Solothurn
Plan der Schuldirektorin geht nicht auf - Eltern übernehmen Begleitung nicht

Die Kindergärtler aus der Solothurner Vorstadt müssen vorläufig mit dem BSU-Linienbus und einer Begleitung ins Hermesbühl-Schulhaus fahren. Schuldirektorin Irène Schori hätte sich gewünscht, dass die Eltern die Begleitung übernehmen.

Wolfgang Wagmann
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Einsteigen in der Vorstadt kurz vor acht Uhr
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Mami winkt zum Abschied
Hier im Hermesbühl müssen die Vorstadtkinder den Chindsgi besuchen
Schulweg für die Vorstadtkinder

Einsteigen in der Vorstadt kurz vor acht Uhr

Wolfgang Wagmann

Die Kinder haben kein Problem. Sie scheinen sich aufs Busfahren zu freuen. Viertel vor acht, die milchige Sonne scheint gegenüber auf den Dornacherplatz. Die Fahrt wird kurz sein, ein paar Minuten über die Wengibrücke, Amthausplatz, Zentralbibliothek. Fünf Kinder sollten es sein, die ab sofort auf diesem Weg in den Hermesbühl-Kindergarten gelangen sollen. Eines fehlt. «Wir hatten die Wahl zwischen Pedibus und Bus. Wir haben uns für den Bus entschieden», meint eine Mutter knapp zum Gespräch, das die betroffenen Eltern mit Schuldirektorin Irène Schori am Montag zum Schul- und Kindergartenbeginn geführt hatten. «Pedibus» wäre eine Begleitung zu Fuss für die vierjährigen Kinder gewesen, nun ist es halt der Bus.

Eine Begleitung ist dennoch aufgeboten worden. «Für die ersten 14 Tage wurde ich dafür von Irène Schori angefragt», bestätigt Beatrice Schneider in ihrer gelben Warnweste mit der Aufschrift «Stadt Solothurn». Natürlich kenne sie schon alle Namen der Kinder, betont Schneider. Und bis sie kurz vor zwölf Uhr bei der «Zenti» wieder einsteigen, weiss sie auch, wo das fünfte Kind geblieben ist: «Es ist krank.» Beatrice Schneider kennt als pensionierte Leiterin der städtischen Musikschule die Tücken der Schulplanung und hat Verständnis für die Probleme, die sich bei der Kindergarten-Zuteilung ergeben: «Die Kinderzahlen wechseln oft von Jahr zu Jahr massiv.»

Eltern fahren nicht ständig mit

Die Zuteilung der Vorstadt-Kinder in den fernen Hermesbühl-Chindsgi hatte viel Staub aufgewirbelt, neben der Schuldirektorin auch die Stadtpolizei und Beschwerdekommission beschäftigt. Beide Instanzen befanden auf Intervention der Eltern den Kindergartenweg für die erst vierjährigen Knirpse als zu lang und zu gefährlich ohne Begleitung.

Dass Irène Schori erst nach den Ferien Zeit fand, die Lösung für das Problem zu diskutieren, trug nicht zur Entspannung der Situation bei. «Beim Gespräch legte sie uns einen Zettel vor, der wohl abwechslungsweise uns als Begleitung vorschlug», bilanziert eine Mutter. Doch das komme für sie nicht infrage. «Ich würde ja gerne mitgehen, aber ich muss arbeiten», ergänzt eine andere, die am Dienstag schon gar nicht im Bus mitfuhr.

Nein, zwingen könne man dazu die Eltern nicht, räumt auch Irène Schori ein und muss zugeben: «Ehrlicherweise hatte ich gehofft, dass die Eltern kooperieren. Aber das tun sie nicht.» Deshalb habe sie die provisorische 14-Tage-Lösung mit Beatrice Schneider gewählt. «Das gibt uns Zeit, eine gute Lösung zu finden», hofft die Schuldirektorin. Auf allfällige Kosten angesprochen, können weder sie noch die Eltern dazu etwas sagen. Über eine Entschädigung habe sie mit Beatrice Schneider noch nicht gesprochen, so Schori. Und eine Mutter: «Kinder unter sechs Jahren können ja gratis den Bus benützen.» Ob es im Fall einer Begleitung durch die Eltern eine Kostengutsprache gebe, wisse sie aber nicht. Immerhin geht es um vier Hin- und Rückfahrten am Montag-, Dienstag-, Donnerstag- und Freitag-Vormittag sowie am Montag- und Dienstagnachmittag um den Transfer zweier sogenannter Halbgruppen von zuerst zwei, dann drei Kindern.

Übrigens: Ein Problemchen gabs am Dienstagmorgen dann doch noch. «Nei Mami, du chunnsch nid mit!», trötzelt einer der Kleinen, der partout ohne mütterliche Begleitung Busfahren will. Erst als Mami verspricht, nicht hinten bei den Kindern, sondern ganz vorne beim Chauffeur zu sitzen, beruhigt sich der junge Fahrgast sichtlich.

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