Neueröffnung

Opulenter «King Arthur» krönt den Freudentag im Solothurner Stadttheater

Mit einer bejubelten Premiere von Henry Purcells «King Arthur» wurde das Stadttheater Solothurn nach dem Umbau wiedereröffnet.

Es ist vollbracht: Das mit restaurierten Fresken prunkende Stadttheater Solothurn wurde termingerecht wiedereröffnet und von Stadtpräsident Kurt Fluri dem Intendanten, dem Ensemble und den Theaterbesuchern übergeben. Indessen nicht ganz so pünktlich startete die dafür angesetzte «King Arthur»-Premiere.

Während Kurt Fluri die illustren Gäste begrüsste (die Regierungsräte Remo Ankli und Bernhard Pulver, die ehemaligen Theater-Direktoren Beat Wyrsch und Hans J. Ammann sowie Theaterlegende Mario Bettoli) und für die grosse finanzielle Unterstützung seitens des Kantons, von Institutionen und privaten Gönnern dankte, bezogen die Musikerinnen und Musiker rund 45 Minuten verspätet ihre Plätze. Schneegestöber hatte den Orchesterbus in Bedrängnis gebracht. Dass er wohlbehalten in Solothurn ankam und das Sinfonieorchester Biel Solothurn trotz turbulenter Anreise und Premierennervosität mit Lust und Hingabe spielte, untermauerte Kurt Fluris Bekenntnis: «Heute ist für unsere Stadt ein Freudentag.»

Intendant Dieter Kaegi witzelte, die Verspätung hätte ausreichend Zeit verschafft, die sanierten Räume und das barocke Ambiente zu bewundern. Tatsächlich entlockte bereits das Foyer begeisterte «Ahs» und «Ohs». Die sich im wunderschönen Parkett noch steigerten. Als der Vorhang schliesslich die spiegelverkleidete Bühne freigab, in der sich Parkett und Balkon zum Theater im Theater verdoppelten, brandete Jubel auf. Ein opulenter Rahmen (Bühnenbild Karin Fitz) für die Semi-Oper «King Arthur», die Musik-, Sprechtheater und Tanz verbindet und in der Inszenierung von Schauspieldirektorin Katharina Rupp und unter dem Taktstock von Maestro Marco Zambelli zu einem Festschmaus für die Sinne avancierte. Ein amüsanter «Zwitter», in dem sich Henry Purcells Musik und John Drydens Schauspiel zum unterhaltsamen Bühnenspektakel verbinden.

Die wirkliche Oper, und das war damals die italienische, hatte zu ihrer Lebzeit in England noch nicht Fuss gefasst. Nur eine Oper («Dido und Aeneas») hat Henry Purcell geschrieben, die anderen Werke sind «semi-operas»: Oper und Schauspiel werden gemeinsam aufgeführt – was nicht Oper als Schauspiel meint und auch nicht eine kunstvolle Gleichzeitigkeit der commedia dell’arte und der Seria-Elemente –, sondern in «King Arthur» stehen sich ausgedehnte Sprechpassagen und liedhafte Arien gegenüber.

Das spartenübergreifende Stück hat sich für die Wiedereröffnung als Glückstreffer erwiesen und hervorragende Ensemblestützen wie Barbara Grimm, Günter Baumann und Jan-Philip Walter Heinzel vom Schauspiel sowie Konstantin Nazlamov, Bojidar Vassilev und Carlos Esquivel aus dem Musiktheater mit neuen Mitgliedern und tollen Gastsolisten vereint. Wie auch der immer präsente und von Valentin Vassilev akkurat vorbereitete Chor.

Sie bevölkern Britannien, wo König Arthur mit seinen Getreuen gegen die heidnischen Sachsen, angeführt von König Oswald, erst um die Insel, dann um die Liebe der schönen Emmeline kämpfen. Katharina Rupp hat die auf Mythologie und keltischen Sagen gründende Kampf- und Liebesgeschichte rasant, witzig, akzentuiert und spritzig in Szene gesetzt. Die von Janine Werthmann mit historischem Kolorit gekleideten Soldaten, Geistwesen, Magier, Könige, Ritter und Tänzer (Daniel Kurt, Nathalie Komagata, Meret Wasser und Daria Weyeneth) bringen das Publikum zum Schmunzeln und Staunen. Im Zauberwald und bei der Frostszene entzücken Bilder voller Poesie und Anmut.
Amüsant die Schäferszene wie auch der von den Protagonisten selber choreografierte athletische Schlusskampf. Kaleidoskopartige Sequenzen, von Merlin (Barbara Grimm) kontrolliert und manipuliert. Assistiert von der gelenkigen und ausdrucksstarken Natalina Muggli als Luftgeist.

Gemeinsam mit Conon (souverän: Günter Baumann) und Aurelius (sympathisch: Raphaël Olivier Tschudi) unterstützen sie König Arthur (überzeugend: Max Merker) bei seinen Kämpfen, machen die blinde Emmeline (Atina Tabé) wieder sehend. Die Schöne wird von Sachsenkönig Oswald (herrlich wild und angriffig Jan-Philip Walter Heinzel) und seinem Magier Osmond (Allrounder Tim Mackenbrock) entführt und begehrt. Kabinettstücke liefern Barbara Grimm als vornehm agierender, charismatischer Spiritus rector Merlin, Fernanda Rüesch als Urbild einer englischen Gouvernante, Lou Elias Bihler als wandelbarer Wüstling und Anne-Florence Marbot als trefflicher Cupido mit Koloraturketten und Sopranglanz. Selbstverständlich wird Britannia gerettet und gehuldigt, eingebettet in Kriegschöre, Trinklieder und Trompetenfanfaren. Ein mitreissendes Grossprojekt, in dem auf der Bühne, im Orchestergraben und im Parkett alle ihren Spass haben – Barocktheater pur im barocken Theater.

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