Die Fasnachtsplakette ist nicht nur Eintrittsbillett zu den Umzügen, sondern künstlerisches Zeugnis dieses Brauchtums. Die heutige Plakettentradition, hochgehalten von der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft UNO, begann 1928 mit bedrucktem Karton.

1937 wurde rundes Blech bedruckt. Ebenso 1938 Blech grün und blau und erstmals edleres Metall eingesetzt für die erste Silberne. Ab 1947 wurden die Plaketten nur noch mit dauerhaftem Material produziert. 1987 wurde Alu von einer Kupferlegierung abgelöst.

Einige Tausend Stoffknöpfe

In den 50er-Jahren gab es drei spezielle Jahre: 1951 einen Stoffknopf, 1954 die rot eingefärbte 1953er und 1957 wegen des Ungarn-Aufstandes gar keinen Umzug. Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem Stoffknopf. Franz Sperisen, Sohn des damaligen UNO-Narrenschrybers und Hauptgassleist-Comité-Mitgliedes Ernst Sperisen, erinnert sich: «Die UNO war knapp bei Kasse, die Herstellung einer Plakette lag nicht drin. Jemand kam auf die Idee, man könne Stoffknöpfe herstellen.»

Sperisen betrieb am Märetplatz nicht nur einen Stoffladen, sondern machte auch Knöpfe. Er hatte die Maschine dazu. Stoffresten waren genügend da. «Der Stoff wurde auf ein sogenanntes ‹Butzli›, ein Aluminium-Rondell, gepresst und unten mit einem Fadenzwirn vernäht», erklärt Sperisen das Vorgehen. «Als damals zehnjähriger Bub durfte ich helfen, die runden Plätzli zuzuschneiden, sie abzuzählen und zu verpacken; es waren einige tausend, die wir herstellten», erzählt Sperisen. Dass das Geschäft seines Vaters im Volksmund später «Chnöpfli-Sperisen» hiess, hängt wohl damit zusammen.

Blick ins Archiv: Der Solothurner Fasnachtsumzug im Jahr 1938

Der «Spezialfall» Schang Hutter

Künstlerische Highlights sind treue Begleiter. Wechselten sich bis 1969 die Grafiker August Oetterli und Pole Peter ab, schrieb die UNO 1970 erstmals einen Wettbewerb aus. Diesen gewann zum Sujet «me grüblet» Zeichnungslehrer und Illustrator Jürg Parli. Dem Ober-Ober von 1994 bis 1996, Alois Studer, war es ein Anliegen, bekannte regionale Künstler einzubeziehen, ohne dass sich diese einer Ausmarchung stellen müssen. Seine Überzeugungsarbeit zeigte Früchte. Der UNO-Vorstand beschloss für 1996 eine Ausnahme. «Schang Hutter ist einer unserer berühmtesten Künstler, und deshalb wollte ich ihn anfragen», blickt Studer zurück.

Der Eisenplastiker sagte zu und kreierte seinen berühmten Harlekin auf dem Rollbrett, halbiert auf der einen Seite positiv, auf der anderen negativ zum Sujet «Sowieso». Von dieser Kreation gibts eine Sonderedition, 111 nummerierte Exemplare mit einer roten linken Hälfte. «Et voilà» – auch 1992 prägte mit dem in Büren ansässigen Grenchner Peter Travaglini ein Künstler mit seinem Krokodil Plakette und Plakat. Von seinem Werk wurden 111 nummerierte Plakat-Sonderdrucke hergestellt.

Die finanzielle Notlage wirkte sich immer wieder aus. 2004 wurde erstmals eine Gönnerplakette für den Voreinzug der Stammzünfte geschaffen. Durch Hinweise eines Kiwanis-Mitglieds auf das Basler ‹Bijou› und der UNO-Säckelmeisterin Corinne Guldimann auf das Oltner ‹Vreneli› als Pin, und weil die Finanzen nicht rosig waren, schlug der damalige Ober Ober Markus Wälti für 2016 die Einführung des «Öuferlis» vor.

Natürlich 111 Stück, nummeriert, zu 111 Franken. Die Nummern 1, 11 und 111 sind unverkäuflich. Nach anfänglicher Skepsis besteht heute eine Warteliste. Eine technische Raffinesse weisen die Gönner-, Gold- und Silberplaketten von 2015 auf. «Erstmals war etwas drehbar», weist Plakettenkreateur und UNO-Plakettennarr Toni Armbrust auf das Mittelteil hin.

Rar sind die Plaketten der frühen 50er-Jahre. Den Grund dafür erklären Walter Bohnenblust, Plakettenspezialist und Ober Ober 1973–1975, sowie Toni Armbrust unisono: «Die Gold- und Silber-Plaketten wurden damals wieder eingezogen, eingeschmolzen, und zu Geld gemacht, weil die Rohstoffe nach den Kriegsjahren rar und teuer waren.»