Peter Bichsel
Peter Bichsel liest zusammen mit Rosmarie Glauser in Solothurn

Peter Bichsel und die an MS erkrankte Rosmarie Glauser lesen an einer speziellen Lesung zusammen. Die beiden kennen sich schon seit vielen Jahren. Glauser veröffentlicht seit 1990 ihr «Büchli» im Eigenverlag.

Gundi Klemm
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Lesen am Sonntag zusammen: Peter Bichsel und die an MS erkrankte Rosmarie Glauser

Lesen am Sonntag zusammen: Peter Bichsel und die an MS erkrankte Rosmarie Glauser

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Lesen am Sonntag zusammen: Peter Bichsel und die an MS erkrankte Rosmarie Glauser.

Lesen am Sonntag zusammen: Peter Bichsel und die an MS erkrankte Rosmarie Glauser.

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Den Solothurner Literaturpreisträger Peter Bichsel vorzustellen, ist überflüssig, weil er und seine Werke einem grossen Personenkreis bekannt sind. Rosmarie Glauser, die ebenso seit vielen Jahren Gedichte und Prosa schreibt, kennen wenige Leute. Dies soll sich mit der Lesung am 18. September ändern.

«Eine kräftige und überzeugende Poetin»

«Rosmarie Glauser ist meine Kollegin. Zu viele Leute kennen ihre Gedichte nicht. Sie sollen sie kennenlernen, die Gedichte einer kräftigen und überzeugenden Poetin,» urteilt Peter Bichsel. Er liest seine eigenen Texte selbst, während Rosmarie Glauser Roswitha Schilling und Andrea Affolter als Sprecherinnen ihrer Gedichte gewinnen konnte. Sie kenne Peter Bichsel schon seit vielen Jahren, weil sie ihm hin und wieder Gedichte über e-Mail geschickt hat, erinnert sich Rosmarie Glauser.

«Wirklich hervorragende Gedichte»

Anfänglich habe er diese Zeilen schnell und oft oberflächlich gelesen, bekennt Bichsel. Doch dann habe er festgestellt, dass hier eine Autorin mit Ernst am Schreiben an der Arbeit ist. «Ich fand unter ihren Gedichten wirklich hervorragende, die nicht nur aus einem Inhalt bestehen, sondern von einem Formwillen geprägt sind.» Angesprochen auf die Auswahl ihrer Texte, die Rosmarie Glauser gemeinsam mit stets hilfbereiten Bekannten für diese öffentliche Lesung vornimmt, verweist sie auf «alles neue Sachen». Vielleicht befinden sich auch die kürzlich entstandenen Gedichte wie «moole mer schwarz» oder «dr Schueh-egge» dazu. Seit 1990 hat Rosmarie Glauser im Eigenverlag 11, von ihr so genannte «Büchli» herausgegeben. Deren Titel lauten beispielsweise «Gemeinsam-Einsam» oder «Seelepfläschterli», «Farbig» und «e Zitronenschnitz».

Nich um den eigenen Bauchnabel kreisen

Sie könne zwar immer noch hinter ihren älteren Texten stehen, sagt sie, möchte aber jetzt lieber ihre aktuellen Erlebnisse und Betrachtungen der Gesellschaft verwenden. «Ich will doch nicht um den eigenen Bauchnabel kreisen», unterstreicht die Autorin, die für ihre Fortbewegung seit Jahren einen Rollstuhl benötigt.

Peter Bichsel ergänzt dazu: «Und ich lese nicht mit der MS-kranken Rosmarie Glauser, sondern mit der respektierten Schriftstellerin» – an deren Veranstaltung lesen zu dürfen, ihn sehr freue. Ausserdem ist der Solothurner Literaturpreisträger völlig überzeugt, dass Rosmarie Glauser auch unter anderen Lebensumständen eine Autorin geworden wäre.

Literarische Botschaft steht im Mittelpunkt

Dass ihre Krankheit nicht im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr ihre literarische Botschaft an ihr lesendes und zuhörendes Publikum, macht die Rosmarie Glauser besonders glücklich. «Ich gehe mit meinen Gedanken auf Reisen, bin gerne in der Natur und lebe im Augenblick, der mich tagtäglich das Leben schätzen lässt», gibt die Autorin einen kleinen Ausblick auf ihr Thema «HerbstZeitlose Lesungen». Sie berichtet von erstaunlichen Begegnungen, wenn sie selbst noch einkaufen «fährt».

Intensive Zuwendung zu Menschen und Dingen

Ihr Rollstuhl, der ihr Leben schenke, verfolge sie indes nicht in ihre Träume: dort könne sie sich immer ungehindert und leicht bewegen. Ein wichtiger, jedes Dasein bereichernder Wert für unsere immer eilige Gesellschaft liege in der Langsamkeit und der intensiven Zuwendung zu Menschen und Dingen, bekräftigt Rosmarie Glauser ihr Lebenscredo. Da sie als ehemalige Primarlehrerin und Heilpädagogin gerne und überwiegend in Solothurner Mundart schreibt, könne sie in diesem Sprachmedium ebenso wie früher in ihrer Malerei unmittelbar über seelische Empfindungen schreiben und so ihre Gefühlswelt einfliessen lassen.

Seit dem letzten jahr lebt Rosmarie Glauser, die mit ihrem multifunktionalen Rollstuhl häufig in der Stadt und ihrer Umgebung unterwegs ist, im Discherheim, wo sie sich wohlfühlt: «Ich möchte nicht mehr tauschen!»

Lesung Rosmarie Glauser/Peter Bichsel am Sonntag, 18. September, um 11 Uhr in der Säulenhalle Landhaus Solothurn mit Daniela Giacobbo (Kontrabass)