Solothurn
Peter Rubitschon gibt seinen Blumenladen nach 44 Jahren auf

Nach 44 Jahren hört ein weiteres Urgestein des Solothurner Gewerbes auf: Der 72-jährige Peter Rubitschon verkauft in der Vorstadt keine Blumen mehr. Der Laden wird aber weitergeführt.

Wolfgang Wagmann
Merken
Drucken
Teilen
Peter Rubitschon im langjährigen Geschäft am Rossmarktplatz.

Peter Rubitschon im langjährigen Geschäft am Rossmarktplatz.

Wolfgang Wagmann

Lange hat ers ausgehalten in der Vorstadt, der inzwischen 72-jährige Peter Rubitschon. «1969 unterzeichnete ich mit Mino Conti einen Mietvertrag für 50 Jahre, denn er wollte mir das Geschäft nicht im Stockwerkeigentum verkaufen.»

Der gelernte Florist mit Handels- und Kunstgewerbeschule im Rucksack hatte Zürich vier Jahre zuvor verlassen und im Blumenhaus Wyss neben dem Bieltor angeheuert. «Nebenbei dekorierte ich damals auch die Schaufenster von Stadtgeschäften. Das musste ich jeweils zwischen acht Uhr abends und vier Uhr morgens erledigt haben. Denn wenn Kundschaft im Laden war, wurde nicht dekoriert.»

Märet-Fescht: Mann der ersten Stunde

Er bezeichnet sich auch als «Erfinder des Märet-Feschts» – jedenfalls erinnert sich Peter Rubitschon noch genau, wo die Idee entstanden war: «Wir sassen nach dem Fest zur Eröffnung des Parkhauses Bieltor 1977 noch zusammen und meinten, eigentlich müsste es doch jedes Jahr ein Stadtfest geben.» Damit begann für Rubitschon eine siebenjährige OK-Karriere, die vor allem darin bestand, die Stände einzuteilen. «Ich bestand darauf, dass sich das Märet-Fest bis in die Vorstadt erstreckte und kein Geschäft seinen Stand vor dem eigenen Ladenlokal hatte.» Getragen sei das Fest damals von den bis zu 80 Brocante-Marktfahrern worden, «den kleinen Überschuss haben wir jeweils dann in Gossliwil bei Bratwurst mit Rösti und einem guten Glas Wein verprasst».

Diese Vielseitigkeit kam Peter Rubitschon zu gute, als er dann am Rossmarktplatz eröffnete. «Zuerst wollte ich gar kein Logo oder meinen Namen am Geschäft. Denn ich verkaufte nicht nur Blumen, sondern handelte auch mit Antiquitäten.»

Edel musste es sein

Mit billigen Gartenblumen wollte Rubitschon nichts zu tun haben, «ich konzentrierte mich von Anfang an auf edle, teure Sorten wie Orchideen, Strelitzien und andere.» In der Vorstadt wurden Gebrauchsgüter selber getöpfert, und stolz ist Rubitschon, der zuletzt auch von seiner Freundin Helene Allemann unterstützt wurde, dass er insgesamt 30 Lehrtöchter ausgebildet hat.

Denn noch 1973 hatte er auch die Floristen-Meisterprüfung abgelegt. «Nur drei bis vier Prozent in unserem Beruf sind Männer - doch sie führen die grossen Geschäfte.» Für ihn wichtig sei eben auch das Kaufmännische gewesen. «Man muss wissen, wie eine Marge zustande kommt.»

Ein teurer Sarg voller Blumen

Viele gute, und vor allem betuchte Kunden seien ihm weggestorben. Wurden doch früher in reichen Haushalten ebenso Floristen wie Köche von renommierten Hotels geordert, um zum Beispiel ein Bankett auszurichten. «Ich habe Häuser von innen gesehen, bei denen viele nicht bis zur Treppe gekommen sind», verweist Rubitschon auf damalige Kunden wie Bill de Vigier. «Aber nie habe ich diese Leute um ihren Reichtum beneidet.»

Sein bizarrster Auftrag? Peter Rubitschon überlegt nur kurz: Die Sargdekoration eines befreundeten Lehrers. Dessen Bruder hatte das Orchideen- und Rosenmeer bestellt und ihn an der Beerdigung plötzlich zum Mitessen in die «Krone» aufgeboten. «Die Blumen für 3000 Franken wurden nie bezahlt, weil nichts zum Erben da war. Das war der teuerste Hors-d'œuvre-Teller meines Lebens.»

Die Vorstadt hat Zukunft

Schöne Erinnerungen hat Peter Rubitschon an Dekors für TV-Sendungen mit Mäni Weber während der Siebzigerjahre im Rathaus und Landhaus. Weniger schöne an die letzten Jahre. «Besonders schlimm war die Bauzeit fürs neue Parkhaus. Da habe ich drei Jahre lang nichts mehr verdient.» Auch die Fernwärme-Locherei sei dem Geschäft abträglich gewesen. Nicht aber die Schliessung der Wengibrücke, «da fuhren vorher 20 000 durch und verpesteten nur die Luft.»

Rubitschon glaubt aber an die Zukunft der Vorstadt, wenn die beabsichtigte Umgestaltung des Strassenraums erfolgt sei. Gerne hätte er auch den Lebensabend in der Vorstadt verbracht, wenn sich was Passendes gefunden hätte. «Hier ist alles auf engstem Raum beisammen.

Geschäfte, Restaurants, Ärzte und Apotheken.» Und ein Blumenladen. Denn der Nachmieter wird das Geschäft im August unter dem Namen Scheidegger/Rubitschon wieder eröffnen. «Er kann meinen Namen vorderhand noch führen.»