Solothurn
Pettycoats, Grease und Robert Gordon – eine Stadt taucht in die Welt der 50er-Jahre ein

Was ist Rockabilly? Was ist ein Petticoat? Was gefällt den vielen Leuten an einer Epoche, die 60 Jahre zurückliegt und die sie selber gar nicht miterlebt haben? Solothurn tauchte für zwei Tage in die Welt der fünfziger Jahre und ihren damaligen Lifestyle ein.

Hanspeter Schläfli
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Rock this Town Rockabilly, Nostalgie und Oldtimer in der Rythalle Solothurn.
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 Hibiscus im Haar
 Und dann war da auch noch Ace Ventura.
Rock this town
 Viel Grease in den Haaren und amerkianisches Essen gehörten dazu.
 Chrom und Blech soweit das Auge reicht.
 Sänger Robert Gordon begeisterte die Rockabilly-Fans in der Rythalle.
Rock this Town Tattoos und aufwändige Frisuren waren zu sehen. Rockabilly, Nostalgie und Oldtimer in der Rythalle Solothurn.
 Ein Silberdollar um den Hals und viel Grease im Haar.
 Auch ein Käfer Bajahr 1959 kann entzücken.
 Wenn Elwood von den Blues Brothers Solothurn besucht.

Rock this Town Rockabilly, Nostalgie und Oldtimer in der Rythalle Solothurn.

Hans Peter Schläfli

Das erste «Rock this Town» in Solothurn lockte mit diversen nostalgischen Konzerten und einer Oldtimerausstellung viele Rockabilly-Fans von weit her an. Da spaziert ein Solothurner am Samstagabend an der Chantierwiese vorbei Richtung Baseltor und seltsame Klänge dringen in sein Ohr: Walliser, Zürcher, Innerschweizer, Franzosen, Deutsche und Amerikaner – alle möglichen «Exoten» parlieren in ihren angestammten Dialekten. Da packt den von Natur aus neugierigen Einheimischen der Gwunder.

Dort begutachten zwei herausgeputzte Frauen in Petticoats einen schwarzen Dodge mit viel Chrom und da unterhalten sich Männer mit zu viel Grease in den Haaren über die Vorzüge des Big Blocks, dieses legendären Motors mit acht Zylindern und über fünf Litern Hubraum, der rund 20 Liter Benzin auf 100 Kilometer «verdunstet».

Kein einziges bekanntes Gesicht hier, wundert sich der Solothurner, während er in einen riesigen Hamburger alter Schule beisst. Als dann auf der Bühne auch noch die Band zu spielen beginnt, ertappt er sich dabei, wie er beginnt, nach Marty McFly und Doc Brown Ausschau zu halten – bis sein verdutztes Auge auf Elwood trifft. Back to the Future meets Blues Brothers?

So blitzen dem Solothurner fundamentale Fragen durch den Kopf, die er sich vorher noch nie gestellt und ohne deren Antworten er bis zu diesem Frühsommerabend bestens gelebt hatte. Warum trägt Elwood eine Uniform und fährt ein Polizeiauto? Wer ist dieser Robert Gordon? Was ist Rockabilly? Was ist ein Petticoat? Was gefällt den vielen Leuten hier an einer Epoche, die 60 Jahre zurückliegt und die sie selber gar nicht miterlebt haben?

Bad Cop mit Sheriff-Stern

«Mein Blues Brother Jake konnte leider nicht kommen, deshalb bin ich heute als Bad Cop hier», erklärt Elwood den Sheriff-Stern an seiner Brust. «Rockabilly ist eine der ältesten Spielarten des Rock’n’Roll. Sie entstand 1955, als weisse Musiker in den amerikanischen Südstaaten den schwarzen Rhythm & Blues auf ihre Art und mit den ihnen vertrauten Instrumenten neu interpretierten. Ein Petticoat kommt vom französischen petit und vom englischen coat und ist ein bauschiger Unterrock, den die Frauen damals trugen.»

Elwood scheint ja wirklich alle Antworten zu haben. Wohl weil Rockabilly so ähnlich wie Hillbilly klingt, was in den USA Landei oder Hinterwäldler bedeutet, habe sich der Musikstil damals nicht weiter ausgebreitet, meint Elwood. Einem breiten Publikum sei
Rockabilly erst im Zuge des Revivals Anfang der 1980er Jahre bekannt geworden.
Und hier kommt Robert Gordon ins Spiel: Der war damals gerade aus der New Yorker Punkband Tuff Darts ausgestiegen und mit dem Aufleben des Rockabillys feierte auch er einen gewissen Erfolg. Und so gilt Gordon, der Südstaatler aus Maryland in der Schweizer Szene als Rockabilly-Legende.

Elwood, alias Patrick Helfenberger, gefällt die Show jedenfalls gewaltig. «Ich war lange in Amerika und diese Szene hat es mir angetan. Es ist die Nostalgie und die Frauen sehen in den Petticoats so hübsch aus. Vor allem aber die Autos sind einfach toll. Ein super Event, dafür fahre ich gerne mit dem Streifenwagen von Zürich nach Solothurn. This Town rocks.»

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