal ruhen», meint derweilen Eva Gauch. Aber weder für sie noch für Maryniak ist die Idee der «Platane» gestorben. Allenfalls könnte man die Bevölkerung auch über die Neuen Medien für die Edelstahl-Platane auf dem Dornacherplatz mobilisieren. Dazu geben sie sich jetzt aber Zeit, bestätigt Gauch und nennt ein Beispiel: In Leuk VS vergingen nach einer ersten Idee rund sechs Jahre, bis Maryniak dort seine 40-tönnige Bahnhof-Skulptur realisieren konnte ...