Solothurn
Patienten mit Krebs oder Angststörungen empfehlen Therapie mit LSD

Das Podium zum Thema «Psychedelische Erfahrungen als Chance unserer Gesellschaft» lockte am Wochenende viele Gäste. Einer der Stargäste auf der Bühne, Ralph Metzner, hat vor 50 Jahren mit Timothy Leary ein Buch über psychedelische Drogen verfasst.

Christof Ramser
Merken
Drucken
Teilen
Über die Chancen psychedelischer Erfahrungen diskutierten: Der Psychiater Stanislas Grof, der frühere Harvard-Professor Ralph Metzner, Claudia Mueller-Ebeling, Christian Rätsch und der Solothurner Arzt Peter Gasser.

Über die Chancen psychedelischer Erfahrungen diskutierten: Der Psychiater Stanislas Grof, der frühere Harvard-Professor Ralph Metzner, Claudia Mueller-Ebeling, Christian Rätsch und der Solothurner Arzt Peter Gasser.

Hansjoerg Sahli

Es war die Konferenz der Psychonauten, Spiritualisten und modernen Schamanen. Auf der Bühne: Die Doyens der Forschung mit psychoaktiven Substanzen. Im Publikum: Die Begeisterten. Und alle im gut gefüllten Landhaussaal waren sie Eingeweihte. Viele Gäste des Podiums zum Thema «Psychedelische Erfahrungen als Chancen unserer Gesellschaft» haben in den 1960er- und 70er-Jahren mit LSD experimentiert. Haben erhellende Erfahrungen gesammelt oder Horrortrips durchlitten. Wer sich später damit berauscht hat, tat dies illegal: Seit Ende der 1960er-Jahre wurde die halluzinogene Droge schrittweise fast weltweit verboten.

Als LSD noch nicht auf der roten Liste war, hat der junge Medizinstudent Stanislav Grof in Prag intensiv damit geforscht. Am Anfang stand eine Schachtel mit Ampullen, der Absender war die Basler Sandoz. Jenes Unternehmen, in dem der Erfinder des LSD, Albert Hofmann, als Chemiker tätig war. Es war nur eine der Geschichten, die der inzwischen 83-jährige Psychiater Grof erzählte. Er war am Wochenende aus Anlass des 30-jährigen Bestehens des Nachtschatten-Verlags nach Solothurn gereist. Der andere Stargast war Ralph Metzner (78). Der frühere Harvard-Professor hat vor 50 Jahren mit Timothy Leary, dem Guru der Hippie-Bewegung, ein viel beachtetes Buch über psychedelische Drogen geschrieben. Sowohl Grof als auch Metzner ernteten nach jeder Äusserung im Landhaus bejubelten Applaus.

Solothurner forscht mit LSD

Für den lokalen Farbklecks auf dem Podium sorgte Peter Gasser. Der Solothurner Psychiater durfte dank einer Sondergenehmigung des Bundes zwischen 2008 und 2011 legal mit LSD forschen. 12 Patienten hat er in dieser Zeit behandelt. Sie litten an Krebs und Angststörungen. «Alle waren dankbar und würden die Therapie weiterempfehlen», sagte Gasser. Niemand habe sich danach in psychiatrische Behandlung begeben müssen. Es sei ein «kleiner Schritt» gewesen zur Wiedereinführung von LSD in der Medizin. Die Droge könne einen Beitrag leisten im Hunger nach spiritueller Erfahrung, sie habe Potenzial für individuelle Heilung und könne die Kreativität fördern.

Ein Aufruf zur vollständigen Drogenliberalisierung wurde im Landhaus aber nicht gestartet. Gassers Ziel wäre erreicht, wenn anwendbare Regeln für die Arbeit mit LSD geschaffen würden. «Doch dafür braucht es noch viel Aufklärungsarbeit.»

Auf die Frage aus dem Publikum, welche Drogen er einem Politiker zum Einstieg empfehlen würde, reagierte Metzner deutlich: «Gar keine.» Als Forscher stünde es ihm nicht zu, psychedelische Substanzen ohne weiteres weiterzugeben. «Und man muss sich den Gesetzen anpassen, das gehört dazu.» Die Kunsthistorikerin und Ethnologin Claudia Müller-Ebeling fügte an, sie habe schon viele am Konsum von LSD scheitern sehen. «Es ist eine Aufgabe, an der man arbeiten muss.»

Zanetti und der Friedensjoint

Einen Einblick in die schweizerische Drogenpolitik gab der Solothurner SP-Ständerat Roberto Zanetti in seinem Grusswort. Zwar sei das Parlament in Bern drogenpolitisch durchaus aktiv. Doch in der Cannabisfrage liefere man sich einen Eiertanz. Er warte auf den Tag, an dem die Schweizer Agrarpolitik Beiträge ausrichte zur Förderung der einheimischen Cannabis-Produktion, sagte Zanetti. Und mit Blick zum Gründer des Nachtschatten-Verlags und Absinth-Bar-Betreiber Roger Liggenstorfer: «Ich glaube nicht, dass die Welt schlechter wird, wenn man im Fumoir der Grünen Fee in Solothurn legal einen Friedensjoint rauchen könnte. Im Gegenteil.»