Theater Orchester Biel Solothurn
Perlenfischer strahlen auf der dunklen Bühne

Mit «Les Pêcheurs de perles» führt das Theater Orchester Biel Solothurn eine selten gespielte Oper von Georges Bizet auf. D

Silvia Riez
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Le Pêcheur de perles – TOBS
12 Bilder
Aram Ohanian als Zurga
Angélique Boudeville als Leila

Le Pêcheur de perles – TOBS

Ben Zurbriggen

Viel Applaus für «Les Pêcheurs de perles» sowohl an der Premiere in Biel wie auch in Solothurn. Im Gegensatz zur populären «Carmen», die Georges Bizet in seinem Todesjahr 1875 fertigstellte, blieb den anderen Bühnenkompositionen ein Welterfolg versagt. Auch der 1863 entstandenen und eigentlich als Opéra comique mit gesprochenen Dialogen konzipierten Oper «Les Pêcheurs de perles». So wie die Perlenfischer von der Bühne verschwand, so ging auch die originale Partitur verloren. Heute kann die Musik nur in rekonstruierter Form mit gesungenen Rezitativen aufgeführt werden. Wobei sich das Theater und Orchester Biel Solothurn, Tobs, für eine auf gut 90 Minuten gestraffte Version entschied.

Exotische Szenerie

Obschon eine Rarität, sind das Duett von Tenor und Bariton «Au fond du Temple Saint» und die Tenorarie «Je crois entendre encore» berühmt, besitzen Wunschkonzert-Charakter. Exotik beherrscht die Musik und die Szenerie: Heidnische Götter, keusche Priesterinnen, Opferrituale und Ehrenkodex sind die Zutaten. Dahinter verbirgt sich ein Drama: Die Freunde Nadir und Zurga begehren dieselbe Frau. Die Priesterin Léïla jedoch liebt nur Nadir, der sich über den Freundschaftsschwur hinwegsetzt und die verbotene Liebe auskostet. Zurga ahndet den doppelten Verrat mit einem Todesurteil, danach verhilft er den Liebenden zur Flucht, bleibt alleine zurück und wird von den Perlenfischern bestraft.

Regisseur Louis Désiré fokussiert das Geschehen als Kammerspiel. Ohne gleich in Ceylon-Kitsch zu verfallen, darf eine so exotische Oper wie die Perlenfischer durchaus Atmosphäre und romantischen Zauber ausstrahlen. Nicht so auf der Tobs-Bühne. Désirés Inszenierung und Diego Mendez-Casariego Bühnenbild erhebt Zurgas Fischerhütte zum Schauplatz des düsteren Liebens- und Eifersuchtsdramas. Dunkel und Schwarz bestimmen die Szene.

Mit Licht und Wohlklang entschädigen dafür die Sänger. Allen voran Angélique Boudeville, die mit der koloraturgesättigten Partie der Léïla schlicht brillierte. Ihr Sopran verfügt über ein Strahlen, dass sie selbst in extremen Höhen aus dem Piano entwickeln kann. Die Arie «Comme autrefois» geriet so zum herausragenden musikalischen Höhepunkt. Ihr Geliebter Nadir fand in Manuel Núñez-Camelino einen lyrischen Tenor, der mit schlanker Stimmführung und schönen Melismen für sich einnimmt, den weitflutenden Melodienbögen mitunter ein bisschen Schmelz schuldig bleibt.

Aram Ohanian formte mit resonanzreichem Bariton einen Zurga mit Schatten auf der Seele. Melancholie, Trauer und unbändiger Zorn beherrschen den König der Perlenfischer. Bassist Eric Martin Bonnet garantiert als Nourabad, dass die Konventionen eingehalten werden.

Das von Benjamin Pionnier geleitete Orchester schenkte der mit exotischem Kolorit parfümierten Musik Charme und setzte starke, laute Akzente. Der von Valentin Vassilev einstudierte Chor zelebrierte das stark rhythmisierte Singen und den vollen Klang. Zum Schlussapplaus durften sich die – natürlich schwarz gewandeten – Chorsängerinnen und Sänger dann dem begeisterten Publikum zeigen.

Nächste Aufführungen in Solothurn: 24.3., 18.5., 20.5., 31.5.

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