Man konnte im Vorfeld gespannt darauf sein, wie die beiden sehr unterschiedlichen Künstler «unter einen Hut» zu bringen sind.

48 Jahre Altersunterschied, völlig andere Temperamente, Redemodi und Lebensweisen, aber Dani Fohrler gelingt es souverän und charmant, immer wieder Bezüge herzustellen. Auch das Gesprächsduo selber geht achtungsvoll aufeinander ein, ja liebevoll gar. Für alle drei ist es ein Heimspiel, was zwar zu «mehr Ansporn» führe, aber, so Burki, «man wird auch mehr geprüft».

Modejournalist Bichsel

Eliana Burki und Dani Fohrler sind die Emotionen deutlich anzusehen. Etwas aufgeregt sind wohl alle drei. Das fast ausschliesslich ältere Publikum erfährt nebst Bekanntem allerlei Neues und viel Vergnügliches. Etwa, dass Bichsel auch 9 Jahre lang «eine Geige gequält» habe.

Weiter, dass er sich sein Markenzeichen, sein schwarzes Gilet, nur wegen des Zukaufs einer Taschenuhr mit 50 Jahren quasi unfreiwillig zulegte. Oder dass er entweder Modejournalist werden wollte oder Missionar. Beim Modejournalisten habe er sehr viel später entdeckt, worum es dabei eigentlich ging, nämlich «um den Inhalt der Mode, denn in der Mode haben Frauen drin gesteckt».

Die Themen kreisen um Arbeitsweise, um den beruflichen Werdegang, um die erlebte Förderung in Elternhaus und Schule, um Mode sowie um Religion. Die international erfolgreiche Burki führe oft ein Nomadenleben, das Daheimsein in Solothurn sei ihr aber «unglaublich wichtig». Weg von der Heimat, etwa in New York, könne man sich völlig einem Projekt widmen und in diese kreative Welt eintauchen, während die 32-Jährige es hier vielleicht nicht so könnte, wo sie viele Leute kennt.

Ein Karussell zum Schreiben

Auch Peter Bichsel braucht diesen Abstand, den Arbeitsweg, wenn auch bloss von seiner Schreibwerkstatt in Solothurn zu seinem Wohnort Bellach. Zu Hause werde man von kleinen Dingen abgelenkt. Er müsse dort schreiben, wo man sitzen bleiben müsse, deshalb habe er auch viel in der Eisenbahn geschrieben.

Der 80-jährige Bichsel besitzt ein bunt blinkendes Karussell, um in Schreibstimmung zu gelangen. Das sei wie bei einer «Chilbi»und mit Erinnerungen an seine Kindheit verbunden. Beide haben eine schöne Kindheit erlebt. Diejenige von Eliana Burki sei von sehr vielen Freiheiten und Unterstützung geprägt gewesen. Bichsel spricht von einer «schönen, umsorgten» Kindheit. Er fügt bei: «Glücklicherweise mit nur wenig Büchern.»

Diese fünf Exemplare hätte er dafür gleich mehrmals gelesen. Darunter hätte sich auch die Bibel befunden. Während er früher sehr fromm gewesen sei, in einer Phase gar in sektenähnlichen Kreisen, sei er jetzt nicht mehr fromm, aber immer noch religiös. «Ich habe auch meinen Glauben», so Burki. In jedem Land besuche sie eine Kirche oder religiöse Stätte und zünde eine Kerze an. Eindrücklich schildert sie auch ihr Konzert in Aleppo, wenige Wochen vor den heftigen Zerstörungen im syrischen Bürgerkrieg.

«Alphorn erfunden»

Banales wechselt sich in der knappen Stunde mit Tiefschürfendem ab. Gewisse Sätze stehen wie weise Inschriften, besonders solche von Peter Bichsel. «Die Eisenbahn ist ein spiessbürgerliches Fluchtgerät», «Eliane hat nicht gelernt, Alphorn zu spielen, sondern sie hat das Alphorn erfunden» oder «Die Qualität macht man letztendlich für sich selber. Und dafür braucht es ein gewisses Alleinsein und die Widerstände» sind Beispiele solcher Bonmots.

Wörter sind Bichsels Kunst, während Burki sich normalerweise über Musik mitteilt. Mit ihrer neuen CD geht sie ab Januar auf Tournee. Wahrscheinlich werde sie auch in Solothurn spielen. Dann kann man sie über ihre von World Music inspirierten, jazzigen Werke kennenlernen. Auf der Internetseite von SRF 1 kann der «Persönlich»-Beitrag nochmals angehört werden.