Ein letzter Schnitt an diesem Herbsttag. Damit hält Hanspeter Zäch sein kleines Paradies in Schuss. Die Häuserder Glacismatte aus den 20er-Jahren, eine Genossenschaftsüberbauung, wird von der Stadt als «schützenswert» im Bauinventar aufgeführt. «Ich wohne seit bald 28 Jahren hier. Und es gefällt mir sehr.» Der Mieter muss nicht damit rechnen, dass das grosszügige Gartenquartier irgendwann spekulativ überbaut und verdichtet wird. Die 14 Häuser gehören zu den 126 kommunal als schützenswert eingestuften Objekten, 155 sind als erhaltenswert aufgeführt.

Ist Solothurn fertig gebaut?

Diese 281 Objekte ausserhalb der ohnehin geschützten Altstadt bilden einen blauen («schützenswert») und grünen («erhaltenswert») Flickenteppich auf dem Stadtplan. Dazu kommen 74 rote Flecken, die ausserhalb der Altstadt kantonal geschützt sind: Klöster, Kapellen und Patrizierhäuser der Barockzeit, das Kunstmuseum, der Konzertsaal, aber auch neuere Bauten wie das Touringhaus an der Bielstrasse. Dazu schraffierte Strukturgebiete, womit eine beachtliche Zahl von total 3400 Wohnbauten der Stadt «auf dem Radar» sind, also nicht einfach so durch Neubauten ersetzt werden können. Denn die Inventarisierung bezweckt nicht nur den Erhalt des Gebäudes selbst, sondern auch der Gesamtensembles. Deshalb: Wem mitgeteilt wurde, dass sein Haus inventarisiert worden ist, sollte bei Bauplänen frühzeitig das Stadtbauamt kontaktieren. Dessen Leiterin Andrea Lenggenhager: «Das heisst nämlich nicht, dass man nichts machen kann.»

Nicht alles bleibt im Inventar

 

Was einmal im Inventar aufgenommen ist, muss auch nicht auf ewig drinbleiben. Lukas Reichmuth, Chef Hochbau der Stadt: «Insgesamt wurden 126 Objekte aus dem bisherigen Inventar entlassen.» Die Entlassung sei erfolgt, weil zum Teil ausgeführte Umbauten den Verbleib im Inventar nicht mehr rechtfertigten oder «weil die Objekte im Quervergleich zu den anderen bestehenden und neuen Objekten im Inventar nicht mehr als schützens- oder erhaltenswert eingestuft wurden». Ein Blick ins Bauinventar offenbart spannende Einblicke in die Baugeschichte der Stadt Solothurn – doch etwas Zeit sollte man sich dafür nehmen: Knapp 600 Seiten gilt es für die 281 Objekte herunterzuscrollen.

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