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Peter Wanner sieht die Medienwelt als eine buntscheckige Landkarte

Peter Wanner zeigt auf, wie die Medienwelt heute tickt.

Peter Wanner zeigt auf, wie die Medienwelt heute tickt.

Die Medien stehen vor grossen Herausforderungen – wie sie diese meistern wollen oder können, skizzierte Peter Wanner, Verleger der AZ Medien Gruppe, in der Akademie der Generationen.

«Wichtig ist, dass wir breit aufgestellt sind», verwies Peter Wanner auf seine breit gefächerte Präsenz in der Medienlandschaft. Der Zeitungsverbund «Nordwestschweiz», unter anderem mit der «Schweiz am Sonntag» und der «Solothurner Zeitung», Zeitschriften, Anzeiger und Druckereien gehören zum klassischen Mediengeschäft.

Dazu kommen Radio- und TV-Stationen, zuletzt abgerundet mit der Gründung des schweizerischen Branchenleaders TV 24. Stark engagiert hat sich der 70-jährige Medienmacher mit seinem Familienunternehmen in vierter Generation aber im Online-Geschäft.

«Wir werden dieses Angebot stark ausbauen», versicherte Wanner. Denn künftig rechne er damit, dass junge Mediennutzer auf dem I-Phone ihr «individuelles Menü» in Sachen Medienkonsum zusammenstellen könnten.

«Noch ist das Zukunftsmusik», stellte Wanner klar, und verwies auf seine letzte grosse Investition in diesem Bereich: in die Online-Plattform Watson, die von der Zusammenarbeit mit «Spiegel Online» profitiere. Und nach 100 Tagen bereits erfreuliche 600 000 Unique Clients zähle.

Wo der Schuh drückt

Die AZ Medien als Nummer vier der Schweizerischischen Medienhäuser plagen dieselben Sorgen wie die Konkurrenz: Die Abwanderung der Rubrikenanzeigen in den Online-Bereich hat die Inserate-Einnahmen arg geschmälert, auch die «Gratiskultur» bei Printmedien trägt dazu bei, und die Suche nach dem optimalen Online-Geschäft beherrscht die Agenda.

«Die Paywall könnte Ende Jahr oder nächstes Jahr kommen», blieb Wanner eher vage, was ein kostenpflichtiges Online-Angebot der AZ Medien anbelangt. Gute Perspektiven sieht der Verleger im TV-Geschäft: «Mit unseren vier Sendern erreichen wir eine halbe Million Zuschauer.»

Neue Produktionen sollen diese Zahl steigern, denn Wanner ist überzeugt: «Fernsehen muss gar nicht mit so grosser Kelle angerichtet werden.» Spannend seine Ausführungen zum Radio-Business, hatte er doch im Aargau einen langen, harten Kampf mit Roger Schawinski durchgestanden, ehe die Senderechte für Radio Argovia definitiv bei Peter Wanner blieben.

Auch Sparideen liess er im Sommerhaus Vigier herumgeistern: Könnte sein, dass «wir einmal auf die Montagsausgabe der Zeitungen mit den klar wenigsten Inseraten verzichten.» Um später zu ergänzen: «Aber das dauert hoffentlich noch sehr lange.» Und zur längerfristigen Zukunft der gedruckten Zeitung: «In 20, 30 Jahren gibt es sie wahrscheinlich noch am Sonntag und in speziellen Grossauflagen.»

Die Macht der Medien

Die Macht sei bei der Politik, und nicht primär bei den Medien, lotete Peter Wanner auch eine Kernfrage aus. Und bekannte sich klar zur Forumszeitung, verbunden mit einer Absage an den überspitzten Journalismus. «Warum auch? Die Realität ist schon verrückt genug», zeigte er sich skeptisch gegenüber der Schlagzeile um jeden Preis.

Ein Thema, das jedoch prompt in der Fragerunde wieder aufflackerte, als eine mitunter reisserische und damit verbunden auch falsche Online-Berichterstattung aus dem Publikum angeprangert wurde. «Online ist das schnellste Medium, es muss alles sehr rasch gehen», so der Verleger, «aber dennoch sollte die Qualität gewährleistet bleiben.»

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