Jubiläum

Pipo Kofmehl: «Wir wussten damals nicht, worauf wir uns einliessen»

Die Kulturfabrik Kofmehl ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte, die seit der Neubau-Eröffnung 2005 andauert. Ihre Macher erklären, was es braucht, damit die Solothurner Institution auf Kurs bleibt.

Da sitzen sie nach zehn Jahren immer noch im Backstage-Raum der Kulturfabrik Kofmehl zusammen. Dort wo im gleichen Zeitraum schon 12000 Künstlerinnen und Künstler auf ihre Auftritte gewartet – oder diese verdaut haben. Etwas grauer sind sie geworden, Pipo Kofmehl, Betriebsleiter der gleichnamigen Kulturfabrik, und Rolf Studer, damaliger Initiant und Anstossfinanzierer des Kofmehl-Neubaus mit seiner Stiftung zur Förderung der Jugendkultur im Kanton Solothurn.

Als hätte sich nichts geändert, in diesen zehn, für die Kulturfabrik oft turbulenten Jahren. Irgendeinmal wird Pipo Kofmehl sagen: «Wir wussten damals nicht, worauf wir uns einliessen. Hätten wir es gewusst ...» Er hätte es wohl trotzdem gemacht.

«Anfänglich herrschte Skepsis, es gab viele Fragezeichen», erinnert sich auch Rolf Studer an die hektische Zeit, als zwischen November 2003 und April 2005 das zustande kam, was er damals als «Wunder von Solothurn» bezeichnet hatte. Dann sei die Akzeptanz immer mehr gewachsen, «alles ist ins Positive geschwappt, das Kofmehl ist fast nicht mehr wegzudenken, so wie es jetzt dasteht», ist der damalige Initiant überzeugt.

Und Pipo Kofmehl legt nach: «Der Neubau hat eine Dynamik ausgelöst, die bis heute andauert. Wir sind im linearen Prozess einer ungebrochenen Vorwärtsstrategie – alles wird ständig professioneller.»

Andere Zeiten, andere Sitten

«Der Kopf von damals ist noch immer der Kopf von heute», spricht Rolf Studer die Kontinuität in der Kofmehl-Führung an. Schon damals seien die Informationen zwischen ihm und Pipo Kofmehl immer direkt geflossen, und das sei bis heute so geblieben. «Das ist wichtig.» Denn in der Kulturfabrik gab es stets Reaktionsbedarf.

Auf Anwohnerklagen wegen Nachtlärm, auf das 2008 verhängte Rauchverbot oder auf die verfügte und inzwischen wieder aufgehobene 2-Uhr-Schliessung. «In anderen Städten wäre deswegen ein Aufstand ausgebrochen.» Pipo Kofmehl, der Unaufgeregte. «Es gibt andere Veranstalter, die ständig polarisieren.» Doch das ist nicht sein Ding. Denn: «Wir werden in zwei Jahren wieder andere Rahmenbedingungen haben.» Man müsse halt «immer in Bewegung» bleiben; «auf Bewährtem verharren ist nicht unser Naturell».

Vieles habe sich positiv verändert: Damals hätten einige Leute wegen gewisser Musikrichtungen nie das Kofmehl besucht, «heute kommen sie alle», sind sich Kofmehl und Studer einig. Zudem hätten sich die Grenzen zwischen Jung und Alt aufgeweicht. «Inzwischen haben wir schon Situationen, wo die Jungen hier ihre Eltern abgeben»; lacht Pipo Kofmehl. Und beide verweisen auf das veränderte Image der Kulturfabrik: «Man geht ins Kofmehl und hat nicht das Gefühl, man begibt sich in eine Räuberhöhle.»

Geld und Geist

Pipo Kofmehl macht eine andere spannende Rechnung auf: Seit 1999 betrage die Aufwandsteigerung für das Kofmehl und den Betreiberverein Creep 1888 Prozent. «Aber wir machen es immer noch gleich. Gewinnbringend kann man den Betrieb nicht führen. Doch dank dem ehrenamtlichen Engagement und viel Eigeninitiative brauchen wir nur 4 bis 8 Prozent von aussen.»

Sprich: Die Kulturfabrik erwirtschaftet wie schon mit dem «alten Betrieb» an der Gibelin-strasse noch immer über 90 Prozent des auf rund 2,5 Mio. Franken gestiegenen Jahresaufwands. Die «Deckungslücke» wird mit je 100000 Franken aus dem kantonalen Lotteriefonds und der Regionalplanungsgruppe Solothurn gestopft.

«Rund eine Million Franken fliesst zudem als Output von uns wieder in die Region zurück», verweist Kofmehl auf Aufträge der Kulturfabrik oder andere Wertschöpfungen wie Übernachtungen von Auftretenden oder Besuchern.

Haushalten ist wichtig

Trotz der zentralen Lage Solothurns – «sie wird immer wieder unterschätzt» – und der damit verbundenen Standort-Attraktivität für Besucher auch ausserhalb der Region warnt Pipo Kofmehl: «Wir sind in einem superschnellen Business. Und der Schweizer Markt ist hart umkämpft.» Manchmal gehe etwas, das kurz zuvor noch gelaufen sei, plötzlich nicht mehr, zeigt er die Schnelllebigkeit seines Geschäfts auf.

Umso wichtiger sei striktes Kostenbewusstsein in einer Institution, die nicht primär von öffentlichen Geldern alimentiert wird. Mit Blick auf die konstant rund 200-köpfige, jugendliche Crew, die weitgehend ehrenamtlich in der Kulturfabrik agiert, heisst das für Pipo Kofmehl: «Bei uns lernen 20-Jährige mit Geld umzugehen.»

Übrigens: Vom Kofmehl erhält Studers Stiftung als Gebäudeeigentümerin einen «moderaten Mietzins», der sich danach richtet, «wie gut es läuft». Und sich deshalb seit 2005 vervierfacht hat.

Meistgesehen

Artboard 1